Ukraine-Krieg, Tag 130: Ukrainische Armee verkündet Rückzug aus Lyssytschansk

Kiew (Ukraine) - Seit inzwischen 130 Tagen führt Russland Krieg gegen die Ukraine. Im Osten des Landes wird die Lage immer ernster. Alle aktuellen Entwicklungen gibt es im TAG24-Liveticker.

Eine Frau geht in der Nähe eines bei einem russischen Luftangriff zerstörten Gebäudes in Lyssytschansk vorbei.
Eine Frau geht in der Nähe eines bei einem russischen Luftangriff zerstörten Gebäudes in Lyssytschansk vorbei.  © Efrem Lukatsky/AP/dpa

Angesichts der massiven Zerstörungen in der Ukraine hat Präsident Wolodymyr Selenskyj (44) nach mehr als vier Monaten Krieg internationale Hilfe beim Wiederaufbau seines Landes gefordert.

Es seien "kolossale Investitionen, Milliarden, neue Technologien, bewährte Verfahren, neue Institutionen und natürlich Reformen" notwendig, betonte er.

Im Osten des Landes spitzt sich die Lage derweil weiter zu. Prorussische Separatisten und russische Politiker meldeten bereits die Kontrolle über die strategisch wichtige Stadt Lyssytschansk im Luhansker Gebiet – die Ukraine widersprach.

Ukraine-Krieg im Ticker: Selenskyj deutet neue Waffenlieferungen an
Ukraine Ukraine-Krieg im Ticker: Selenskyj deutet neue Waffenlieferungen an

Die Geschehnisse des gestrigen Tages könnt Ihr im TAG24-Ticker vom Samstag nachlesen. Alle aktuellen Entwicklungen am heutigen Sonntag, dem 3. Juli, gibt es hier im Liveticker.

19.05 Uhr: Ukrainische Armee verkündet Rückzug aus Lyssytschansk

Die ukrainische Armee hat ihren Rückzug aus der umkämpften Stadt Lyssytschansk im Osten des Landes verkündet.

"Um das Leben der ukrainischen Verteidiger zu schützen, wurde die Entscheidung getroffen, sich zurückzuziehen", teilte der Generalstab der ukrainischen Streitkräfte am Sonntagabend in einer Erklärung mit. Zuvor hatte Präsident Wolodymyr Selenskyj die Angaben Russlands zur vollständigen Einnahme der Stadt noch zurückgewiesen.

18. 51 Uhr: Tote und Verletzte durch Beschuss in Slowjansk

Bei Raketenangriffen auf die ostukrainische Stadt Slowjansk sind Bürgermeister Wadym Ljach zufolge 6 Menschen getötet und 15 verwundet worden.

Ljach nannte die Attacke am Sonntag den "schwersten Angriff in jüngster Zeit" auf die Stadt in der Region Donezk. Unter den Toten sei auch ein Kind. Ljach zufolge wurden zivile Objekte getroffen - keine militärischen Einrichtungen.

Beim Beschuss des ostukrainischen Gebiets Charkiw wurden nach Angaben des regionalen Befehlshabers Oleg Sinegubow drei Menschen getötet und einer verletzt. Sinegubow machte die russische Armee für den Angriff verantwortlich. Beschuss wurde auch aus dem Ort Kramatorsk gemeldet. Ersten Angaben zufolge wurde dabei niemand verletzt oder getötet.

Feuerwehrmänner am Ort eines Raketeneinschlags in Slowjansk.
Feuerwehrmänner am Ort eines Raketeneinschlags in Slowjansk.  © AFP/Genya Savilov

18.27 Uhr: Putin wird Krieg gegen Ukraine noch lange fortsetzen können, denkt Scholz

Russlands Präsident Wladimir Putin (69) hat die Entscheidung für den Angriffskrieg gegen die Ukraine nach Ansicht von Bundeskanzler Olaf Scholz (64, SPD) mit deutlichem Vorlauf getroffen.

"Ich denke, die Entscheidung für diesen Krieg wurde ein Jahr vor seinem Beginn getroffen, oder möglicherweise schon früher", sagte er in einem am Sonntag veröffentlichten Interview des US-Senders CBS. "Und so wird er den Krieg noch sehr lange fortsetzen können", sagte Scholz weiter auf Englisch.

17.30 Uhr: Ukraine stellt Wiederaufbau-Plan vor

Die ukrainische Regierung will am Montag erstmals ihre Prioritäten für den Wiederaufbau des kriegszerstörten Landes präsentieren.

Rund 40 potenzielle Geberländer sind bei dem Treffen im schweizerischen Lugano vertreten, ebenso wie internationale Organisationen und Finanzinstitutionen. Bei der Ukraine-Wiederaufbaukonferenz geht es noch nicht darum, Geld einzusammeln. Der Bedarf wird auf hunderte Milliarden Euro geschätzt.

Zunächst sollen die dringendsten Aufgaben identifiziert werden, und Vertreter der ukrainischen Regierung und Geber wollen absprechen, wer welches Projekt finanzieren und organisieren kann.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (44) soll per Videoübertragung hinzugeschaltet werden.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (44) soll per Videoübertragung hinzugeschaltet werden.  © dpa/Michael Kappeler

16.52 Uhr: Israel hebt Einreisebeschränkungen für Ukrainer auf

Israels Höchstes Gericht hat Einreisebeschränkungen für Menschen aus der Ukraine aufgehoben.

Das Gericht entschied am Sonntag, ein Abkommen beider Länder über Visumfreiheit gelte auch während des Kriegs in der Ukraine. Demnach könnten Ukrainer für einen Zeitraum von bis zu drei Monaten ohne Visumspflicht nach Israel einreisen.

Das Gericht hob damit eine Entscheidung der Innenministerin Ajelet Schaked auf. Diese hatte die Zahl der ukrainischen Kriegsflüchtlinge, die mit einem Visum nach Israel einreisen dürfen, auf 5000 beschränkt.

15.30 Uhr: Kreml wirft Westen Kriegstreiberei vor

Russland hat dem Westen vorgeworfen, Friedensverhandlungen mit der Ukraine zu verhindern und den Krieg damit in die Länge zu ziehen.

"Jetzt ist der Moment, wo die westlichen Länder alles auf eine Fortsetzung des Kriegs setzen", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Sonntag im Staatsfernsehen.

Unter Führung der USA erlaube der Westen den Ukrainern "weder an Frieden zu denken, noch darüber zu reden oder ihn zu besprechen". Damit reagierte Peskow auf Äußerungen westlicher Politiker, die Ukraine nicht zu Verhandlungen drängen zu wollen.

Derzeit gebe es offenbar keinen Bedarf an einer Befriedung der Lage, mutmaßte der Sprecher von Präsident Wladimir Putin (69). Trotzdem werde der Moment für Verhandlungen kommen.

13.14 Uhr: Ukraine bestreitet russische Berichte über Lyssytschansk

Die Ukraine hat russischen Angaben widersprochen, wonach die Stadt Lyssytschansk im Osten des Landes von Russland erobert worden sei.

Die Stadt stehe nicht unter vollständiger russischer Kontrolle, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Kiew am Sonntag dem britischen Sender BBC. Die Situation sei seit einiger Zeit jedoch "sehr intensiv", russische Truppen griffen die Stadt permanent an.

"Für Ukrainer hat der Wert menschlichen Lebens oberste Priorität", sagte der Sprecher weiter. "Deshalb könnten wir uns manchmal aus gewissen Gebieten zurückziehen, um sie in der Zukunft zurückzuerobern."

12.15 Uhr: Russland meldet Einnahme von Lyssytschansk

Russland hat nach Angaben von Verteidigungsminister Sergej Schoigu (67) die einstige Großstadt Lyssytschansk im Osten der Ukraine eingenommen.

Damit habe man auch die völlige Kontrolle über das Gebiet Luhansk, meldete Schoigu nach einem Bericht der Agentur Interfax an Präsident Wladimir Putin (69).

Von ukrainischer Seite gab es dafür zunächst keine Bestätigung. Von unabhängiger Seite lassen sich Berichte aus den Kampfgebieten kaum überprüfen.

Russland hat nach Angaben von Verteidigungsminister Sergej Schoigu (67) die einstige Großstadt Lyssytschansk im Osten der Ukraine eingenommen.
Russland hat nach Angaben von Verteidigungsminister Sergej Schoigu (67) die einstige Großstadt Lyssytschansk im Osten der Ukraine eingenommen.  © -/(Militärverwaltung der Region Luhansk/AP/dpa

9.27 Uhr: Explosionen in besetzter Großstadt Melitopol im Süden der Ukraine

Die von russischen Truppen besetzte Großstadt Melitopol im Süden der Ukraine ist in der Nacht zum Sonntag von Dutzenden Explosionen erschüttert worden.

Mehr als 30 Geschosse seien auf einen der vier russischen Militärstützpunkte in der Stadt abgefeuert worden, teilte der ukrainische Bürgermeister von Melitopol, Iwan Fjodorow, am Sonntag in einer auf seinem Telegram-Kanal verbreiteten Videoansprache mit.

Der Stützpunkt sei damit außer Gefecht gesetzt worden. Unabhängig lassen sich diese Angaben nicht überprüfen.

8.51 Uhr: Russische Truppen fassen in Lyssytschansk Fuß

Die russischen Truppen sind nach ukrainischen Angaben in Lyssytschansk eingerückt.

"Im Raum Donezk konzentrieren sich die Okkupanten darauf, ihre Positionen in den Städten Lyssytschansk und Werchnjokamjanka zu festigen", teilte der ukrainische Generalstab am Sonntag mit.

Auch der ukrainische Militärgouverneur von Luhansk, Serhij Hajdaj, bestätigte auf seinem Telegram-Kanal, dass die Russen weiter vorgerückt "und im Bezirk Lyssytschansk Fuß gefasst" hätten.

Unklar ist noch, ob ukrainische Einheiten in der Stadt sind.

Titelfoto: dpa/Militärverwaltung der Region Luhansk

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