Ukraine-Krieg, Tag 36: Pläne für einen humanitären Korridor in Mariupol am Freitag

Kiew (Ukraine) - Auch am 36. Tag nach dem russischen Einmarsch gehen die Gefechte in der Ukraine weiter. Im Liveticker von TAG24 erfahrt Ihr die aktuellen Entwicklungen.

Ein ukrainischer Soldat auf einer Straße in Kiew. Russland hat angekündigt die Kampfhandlungen zurückzufahren. Doch ist dem zu trauen?
Ein ukrainischer Soldat auf einer Straße in Kiew. Russland hat angekündigt die Kampfhandlungen zurückzufahren. Doch ist dem zu trauen?  © Rodrigo Abd/AP/dpa

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (44) sieht noch keine konkreten Ergebnisse der Gespräche mit Russland über ein mögliches Ende des Kriegs. Den schönen Worten aus Moskau sei nicht zu trauen, sagte der 44-Jährige in der Nacht zum Donnerstag.

Dennoch sollen die Gespräche mit der russischen Delegation auch am 1. April im Online-Format fortgesetzt werden. Ziel der Ukraine ist ein direktes Gespräch der Präsidenten beider Länder.

Derweil meldet die Ukraine auch weiter Angriffe, so etwa auf ein Treibstofflager in der Großstadt Dnipro. Abermals ringen beide Seiten um eine Feuerpause für die umkämpfte Stadt Mariupol.

US-Kriegsschiffe ziehen an deutscher Ostsee-Küste vorbei: "Signal der Stärke"
Ukraine US-Kriegsschiffe ziehen an deutscher Ostsee-Küste vorbei: "Signal der Stärke"

Die Bundesregierung hofft ihrerseits auf mehr Klarheit, ob und wie Russland weiter Gas liefert.

Die Geschehnisse des gestrigen Tages könnt Ihr im TAG24-Ticker vom Mittwoch nachlesen. Alle aktuellen Entwicklungen im Zuge des Krieges in der Ukraine am heutigen Donnerstag gibt es in unserem Liveticker.

22.27 Uhr: Erneut Pläne für einen humanitären Korridor in Mariupol am Freitag

Nach Forderungen Deutschlands und Frankreichs will Russland nach eigenen Angaben an diesem Freitag einen neuen Anlauf für einen humanitären Korridor aus der umkämpften Hafenstadt Mariupol nehmen.

Das russische Verteidigungsministerium in Moskau kündigte am Donnerstagabend eine Feuerpause für den Morgen und den geplanten Beginn der Evakuierung von 9 Uhr MESZ an.

Die Menschen sollten unter Beteiligung des Roten Kreuzes und des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen aus der Stadt herausgebracht werden, sagte der Generalmajor Michail Misinzew.

21.15 Uhr: Biden: Putin "scheint sich selbst zu isolieren"

Der russische Präsident Wladimir Putin (69) hat nach Einschätzung der US-Regierung im Ukraine-Krieg womöglich einige seiner Berater von ihren Aufgaben entbunden und sich selber isoliert.

"Es gibt Anzeichen dafür, dass er einige seiner Berater entlassen oder unter Hausarrest gestellt hat", sagte US-Präsident Joe Biden (79) am Donnerstag im Weißen Haus. Es gebe aber "nicht so viele handfeste Beweise".

Auf die Frage, ob Putin von seinen Beratern falsch informiert werde, antwortete Biden: "Es gibt eine Menge Spekulationen. Aber er scheint – ich sage das nicht mit Gewissheit – er scheint sich selbst zu isolieren."

US-Präsident Joe Biden (79).
US-Präsident Joe Biden (79).  © Patrick Semansky/AP/dpa

20.05 Uhr: Wladimir Klitschko wirbt in Deutschland für Unterstützung der Ukraine

Der frühere Box-Weltmeister Wladimir Klitschko (46) hat bei einem Besuch in Berlin eindringlich um Unterstützung für die Ukraine geworben.

Mehr Infos zum Thema findet Ihr hier: "Wir brauchen Waffen": Wladimir Klitschko fordert bei Berlin-Besuch mehr Unterstützung für die Ukraine.

Der frühere Box-Weltmeister Wladimir Klitschko (46).
Der frühere Box-Weltmeister Wladimir Klitschko (46).  © Bernd von Jutrczenka/dpa

19.18 Uhr: Gefahr von Luftangriffen in Kiew laut Pentagon weiter sehr hoch

Die ukrainische Hauptstadt Kiew ist nach Einschätzung der US-Regierung weiter stark durch russische Luftangriffe gefährdet.

Russlands Gerede von Deeskalation sei "schöne Rhetorik", sagte ein hochrangiger Pentagon-Vertreter am Donnerstag. "Aber es bedeutet nicht, dass die Bedrohung aus der Luft weniger wird."

Auch wenn die Bodenpräsenz rund um Kiew verringert werde, setze das russische Militär die Stadt weiter mit Luftangriffen unter Druck. In den vergangenen 24 Stunden sei die Zahl der Lufteinsätze deutlich erhöht worden.

Die Angriffe konzentrierten sich vor allem auf Kiew oder auch Tschernihiw.

18.24 Uhr: Russische Truppen ziehen aus Tschernobyl ab

Russische Truppen haben nach Angaben des ukrainischen Atomkonzerns Enerhoatom mit dem Abzug von den besetzten Atomreaktoren Tschernobyl und Slawutytsch begonnen.

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) berichtete am Donnerstag, dass das russische Militär schriftlich die Kontrolle über das AKW Tschernobyl wieder an das ukrainische Personal übergeben habe. Die IAEA erhielt ihre Informationen von ukrainischen Behörden.

Russische Soldaten seien in zwei Kolonnen in Richtung der Grenze nach Belarus gefahren, teilte der Konzern am Donnerstag auf Telegram mit. Das Personal des AKW Tschernobyl sei am Morgen über den geplanten Abzug informiert worden.

Russische Truppen haben nach Angaben des ukrainischen Atomkonzerns Enerhoatom mit dem Abzug von den besetzten Atomreaktoren Tschernobyl und Slawutytsch begonnen.
Russische Truppen haben nach Angaben des ukrainischen Atomkonzerns Enerhoatom mit dem Abzug von den besetzten Atomreaktoren Tschernobyl und Slawutytsch begonnen.  © Uncredited/Maxar Technologies via AP/dpa

18.23 Uhr: Russland verhängt Einreiseverbote gegen EU-Vertreter

Als Antwort auf europäische Sanktionen hat Moskau Einreiseverbote gegen führende Vertreter der Europäischen Union verhängt.

"Die Beschränkungen gelten für die höchste Führung der Europäischen Union (...) sowie für die Mehrheit der Abgeordneten des Europäischen Parlaments", teilte das Außenministerium in Moskau am Donnerstag mit.

Die "schwarze Liste" umfasse auch Vertreter von Regierungen und Parlamenten einzelner EU-Staaten. Namen wurden keine genannt.

18.18 Uhr: Westen sucht laut Putin weiter Vorwände für Sanktionen

Russlands Präsident Wladimir Putin (69) hat dem Westen vorgeworfen, nach neuen Vorwänden für Sanktionen gegen sein Land zu suchen.

"Die Politik des wirtschaftlichen Drucks auf Russland wird der gesamte Westen nicht aufgeben", sagte der Kremlchef am Donnerstag in Moskau. "Das ist die objektive Realität."

Russland müsse dies bei der Entwicklung seiner Wirtschaft berücksichtigen. Nach dem Einmarsch der russischen Truppen in das Nachbarland Ukraine am 24. Februar hatte der Westen beispiellose wirtschaftliche Sanktionen verhängt.

Alle westlichen Sanktionen seien schon früher vorbereitet gewesen und wären "in jedem Fall" umgesetzt worden, behauptete Putin. Die Strafmaßnahmen richteten sich dagegen, "dass wir nicht nach der Pfeife anderer tanzen und unsere nationalen Interessen und traditionellen Werte nicht opfern".

Russlands Präsident Wladimir Putin (69).
Russlands Präsident Wladimir Putin (69).  © Mikhail Klimentyev/POOL SPUTNIK KREMLIN/AP/dpa

17 Uhr: Bundesregierung will Moskauer Dekret zu Gas-Zahlungen prüfen

Die Bundesregierung will die jüngsten Forderungen der russischen Regierung zur künftigen Bezahlung von Gas-Lieferungen prüfen.

"Wenn uns das Dekret vorliegt, wird die Bundesregierung es gründlich prüfen und bewerten", sagte eine Sprecherin des Wirtschafts- und Klimaschutzministeriums in Berlin am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur.

"Klar ist, Deutschland zahlt weiter in Euro. Daran werden wir nichts ändern, der G7-Beschluss gilt." Die G7-Gruppe führender Wirtschaftsmächte und die Europäische Union hatten bereits Anfang der Woche Forderungen nach einer Zahlung in Rubel eine Absage erteilt.

16.58 Uhr: Italien traut China wichtige Rolle bei Friedensverhandlungen zu

Im Ringen um einen Frieden in der Ukraine traut Italiens Ministerpräsident Mario Draghi (74) China eine entscheidende Rolle zu.

Vor einem Online-Gipfel zwischen der EU und China an diesem Freitag gab sich der Regierungschef am Donnerstag in Rom optimistisch. "China könnte einer der Hauptakteure werden, wenn es darum geht, beide Seiten anzunähern."

Die Chinesen sind Verbündete Russlands und haben den Angriff Moskaus auf die Ukraine bislang nicht verurteilt. Im Gegenteil: Peking kritisierte zuletzt immer wieder den Westen, etwa wegen der Osterweiterung der Nato.

16.53 Uhr: Flug mit Ukraine-Flüchtlingen aus Moldau in Thüringen erwartet

In Thüringen wird an diesem Freitag ein zweites Flugzeug mit ukrainischen Kriegsflüchtlingen aus Moldau erwartet.

Der Flug mit einer Condor-Maschine werde durch Spenden finanziert, teilte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums am Donnerstag in Berlin mit. Die Maschine aus dem Nachbarland der Ukraine soll am Nachmittag in Erfurt landen.

Die Geflüchteten sollen dann auch in Thüringen untergebracht werden.

Titelfoto: -/Victor/XinHua/dpa

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