Ukraine-Krieg im Liveticker: Russisches Militär kommt nur langsam voran

Kiew (Ukraine) - 19 Tage sind seit der russischen Invasion in der Ukraine vergangen. Es wird damit gerechnet, dass weitere Offensiven des russischen Militärs auf Städte vorbereitet werden.

Ein traurig-typisches Bild in diesen Tagen in der Ukraine. Zerstörte Autos an einer Straße, die als Evakuierungsroute dient.
Ein traurig-typisches Bild in diesen Tagen in der Ukraine. Zerstörte Autos an einer Straße, die als Evakuierungsroute dient.  © Felipe Dana/AP/dpa

Zahlreiche Sanktionen wurden in den vergangenen 2,5 Wochen gegen Russland beschlossen. Zudem ist dort mittlerweile nach Facebook und Twitterauch das soziale Netzwerk Instagram blockiert worden.

Auch in anderen Staaten der Welt sind Kriegsauswirkungen spürbar. So hat Wirtschaftsminister Robert Habeck (52, Grüne) ein Maßnahmenpaket gegen die steigenden Energiekosten angekündigt.

Am Montag laufen zudem Friedensverhandlungen zwischen der Ukraine und Russland. Die Gespräche werden von den Vertretern online geführt.

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Weitere Infos zum Kriegsgeschehen in Osteuropa lest Ihr im TAG24-Liveticker.

21.40 Uhr: Ukraine meldet neun Tote bei Angriff auf Fernsehturm bei Riwne

Bei einem Angriff auf einen Fernsehturm unweit der Großstadt Riwne sind ukrainischen Angaben zufolge neun Menschen getötet worden.

Durch den Raketeneinschlag seien im Ort Antopil im Nordwesten der Ukraine am Montagmorgen zudem neun weitere Menschen verletzt worden, teilte die regionale Militärverwaltung auf Facebook mit. Getroffen worden sei neben dem Fernsehturm auch ein nahe gelegenes Verwaltungsgebäude. Die Aussagen ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Russland attackiert eigenen Angaben zufolge im Nachbarland neben militärischen Einrichtungen auch die Geheimdienst- und Informationsinfrastruktur. Kiew beschuldigt die russischen Truppen zudem, gezielt Wohngebiete und Zivilisten zu beschießen.

Moskau weist das zurück.

21.35 Uhr: UN-Flüchtlingshilfswerk hat 200 Millionen Dollar an Spenden erhalten

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR hat angesichts des Kriegs in der Ukraine bisher mehr als 200 Millionen Dollar (rund 183 Millionen Euro) an Spenden von Firmen, Stiftungen und Einzelpersonen erhalten.

Mit dem Geld sei es unter anderem möglich gewesen, Luftbrücken und Lastwagen-Konvois zur Unterstützung von Flüchtlingen und Vertriebenen in der Ukraine zu organisieren, teilte die UN-Organisation in Genf mit. "In diesem Moment sind alle Augen auf der ganzen Welt auf die Ukraine gerichtet. Wir sind solidarisch mit Menschen, die um ihr Leben fliehen, deren Familien auseinandergerissen werden", sagte die UNHCR-Botschafterin des guten Willens, die Schauspielerin Cate Blanchett (52).

Da sich die Krise verschärfe, werde weitere Unterstützung benötigt, sagte der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi. Die Organisation bitte dringend um 510 Millionen Dollar, um den Vertriebenen im Land und den Flüchtlingen in der gesamten Region erste Nothilfe leisten zu können.

Laut UNHCR sind seit Ausbruch des Krieges bisher mehr als 2,8 Millionen Menschen aus dem Land geflohen, zwei Millionen weitere Männer, Frauen und Kinder seien innerhalb des Landes vertrieben.

21.31 Uhr: Verbündete können sich laut UN nicht auf Resolution zur Ukraine einigen

Der UN-Sicherheitsrat wird vorerst nicht über eine humanitäre Resolution zum Krieg in der Ukraine abstimmen.

Stattdessen wollen die für die Ausarbeitung zuständigen Ratsmitglieder Frankreich und Mexiko ihre Initiative vor der Vollversammlung zur Wahl stellen. Die UN-Vertretungen der beiden Länder begründeten das am Montag mit dem Interesse vieler weiterer UN-Mitgliedstaaten, die Resolution zu unterstützen.

Hinter den Kulissen werden aber vor allem Meinungsverschiedenheiten zwischen den Verbündeten als Grund für das Scheitern angeführt. Es ging demnach bei den Verhandlungen zwischen den 15 Mitgliedern des Sicherheitsrates vor allem darum, wie konfrontativ die Beschlussvorlage gegenüber Russland sein sollte. Paris und Mexiko waren dem Vernehmen nach für einen weniger offensiven Text, um ein Veto Moskaus zu verhindern - was ein Scheitern bedeutet hätte.

Die USA dagegen wollten demnach, dass Russland als Aggressor dargestellt wird.

Eine Resolution zur Verbesserung der humanitären Hilfe für die Ukraine hätte mit einem Mandat vom UN-Sicherheitsrat mehr Gewicht, da dessen Beschlüsse völkerrechtlich bindend sind. Dies ist bei den Beschlüssen der Vollversammlung mit 193 Mitgliedstaaten - wo kein Land ein Vetorecht hat - nicht der Fall.

21.27 Uhr: Großflächige Evakuierung aus Mariupol erneut gescheitert

Geplante Evakuierungen von Zivilisten aus der belagerten Hafenstadt Mariupol sind ukrainischen Angaben zufolge auch am 19. Kriegstag weitgehend gescheitert.

Zwar hätte eine Kolonne von Privatautos Mariupol am Montag in Richtung der mehr als 70 Kilometer westlich gelegenen Stadt Berdjansk verlassen können, sagte Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk der Agentur Unian zufolge am Abend. "Aber unsere humanitäre Fracht ist weiter nicht in Mariupol angekommen, sie ist noch in Berdjansk." Die Situation in Mariupol sei katastrophal, betonte Wereschtschuk: "Die Menschen kämpfen um Essen und Wasser, dort spielt sich ein Alptraum ab."

Wereschtschuk widersprach ausdrücklich Angaben des russischen Verteidigungsministeriums, wonach eine Massenevakuierung von Zivilisten eingeleitet worden sei. Der russische Generalmajor Michail Misinzew hatte zudem gesagt, ein erster Hilfskonvoi habe erfolgreich 450 Tonnen Medikamente, Lebensmittel und Babynahrung geliefert.

Im Tagesverlauf war ukrainischen Angaben zufolge ersten Zivilisten die Flucht aus der Großstadt am Asowschen Meer auf eigene Faust gelungen: Mehr als 160 Privatautos hätten Mariupol in Richtung Berdjansk verlassen können, hieß es am frühen Nachmittag. Der Konvoi mit Hilfsgütern kam hingegen nicht durch - ebenso wie Busse, die größere Zahlen an Zivilisten hätten aus der Stadt fahren sollen.

21.25 Uhr: Kriegsgegnerin unterbricht Nachrichten in Russlands Staats-TV

Mit einem Protestplakat und lauten Rufen hat eine Kriegsgegnerin im russischen Staatsfernsehen für eine Unterbrechung der abendlichen Hauptnachrichtensendung gesorgt. Während der Live-Übertragung am Montag um 21 Uhr Moskauer Zeit (19 Uhr MEZ) sprang die Frau plötzlich hinter Nachrichtensprecherin Jekaterina Andrejewa ins Bild und hielt ein Schild mit der Aufschrift "Stoppt den Krieg. Glaubt der Propaganda nicht. Hier werdet ihr belogen" hoch.

Dazu rief sie mehrmals laut: "Nein zum Krieg, Nein zum Krieg, Nein zum Krieg!" Anschließend brach die Übertragung ab und es wurden Bilder aus einem Krankenhaus gezeigt. Der Videoausschnitt verbreitete sich umgehend in sozialen Netzwerken. Vor allem russische Oppositionelle lobten die Frau für ihren Mut.

"Was Mut wirklich bedeutet", schrieb der Pianist Igor Levit bei Twitter. In Russland ist es Medien verboten, den russischen Einmarsch in die Ukraine als "Krieg" oder "Invasion" zu benennen. Stattdessen ist offiziell von einer "militärischen Spezialoperation" die Rede. Medienberichten zufolge handelt es sich bei der Frau um eine Mitarbeiterin des Staatsfernsehens, die ihre Protestaktion zuvor in sozialen Netzwerken angekündigt haben soll.

Als Begründung soll sie angegeben haben, dass ihr Vater Ukrainer und der Krieg gegen das Nachbarland ein "Verbrechen" sei, für das Kremlchef Wladimir Putin (69) verantwortlich sei. Sie soll festgenommen worden sein. Der erste russische Fernsehkanal sprach in einer Mitteilung lediglich von einem "Vorfall" während der Sendung "Wremja" und kündigte eine interne Prüfung an.

21.15 Uhr: Angriff auf Militärgelände bei Lwiw laut Pentagon kein "Wendepunkt"

Die US-Regierung sieht in dem russischen Angriff auf den Truppenübungsplatz Jaworiw in der Westukraine keinen "Wendepunkt".

"Ich glaube nicht, dass wir diesen oder die anderen Angriffe in der Westukraine als eine Art Wendepunkt betrachten würden", sagte Pentagon-Sprecher John Kirby (59) am Montag. Das russische Militär würde aber eindeutig seine Ziele erweitern. Kirby betonte gleichzeitig: "Wir betrachten diesen Angriff nicht als einen Versuch, die Lieferung von Sicherheitshilfen an die Ukraine anzugreifen." Man werde die Ukraine weiterhin mit entsprechenden Lieferungen unterstützen.

Russlands Militär hatte am Sonntag in der Westukraine unweit der polnischen Grenze den Truppenübungsplatz Jaworiw attackiert und dabei eigenen Angaben zufolge viele ausländische Kämpfer getötet. Kiew widersprach dieser Darstellung später und sprach von "purer russischer Propaganda".

Nach ukrainischen Angaben gab es bei dem Angriff nordwestlich von Lwiw (Lemberg) mindestens 35 Tote sowie 134 Verletzte. Die Angaben der Kriegsparteien ließen sich nicht unabhängig überprüfen. Der Militärexperte Wolfgang Richter geht davon aus, dass Russland mit der jüngsten Ausweitung seiner Offensive auf den Westen der Ukraine westliche Lieferungen an die ukrainische Armee unterbinden will.

20.45 Uhr: Wladimir Putin muss wahllose Angriffe laut Boris Johnson auf unschuldige Bürger stoppen

Der britische Premier Boris Johnson (57) und sein lettischer Amtskollege Krisjanis Karins (57) haben den russischen Präsidenten Wladimir Putin (69) aufgerufen, seine Angriffe auf Zivilisten zu beenden.

Die Regierungschefs seien sich einig, dass "Putin in der Ukraine einen furchtbaren und unverzeihlichen Fehler gemacht hat und seine wahllosen Angriffe auf unschuldige Bürger aufhören müssen", hieß es am Montagabend aus der Downing Street. Außerdem müsse der Westen seine Abhängigkeit von Russland im Energiebereich beenden. Man wolle schnellstmöglich "nukleare und erneuerbare Optionen" ausloten.

Nach seinem Austausch mit dem Letten wollte Johnson am Abend weitere Amtskollegen aus dem Baltikum und den skandinavischen Ländern zu einem Abendessen empfangen.

Am Dienstag sollte es zwischen ihnen weitere Gespräche über den Krieg in der Ukraine geben.

19.52 Uhr: Angriff auf Flugzeugbaufabrik Antonow

In der Hauptstadt Kiew hat es am Montag einen Angriff auf ein bekanntes Flugzeugbauunternehmen gegeben.

"Die Besatzer haben das Antonow-Werk beschossen", teilte die Stadtverwaltung im Nachrichtenkanal Telegram mit. Rettungskräfte seien vor Ort. Zunächst war unklar, ob es Verletzte und Tote gab. Das Portal "strana.news" veröffentlichte Fotos und Videos, die eine riesige Rauchwolke über der Fabrik zeigen sollen. Einzelheiten lagen zunächst nicht vor.

Moskau bestätigte am Abend, Russlands Militär habe im Antonow-Werk "ein großes Munitionslager für Mehrfachraketensysteme" zerstört. Das Unternehmen baut nach eigenen Angaben sowohl Fracht- als auch Passagierflugzeuge. Das Werk liegt im Nordwesten Kiews.

Die Stadtverwaltung rief die Einwohner einmal mehr dazu auf, bei Luftalarm einen sicheren Ort aufzusuchen. Es gelte das Kriegsrecht. Wo es möglich sei, seien öffentliche Verkehrsmittel von 8 bis 19 Uhr (Ortszeit, 7 bis 18 Uhr MEZ) unterwegs.

19.48 Uhr: Wladimir Putin telefonierte erneut mit Naftali Bennett zu Ukraine

Russlands Präsident Wladimir Putin (69) hat Kremlangaben zufolge ein weiteres Mal mit dem israelischen Ministerpräsidenten Naftali Bennett (49) zum Krieg in der Ukraine telefoniert.

Putin habe Bennett dabei unter anderem über den Raketenangriff auf die von prorussischen Separatisten geführte Stadt Donezk informiert, bei dem 20 Zivilisten getötet worden sein sollen, teilte der Kreml am Montagabend mit. Zudem seien die aktuell laufenden russisch-ukrainischen Verhandlungen thematisiert worden.

Bennett hat seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine bereits mehrfach sowohl mit Putin als auch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj (44) gesprochen. Selenskyj schlug Jerusalem kürzlich als möglichen Ort für Verhandlungen mit Putin über ein Kriegsende vor.

Israel hat traditionell gute Beziehungen zu beiden Ländern. Außerdem stellt sich die israelische Regierung darauf ein, in den kommenden Monaten rund 100.000 Menschen aus der Ukraine aufzunehmen, die jüdisch sind oder jüdische Verwandte haben und damit zur Einwanderung berechtigt sind. Auch in Russland, wo nach Angaben der Jewish Agency rund eine halbe Million Menschen mit einer Berechtigung leben, gibt es wegen des Krieges ein verstärktes Interesse potenzieller Einwanderer.

Der israelische Ministerpräsident Naftali Bennett (49) hat mit Wladimir Putin (69) telefoniert.
Der israelische Ministerpräsident Naftali Bennett (49) hat mit Wladimir Putin (69) telefoniert.  © Jack Guez/Pool AFP/AP/dpa

19.44 Uhr: Russisches Militär kommt vor Kiew laut Pentagon nur langsam voran

Das russische Militär macht nach Einschätzung der US-Regierung nur langsam Fortschritte beim Vorstoß auf die ukrainische Hauptstadt Kiew. Stellenweise seien die Soldaten weiter rund 15 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, sagte ein hoher US-Verteidigungsbeamter am Montag.

Ein kilometerlanger, ins Stocken geratener russischer Militärkonvoi sei auch nicht wirklich vorangekommen. Die nordukrainische Stadt Tschernihiw sei im Wesentlichen isoliert. Aber auch dort gibt es dem Pentagon zufolge kaum Fortschritte des russischen Militärs, weil der Widerstand der Ukrainer demnach sehr stark ist.

Der jüngste russische Angriff auf den Militärübungsplatz Jaworiw rund 15 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt hat nach Angaben des Pentagon keine Auswirkungen auf die Lieferungen des Westens an die ukrainische Armee. Es wäre falsch anzunehmen, dass die Russen dort eine Art Umschlagplatz für Sicherheitsunterstützung getroffen hätten, sagte der Beamte.

Seit Beginn des Krieges habe das russische Militär insgesamt mehr als 900 Raketen abgeschossen. Der Beamte betonte außerdem, dass der ukrainische Luftraum weiterhin umkämpft sei. Die Russen hätten trotz ihrer Ausrüstung nicht die Kontrolle über den Luftraum.

Das russische Militär macht nach Einschätzung der US-Regierung nur langsam Fortschritte beim Vorstoß auf Kiew.
Das russische Militär macht nach Einschätzung der US-Regierung nur langsam Fortschritte beim Vorstoß auf Kiew.  © Mykhaylo Palinchak/SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpa

19.40 Uhr: CDU für stärkeres Engagement des Bundes bei Ukraine-Flüchtlingen

Die CDU hat ein stärkeres Engagement des Bundes bei der Aufnahme von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine in Deutschland gefordert.

Es sei zwingend erforderlich, dass der Bund seiner Verantwortung gerecht werde und die Aufnahme besser organisiere, sagte CDU-Generalsekretär Mario Czaja (46) nach einem Besuch im Ankunftszentrum am Berliner Hauptbahnhof. Bisher überlasse das Innenministerium die Arbeit dort engagierten ehrenamtlichen Helfern, die Aufgaben bei der Erstaufnahme aufopferungsvoll erledigten.

Gebraucht werde eine bessere Koordinierung zwischen Bund, Ländern und Kommunen, sagte Czaja. Die Union werde die Unterbringung und Versorgung der Geflüchteten in dieser Woche zu einem zentralen Thema bei der Regierungsbefragung im Bundestag machen und auch eine Aktuelle Stunde dazu beantragen.

Wichtig seien unter anderem ein besserer Schutz der geflüchteten Frauen und Kinder.

Titelfoto: Mykhaylo Palinchak/SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpa

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