Ukraine-Krieg, Tag 110: Separatisten in Donezk berichten von heftigem Beschuss

Kiew (Ukraine) - Seit 110 Tagen führt Russland inzwischen Krieg gegen die Ukraine. Ein Ende ist nicht in Sicht. Vor allem im Osten des Landes gehen die schweren Kämpfe weiter. Alle aktuellen Entwicklungen gibt es Ihr hier im TAG24-Liveticker.

Ein zerstörtes Auto steht vor einem beschädigtem Gebäude in Charkiw. Recherchen von Amnesty International zufolge sollen russische Truppen durch den Einsatz von Streumunition zahlreiche Zivilisten getötet haben.
Ein zerstörtes Auto steht vor einem beschädigtem Gebäude in Charkiw. Recherchen von Amnesty International zufolge sollen russische Truppen durch den Einsatz von Streumunition zahlreiche Zivilisten getötet haben.  © Peter Druk/XinHua/dpa

Die Ukraine dringt inmitten schwerer Kämpfe im Osten des Landes auf zusätzliche und schnellere Waffenlieferungen aus dem Westen. Präsident Wolodymyr Selenskyj (44) bat nach russischen Raketenangriffen in der Nacht zum Montag abermals um moderne Luftabwehr-Systeme.

Von dem laut einem Medienbericht anstehenden Besuch von Bundeskanzler Olaf Scholz (63) in Kiew erhofft sich die Ukraine die Zusage zur sofortigen Lieferung deutscher Panzer.

"Ohne deutsche schwere Waffen wird es uns leider nicht gelingen, die gewaltige militärische Überlegenheit Russlands zu brechen und das Leben von Soldaten und Zivilisten zu retten", so der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk (46).

Ukraine-Krieg im Liveticker: Selenskyj stellt Ukrainer auf harten Winter ein
Ukraine Ukraine-Krieg im Liveticker: Selenskyj stellt Ukrainer auf harten Winter ein

Russische Truppen sollen Recherchen von Amnesty International zufolge durch den völkerrechtswidrigen Einsatz geächteter Streumunition zahlreiche Zivilisten im ostukrainischen Gebiet Charkiw getötet haben.

Die wichtigsten Geschehnisse des gestrigen Tages könnt Ihr im TAG24-Ticker vom Sonntag nachlesen. Alle Entwicklungen im Zuge des Krieges in der Ukraine am heutigen Montag, dem 13. Juni, gibt es hier im Liveticker.

22.32 Uhr: Selenskyj verspricht Rückeroberung der Krim

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (44) hat seinen Landsleuten eine Rückeroberung der von Russland annektierten Halbinsel Krim versprochen.

"Die ukrainische Flagge wird wieder über Jalta und Sudak, über Dschankoj und Jewpatorija wehen", sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft am Montag in Kiew. "Natürlich werden wir auch unsere Krim befreien."

22 Uhr: Separatisten in Donezk berichten von heftigem ukrainischem Beschuss

Die von Russland kontrollierten Separatisten in Donezk haben am Montag von dem bislang angeblich heftigsten ukrainischen Beschuss auf die Stadt seit Beginn des Krieges berichtet.

Vier Menschen seien getötet und mindestens 23 Menschen verletzt worden, hieß es in örtlichen Medienberichten. Auch eine Geburtsklinik in der früheren Millionenstadt sei in Brand geraten, dort sei aber niemand verletzt worden. Die Berichte waren nicht unabhängig überprüfbar.

Rauchschwaden steigen über der ostukrainischen Stadt Donezk auf. Separatisten haben am Montag von heftigem Beschuss berichtet.
Rauchschwaden steigen über der ostukrainischen Stadt Donezk auf. Separatisten haben am Montag von heftigem Beschuss berichtet.  © Yuri KADOBNOV / AFP

21.54 Uhr: Selenskyj: Scholz und seine Regierung müssen sich entscheiden

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (44) fordert von Olaf Scholz (63, SPD) eine eindeutigere Positionierung im Ukraine-Krieg.

"Wir brauchen von Kanzler Scholz die Sicherheit, dass Deutschland die Ukraine unterstützt. Er und seine Regierung müssen sich entscheiden", sagte er am Montag in einem Interview des ZDF-"heute-journals" in Kiew. Es dürfe nicht versucht werden, einen Spagat zwischen der Ukraine und den Beziehungen zu Russland hinzubekommen. Russland hatte das Nachbarland Ende Februar überfallen.

"Deutschland ist etwas später als einige unserer Nachbarländer dazugekommen, was die Waffenlieferungen angeht. Das ist eine Tatsache", kritisierte das Staatsoberhaupt. Als erstes seien unter anderem die USA, Großbritannien sowie die baltischen Staaten und andere östliche EU-Länder aktiv geworden. Deutschland und Frankreich hätten anfangs nur politisch und rhetorisch die Ukraine unterstützt.

Wolodymyr Selenskyj (44) wünscht sich eine eindeutigere Positionierung der Bundesregierung.
Wolodymyr Selenskyj (44) wünscht sich eine eindeutigere Positionierung der Bundesregierung.  © Natacha Pisarenko/AP/dpa

20.05 Uhr: Russen kontrollieren über 70 Prozent von Sjewjerodonezk

Im umkämpften Donbass haben russische Truppen nach ukrainischen Angaben den Großteil der wichtigen Stadt Sjewjerodonezk eingenommen.

"Stand heute kontrolliert Russland leider über 70 Prozent, jedoch nicht die ganze Stadt", sagte der Gouverneur des Luhansker Gebiets, Serhij Hajdaj (46), am Montag beim TV-Sender Belsat. Es gebe harte Kämpfe um jedes Haus. Mit der Einnahme des Verwaltungszentrums Sjewjerodonezk hätten die prorussischen Separatisten mit Moskaus Hilfe die Region Luhansk fast komplett unter ihrer Kontrolle und ein wichtiges Kriegsziel erreicht.

18.51 Uhr: Scholz weist Vorwurf der Zögerlichkeit bei Waffenlieferungen zurück

Bundeskanzler Olaf Scholz (63, SPD) hat den Vorwurf zurückgewiesen, bereits versprochene Waffen zu zögerlich an die Ukraine zu liefern.

Er verwies am Montag auf die Ausbildung für die ukrainischen Streitkräfte, die für die teils sehr modernen und komplizierten Waffensysteme erforderlich sei. "Es geht um richtig schweres Gerät. Das muss man benutzen können, dafür muss man trainiert werden, das findet in der Bundesrepublik Deutschland gegenwärtig statt", sagte Scholz auf einer Pressekonferenz nach einem Treffen mit ostdeutschen Ministerpräsidenten auf der Insel Riems bei Greifswald.

"Wir werden die Waffen, die wir auf den Weg gebracht haben, alle liefern", versprach Scholz. Die Industrie habe die Waffen in ihrem Bestand und bereite sie entsprechend vor - das gelte auch für die Bundeswehr, die diejenigen Waffen vorbereite, für die sie zuständig sei. Zur Kritik am Tempo der Waffenlieferungen sagte er: "Ich glaube, dass es wirklich eine gute Sache wäre, wenn der eine oder andere noch mal kurz überlegt, bevor er seine Meinung zu dem einen oder anderen Thema äußert."

Olaf Scholz (63, SPD) wies die Vorwürfe im Bezug auf Waffenlieferungen an die Ukraine zurück.
Olaf Scholz (63, SPD) wies die Vorwürfe im Bezug auf Waffenlieferungen an die Ukraine zurück.  © NIKOLAY DOYCHINOV / AFP

18.48 Uhr: Freiwillige aus 55 Ländern kämpfen auf ukrainischer Seite

In der Ukraine kämpfen nach Angaben aus Kiew inzwischen Freiwillige aus rund 55 Staaten - darunter aus Deutschland - gegen die russischen Truppen.

"Wir können bestätigen, dass wir deutsche Legionäre haben, können aber keine Zahlen kommentieren", teilte ein Sprecher der Internationalen Legion am Montag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Anfang Juni hatte die als staatliche Stelle eingerichtete Legion erstmals auch den Tod eines Deutschen bestätigt, der bei den Gefechten im Zuge des russischen Einmarsches in die Ukraine gestorben war.

Zuvor hatte die Legion mitgeteilt, dass vor allem US-Amerikaner und britische Freiwillige im Einsatz seien, gefolgt von Polen und Kanadiern. Es gebe auch Kämpfer aus Brasilien, Australien, Südkorea und den baltischen EU-Staaten sowie aus den nordeuropäischen Ländern, darunter vor allem aus Finnland.

18.03 Uhr: Nach Luftangriffen im Norden der Ukraine vier Dörfer evakuiert

Nach Luftangriffen auf die nordukrainische Stadt Pryluky sind vier umliegende Ortschaften evakuiert worden.

"Der Feind hat drei Raketen auf Pryluky gefeuert", schrieb der Gouverneur der Region Tschernihiw, Wjatscheslaw Tschaus, am Montag im Online-Dienst Telegram. Wegen Brandgefahr sei die Evakuierung angeordnet worden, sagte der Leiter des Zivilschutzes der Region, Sergej Boldyrew, laut der Nachrichten-Website Suspilne.

Pryluky liegt 150 Kilometer östlich von Kiew und hat einen Militärflugplatz. Genauere Angaben zu entstandenen Schäden machten die Behördenvertreter zunächst nicht. Das Ausmaß der Zerstörung werde noch geprüft, erklärte Tschaus.

17.59 Uhr: Swjatohirsk: Bürgermeister läuft zu prorussischen Separatisten über

Nach der Einnahme der ukrainischen Stadt Swjatohirsk (Swjatogorsk) durch prorussische Kräfte ist der Bürgermeister der Stadt zu den Separatisten übergelaufen.

Wladimir Bandura habe seine wahre Haltung verborgen und wie viele Bürger der Stadt auf die "Befreiung" gewartet, sagte der Anführer der von Russland als Staat anerkannten Volksrepublik Donezk, Denis Puschilin (41), am Montag.

Die ukrainischen Streitkräfte hatten vorige Woche die Kontrolle verloren über die Kleinstadt. Ukrainische Medien bezeichneten Bandura als "Verräter". Auch in anderen Regionen waren Beamte übergelaufen.

17.52 Uhr: EU-Beitritt: Klingbeil dringt auf positives Signal Richtung Kiew

SPD-Chef Lars Klingbeil (44, SPD) fordert in der Debatte um einen möglichen EU-Kandidatenstatus für die Ukraine ein positives Zeichen Richtung Kiew.

Er halte es für wichtig, "dass es ein klares politisches Signal gibt an die Ukraine, dass wir deutlich machen, sie kämpfen dort gerade in diesem Krieg für unsere Werte und wir wollen sie in der Europäischen Union haben", sagte Klingbeil am Montag in Brüssel. Dabei müsse nach Wegen gesucht werden, wie das in Einklang mit den notwendigen Kriterien geschehen könne. Das sei seine Erwartung an die EU-Kommission.

Lars Klingbeil (44, SPD) möchte ein "klares politisches Signal" an die Ukraine senden.
Lars Klingbeil (44, SPD) möchte ein "klares politisches Signal" an die Ukraine senden.  © Axel Heimken / AFP

14.43 Uhr: Ukrainische Polizei: Bislang 12.000 Zivilisten im Krieg getötet

Im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sind nach ukrainischen Angaben mehr als 12.000 Zivilisten umgekommen.

Die meisten Opfer seien durch Explosionen getötet worden, sagte der Chef der ukrainischen Polizei, Ihor Klymenko, in einem am Montag von der Agentur Interfax-Ukraine veröffentlichten Interview.

75 Prozent der Getöteten seien Männer, zwei Prozent Kinder und die Übrigen Frauen.

"Es handelt sich um Zivilbevölkerung, diese Menschen standen in keiner Beziehung zum Militär oder den Rechtsschutzorganen", unterstrich Klymenko. 1200 Opfer habe man noch nicht identifizieren können.

Titelfoto: Yuri KADOBNOV / AFP

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