Ukraine-Krieg, Tag 81: Russischer Vormarsch im Osten gebremst

Lwiw (Ukraine) - Seit nunmehr 81 Tagen führt Russland Krieg gegen die Ukraine. Vor allem im Osten des Landes sei die Lage schwierig. Alle aktuellen Entwicklungen im TAG24-Liveticker.

Gerichtsmediziner untersuchen in Charkiw die Leichen toter russischer Soldaten während einer Identifizierungsaktion.
Gerichtsmediziner untersuchen in Charkiw die Leichen toter russischer Soldaten während einer Identifizierungsaktion.  © Vasilisa Stepanenko/AP/dpa

Während die Ukraine sich erste Gedanken darüber macht, wo sie kommendes Jahr den Eurovision Song Contest ausrichten könnte, gehen vor allem im Osten des Landes erbitterte Kämpfe weiter.

Präsident Wolodymyr Selenskyj (44) sprach von einer sehr schwierigen Lage im dortigen Industriegebiet Donbass. Regionale Behörden rechnen mit neuen Angriffen russischer Truppen in mehreren Richtungen.

Die in Schweden regierenden Sozialdemokraten wollen eine Entscheidung darüber treffen, ob ihr Land einen Antrag auf Mitgliedschaft in der Nato stellen soll.

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Bislang hatte sich die Partei gegen einen Beitritt zu dem Militärbündnis ausgesprochen, doch der russische Angriffskrieg in der Ukraine löste in Schweden - genauso wie im benachbarten Finnland - eine intensive NATO-Debatte aus.

Die Geschehnisse des gestrigen Tages könnt Ihr noch einmal im Ticker vom Samstag nachlesen. Alle aktuellen Ereignisse des heutigen Tages findet Ihr hier im Liveticker.

22.25 Uhr: Ukraine kontrolliert weiter zehn Prozent von Luhansk

Ungeachtet schwerer russischer Angriffe kontrolliert die ukrainische Armee Angaben des regionalen Gouverneurs zufolge weiter rund zehn Prozent des ostukrainischen Gebiets Luhansk. Insbesondere die Außenbezirke der Städte Rubischne, Sjewjerodonezk und Lyssytschansk hätten die Russen bislang nicht einnehmen können, teilte Serhij Hajdaj am Sonntag mit.

Moskau hatte in der vergangenen Woche erklärt, dass prorussische Separatisten mit Hilfe der russischen Armee knapp elf Wochen nach Kriegsbeginn bis an die Verwaltungsgrenzen von Luhansk vorgedrungen seien. Hajdaj bezeichnete diese Aussagen damals als "Fantasie".

In der ebenfalls ostukrainischen Region Donezk wurden unterdessen am Sonntag laut der Regionalverwaltung bei russischen Angriffen 3 Zivilisten getötet und 13 weitere verletzt.

Immer wieder treffen russische Angriffe zivile Gebäude.
Immer wieder treffen russische Angriffe zivile Gebäude.  © Bernat Armangue/AP/dpa

19.04 Uhr: Tote durch Beschuss in ostukrainischem Sjewjerodonezk

In der ostukrainischen Stadt Sjewjerodonezk sind offiziellen Angaben zufolge zwei Menschen infolge von russischem Beschuss gestorben. Bei den Angriffen am Samstag sei ein Haus getroffen worden, teilte der Militärgouverneur des Gebiets Luhansk, Serhij Hajdaj, am Sonntag mit.

Der Artilleriebeschuss sei auch in den vergangenen Stunden weitergegangen, schrieb Hajdaj im sozialen Netzwerk Telegram. Zuvor hatte er bereits über neun Verletzte infolge von Angriffen auf ein Krankenhaus gesprochen. Die Angaben konnten zunächst nicht überprüft werden.

18.12 Uhr: IW-Chef wertet russischen Krieg gegen Ukraine als "ökonomischen Selbstmord"

Mit dem Krieg gegen die Ukraine raubt der russische Präsident Wladimir Putin (69) seinem Land nach Überzeugung des Wirtschaftsforschers Michael Hüther sämtliche Perspektiven.

"Russland begeht mit dem Krieg in der Ukraine ökonomischen Selbstmord", sagte der Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten" vom Montag. Russland werde außerdem "politisch degradiert" und erreiche seine militärischen Ziele nicht.

Russland sei eine "ressourcenbasierte Oligarchenökonomie" mit einer extremen Korruption, fügte Hüther an. Ersatz für die wegbrechenden Erdgasmärkte im Westen werde das Land kurzfristig nicht finden, weil es an den nötigen Pipelines fehle.

17.35 Uhr: Schwedens Regierungspartei spricht sich für NATO-Beitritt aus

Die in Schweden regierenden Sozialdemokraten sind in der NATO-Frage von ihrem langjährigen Standpunkt abgerückt und unterstützen nun eine Mitgliedschaft in dem Verteidigungsbündnis.

Die Spitze der Partei von Ministerpräsidentin Magdalena Andersson (55) sprach sich nach einer Sondersitzung am Sonntag für einen NATO-Beitritt ihres Landes aus, wie auf der Webseite der Partei zu lesen war. Die Sozialdemokraten wollen jedoch keine Stationierung von Atomwaffen oder dauerhaften Nato-Stützpunkten auf ihrem Territorium akzeptieren.

Die in Schweden mit Ministerpräsidentin Magdalena Andersson (55) regierenden Sozialdemokraten wollen in die NATO.
Die in Schweden mit Ministerpräsidentin Magdalena Andersson (55) regierenden Sozialdemokraten wollen in die NATO.  © Fredrik Persson/TT News Agency/AP/dpa

16.39 Uhr: Baerbock nennt Bedingung für Dialog mit Moskau

Außenministerin Annalena Baerbock (41, Grüne) hat das Ende der Bombardierungen der Ukraine durch Russland als eine Voraussetzung für die Wiederaufnahme des Dialogs mit Moskau genannt.

"Wir stehen jederzeit bereit dafür, dass wir nicht nur sprechen, sondern dass die Menschen endlich nicht mehr getötet werden", sagte die Grünen-Politikerin am Sonntag zum Abschluss eines informellen Treffens der Nato-Außenminister in Berlin. "Aber dafür müssen diese Bombardierungen aufhören", ergänzte Baerbock.

16.36 Uhr: Die Ukraine kann nach Ansicht von NATO-Generalsekretär Krieg gewinnen

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg (63) hält eine Niederlage Russlands im Krieg gegen die Ukraine für möglich. "Die Ukraine kann diesen Krieg gewinnen", sagte der Norweger am Sonntag nach Beratungen der Außenminister der 30 Bündnisstaaten in Berlin.

Der Krieg in der Ukraine verlaufe für Moskau nicht wie geplant. So sei die Offensive im Donbass ins Stocken geraten und die Russen zögen sich aus der Gegend um Charkiw zurück. Zudem sei die geplante Eroberung Kiews gescheitert. "Russland erreicht seine strategischen Ziele nicht", ergänzte Stoltenberg. Die Ukraine stehe noch immer und die Nato sei stärker denn je.

Nach dem Ende des NATO-Treffens war Generalsekretär Jens Stoltenberg (63, r.) nur per Video zu einer Pressekonferenz zugeschaltet.
Nach dem Ende des NATO-Treffens war Generalsekretär Jens Stoltenberg (63, r.) nur per Video zu einer Pressekonferenz zugeschaltet.  © Bernd von Jutrczenka/dpa

14.35 Uhr: Schwere Verluste bei russischen Truppen

Nahe des Dorfes Bilohoriwka versuchen die russischen Streitkräfte seit drei Wochen erfolglos, einen Fluss zu überqueren. Nach Angaben des Gouverneurs erlitten die russischen Truppen schwere Verluste an Soldaten und Ausrüstung.

Die russischen Truppen hätten schwere Verluste erlitten, nachdem die ukrainischen Streitkräfte ihren Versuch der Überquerung des Flusses zurückgeschlagen hätten, teilte das britische Verteidigungsministerium mit. Das Manöver spreche "für den Druck, unter dem die russischen Befehlshaber stehen, ihre Operationen in der Ostukraine voranzubringen".

14.29 Uhr: Ukrainische Armee bremst russischen Vormarsch im Osten

Die ukrainischen Truppen haben mit heftigem Widerstand den russischen Vormarsch im Osten des Landes abbremsen können, die Truppen Moskaus halten den Druck dennoch hoch.

"Wir bereiten uns auf große Offensiven in Sewerodonezk und an der Straße zwischen Lysytschansk und Bachmut vor", teilte der Gouverneur der Region Luhansk, Serhij Gajdaj, mit. In der Nacht zum Sonntag zerstörte die russische Armee nach eigenen Abgaben mehrere militärische Ziele in der Region Donezk.

Bisherige Versuche zur Einkesselung von Sewerodonezk hätten die Soldaten zurückgeschlagen, erklärte Gajdaj. Er beschrieb allerdings die zunehmend schwierige humanitäre Lage in der Region Luhansk: "Es gibt absolut kein Gas, kein Wasser und keinen Strom", teilte er am Samstagabend mit. An der Grenze zur Region Donezk, auf der Seite der Stadt Popasna, werde heftig gekämpft.

Ein Soldat verteilt in der Region Luhansk Taschen mit gespendetem Brot an die Menschen, die in einem Keller leben, der während der russischen Angriffe als Luftschutzkeller genutzt wurde.
Ein Soldat verteilt in der Region Luhansk Taschen mit gespendetem Brot an die Menschen, die in einem Keller leben, der während der russischen Angriffe als Luftschutzkeller genutzt wurde.  © Leo Correa/AP/dpa

13.45 Uhr: Ein Verletzter nach ukrainischem Beschuss

Die russische Region Belgorod nahe der ukrainischen Grenze hat erneut einen Angriff aus dem Nachbarland beklagt. Bei Beschuss des Dorfes Sereda sei ein Zivilist verletzt worden, teilte der Gouverneur des Gebiets Belgorod, Wjatscheslaw Gladkow, am Sonntag im Nachrichtenkanal Telegram mit.

Der verletzte Bewohner werde medizinisch versorgt. Russland führt einen Angriffskrieg, gegen den sich die Ukraine wehrt. Es kommt im Grenzgebiet immer wieder zu Zwischenfällen. In der vergangenen Woche sprach Gladkow von einem Toten und mehreren Verletzten beim Beschuss des Dorfes Solochi.

Die Angaben waren von unabhängiger Seite nicht überprüfbar. Die Grenzregionen, darunter auch Kursk, Brjansk und Woronesch, hatten wiederholt einen Beschuss von ukrainischer Seite beklagt. Die Ukraine weist Vorwürfe, Ziele wie Munitionsdepots oder Kraftstofflager im großen Nachbarland beschossen zu haben, in der Regel zurück.

Russland hatte gedroht, Kommandostellen in der ukrainischen Hauptstadt Kiew als Ziele seiner Raketenangriffe ins Visier zu nehmen, sollte der Beschuss nicht aufhören.

13.43 Uhr: Kalush Orchestra veröffentlicht neuen Clip

Am Morgen nach dem ESC-Sieg veröffentlichte das Kalush Orchestra einen neuen Clip mit dem Gewinner Song "Stefania" vor dem Hintergrund der vom russischen Krieg zerstörten Kiewer Vororte Irpin, Borodjanka und Hostomel.

"Gewidmet dem tapferen ukrainischen Volk, den Müttern, die ihre Kinder schützen, all denen, die ihr Leben für unsere Freiheit gaben", heißt es im Abspann. Das Lied sei für viele Ukrainer eine "Kriegshymne" geworden. "Aber wenn "Stefania" nun die Hymne unseres Krieges ist, so möchte ich, dass sie die Hymne unseres Sieges wird", schreibt Oleh Psjuk im Begleittext zum Video.

13.38 Uhr: Situation für ukrainische Musikindustrie

Der russische Krieg stellt auch für die ukrainische Musikindustrie einen klaren Bruch dar, da viele Künstler ihr Geld bisher vor allem im russischsprachigen Raum verdient haben.

Der Großteil von ihnen bekennt sich nun offen zu ihrer Herkunft und unterstützt mit Botschaften und mit Benefizkonzerten die Ukraine und ihre Armee. Nur wenige, wie beispielsweise die ESC-Kandidatin von 2008, Ani Lorak, haben sich komplett zurückgezogen und warten ab.

Titelfoto: Leo Correa/AP/dpa

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