Ukraine-Krieg, Tag 98: 20 Ortschaften bei Cherson wohl zurückerobert

Ukraine - Seit nunmehr 98 Tagen führt Russland Krieg gegen die Ukraine. Die russischen Truppen stehen kurz vor der kompletten Übernahme der Kontrolle im ostukrainischen Gebiet Luhansk. Alle aktuellen Entwicklungen findet Ihr hier im TAG24-Liveticker!

Nila Zelinska hält eine Puppe, die ihrer Enkelin gehört und die sie in ihrem komplett zerstörten Haus in Potaschnja am Stadtrand von Kiew gefunden hat.
Nila Zelinska hält eine Puppe, die ihrer Enkelin gehört und die sie in ihrem komplett zerstörten Haus in Potaschnja am Stadtrand von Kiew gefunden hat.  © Natacha Pisarenko/AP/dpa

Angesichts des Vormarsches russischer Truppen im Osten seines Landes hat der ukrainische Präsident, Wolodymyr Selenskyj (44), der EU für das geplante neue Sanktionspaket gedankt und zugleich neue Strafmaßnahmen gefordert.

"Letzten Endes sollte es gar keine nennenswerten wirtschaftlichen Verbindungen mehr zwischen der freien Welt und dem Terrorstaat geben", sagte er in seiner am Dienstagabend veröffentlichten Videoansprache. "Wir werden an neuen Einschränkungen gegen Russland für diesen Krieg arbeiten."

Dank des geplanten Öl-Boykotts der EU verliere Russland "Dutzende Milliarden Euro", die nun nicht mehr für die Finanzierung des Terrors genutzt werden könnten. Zugleich bekräftigte Selenskyj seine Forderungen an den Westen nach Lieferung schwerer Waffen. Die US-Regierung kündigte derweil an, im Rahmen eines neuen Sicherheitspakets moderne Mehrfachraketenwerfer zu liefern.

Pistorius zu Besuch auf Truppenübungsplatz: Ausbildung ukrainischer Soldaten verlängern
Ukraine Pistorius zu Besuch auf Truppenübungsplatz: Ausbildung ukrainischer Soldaten verlängern

Die Geschehnisse des gestrigen Tages könnt Ihr im TAG24-Ticker vom Dienstag nachlesen. Alle Entwicklungen im Zuge des Krieges in der Ukraine am heutigen Mittwoch (1. Juni) gibt es wie gewohnt hier in unserem Liveticker.

22.07 Uhr: Polen sagt Nachbarland Ukraine weitere Hilfen zu

Polen hat dem kriegsbedrängten Nachbarland Ukraine bei einem Besuch von Ministerpräsident Mateusz Morawiecki (53) in Kiew weitere Hilfen zugesagt.

"Polnische Unternehmen werden am Wiederaufbau teilnehmen", sagte Morawiecki am Mittwoch nach polnischen Presseberichten. "Aber zuerst muss die Ukraine verteidigt werden, müssen die russischen Truppen aus der Ukraine vertrieben werden." Dies sei Aufgabe der gesamten freien Welt.

Polen sei gebeten worden, bei der Ausfuhr von ukrainischem Getreide zu helfen, sagte Morawiecki. Bei den Konsultationen wurde nach Kiewer Angaben auch vereinbart, den Aufbau gemeinsamer Rüstungsfirmen zu prüfen.

Der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki (53) will, dass polnische Unternehmen am Wideraufbau der Ukraine beteiligt sind.
Der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki (53) will, dass polnische Unternehmen am Wideraufbau der Ukraine beteiligt sind.  © Geert Vanden Wijngaert/AP/dpa

20.29 Uhr: Ukraine-Botschafter begrüßt Waffen-Ankündigungen: «Eis gebrochen»

Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk (46) hat die Ankündigung neuer deutscher Waffenlieferungen an sein Land begrüßt.

"Wir sind glücklich darüber, dass nun endlich Bewegung in die Sache gekommen und das Eis gebrochen ist", sagte Melnyk.

"Gerade um das System Iris haben wir uns hinter den Kulissen seit fast drei Monaten bemüht, nun hoffen wir, dass es im Sommer fertig produziert ist, im August die Ausbildung starten und im Oktober der Einsatz beginnen kann.

Bundeskanzler Olaf Scholz (63, SPD) hatte der Ukraine am Mittwoch im Bundestag die Lieferung eines modernen Flugabwehrsystems zugesagt, nämlich Iris-T des Herstellers Diehl.

"Endlich können wir dem Bundeskanzler Scholz von Herzen sagen: Danke!", sagte Melnyk.

Die Ukraine soll hochmoderne Flugabwehrsysteme aus deutscher Produktion erhalten. Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk (46) dankt dem Bundeskanzler dafür "von Herzen".
Die Ukraine soll hochmoderne Flugabwehrsysteme aus deutscher Produktion erhalten. Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk (46) dankt dem Bundeskanzler dafür "von Herzen".  © Michael Kappeler/dpa

20.12 Uhr: Ukrainisches Militär: 20 Ortschaften bei Cherson zurückerobert

Die ukrainische Armee hat nach Militärangaben im Süden des Landes 20 besetzte Ortschaften von russischen Truppen zurückerobert.

Aus diesen Dörfern im Verwaltungsgebiet Cherson sei etwa die Hälfte der Bevölkerung geflüchtet, sagte der Leiter der regionalen ukrainischen Militärverwaltung, Hennadij Lahuta, am Mittwoch im Fernsehen. Der Angriff werde von Norden aus dem ukrainischen Gebiet Dnipropetrowsk geführt, die ukrainischen Truppen rückten weiter nach Süden vor.

Unabhängig überprüfbar waren die Angaben nicht. Es gibt aber seit Tagen Berichte über Vorstöße der ukrainischen Armee im Süden, während sie gleichzeitig Stellungen im Osten wegen der überlegenen russischen Feuerkraft räumen muss.


Die Ukraine verkündet, dass 20 Dörfer im Gebiet Cherson zurückerobert werden konnten.
Die Ukraine verkündet, dass 20 Dörfer im Gebiet Cherson zurückerobert werden konnten.  © Aziz Karimov/SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpa

19.40 Uhr: Kämpfe in Sjewjerodonezk: Kiew berichtet von «Erfolg» des Feindes

Bei Gefechten in der umkämpften ostukrainischen Großstadt Sjewjerodonezk im Gebiet Luhansk haben die russischen Truppen nach Angaben des Generalstabs in Kiew "teilweise Erfolg".

Der Feind habe die Kontrolle über den östlichen Teil der Stadt, teilte die ukrainische Militärführung am Mittwochabend mit. Der Sturm auf die Großstadt dauere an, hieß es. Die prorussischen Separatisten behaupteten, sie hätten bereits mehr als 70 Prozent der Stadt unter ihre Kontrolle gebracht.

19.03 Uhr: Lettland setzt 34 weitere Russen auf schwarze Liste

Lettland hat weitere 34 Russen wegen ihrer Unterstützung des russischen Angriffskriegs in der Ukraine auf eine schwarze Liste gesetzt.

Bei den Betroffenen handelt es sich nach Angaben des Außenministeriums in Riga vorwiegend um Kulturschaffende. Sie dürfen auf unbestimmte Zeit nicht mehr in das baltische EU- und Nato-Land einreisen, hieß es in einer Mitteilung am Mittwoch.

18.57 Uhr: Russland: Ukraine will Drittstaaten in Konflikt hineinziehen

Russlands Außenminister Sergej Lawrow (72) hat angesichts der Waffenlieferungen des Westens an die Ukraine die Gefahr angemahnt, dass Drittstaaten in den Konflikt in dem Land hineingezogen werden.

"Solche Risiken existieren natürlich", sagte Lawrow am Mittwoch bei einem Besuch in der saudischen Hauptstadt Riad. Die Ukraine bezwecke genau das mit ihren Forderungen nach der Lieferung schwerer Waffen. "Das ist eine direkte Provokation, die darauf abzielt, den Westen in militärische Handlungen zu verwickeln", sagte Lawrow.

Nüchterne Politiker im Westen verstünden diese Risiken genau – aber nicht alle in der EU, "besonders im nördlichen Teil", meinte Lawrow. "Es gibt Politiker, die bereit sind, sich auf diesen Wahnsinn einzulassen – nur, um ihre eigenen Ambitionen zu befriedigen", sagte er. "Aber die ernsthaften Länder in der EU verstehen freilich sehr gut, dass solche Szenarien nicht akzeptabel sind." Russland transportiere diese Position auch auf den "Kanälen, die zwischen Russland und den wichtigsten westlichen Staaten bestehen".

Russlands Außenminister Sergej Lawrow (72) weilt momentan in Saudi-Arabien. Für ihn ist die westliche Unterstützung der Ukraine "eine Provokation".
Russlands Außenminister Sergej Lawrow (72) weilt momentan in Saudi-Arabien. Für ihn ist die westliche Unterstützung der Ukraine "eine Provokation".  © -/Russian Foreign Ministry Press Service/AP/dpa

18.04 Uhr: USA: Waffenlieferung soll Ukraine bei möglichen Verhandlungen stärken

Die Lieferung moderner Mehrfachraketenwerfer an die Ukraine dient nach den Worten von US-Außenminister Antony Blinken (60) auch zur Stärkung der Verhandlungsposition der Regierung in Kiew.

"Ich würde sagen, dass es im Moment nicht so sehr darum geht, Russland abzuschrecken, denn es hat die Aggression begangen und setzt sie fort", sagte Blinken am Mittwoch.

Man wolle sicherstellen, dass die Ukraine sich verteidigen könne. Außerdem müsse garantiert werden, dass die Ukrainer am Verhandlungstisch eine möglichst starke Hand habe, sagte Blinken - denn es sei wahrscheinlich, dass dieser Krieg am Verhandlungstisch enden werde.

17.44 Uhr Stoltenberg weiter zuversichtlich bei Nato-Norderweiterung

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg (63) gibt sich weiter optimistisch, dass Schweden und Finnland trotz Bedenken der Türkei bald in die Nato aufgenommen werden können.

"Ich bin zuversichtlich, dass wir einen Weg nach vorne finden werden", sagte Stoltenberg am Mittwoch bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit US-Außenminister Antony Blinken in Washington. Es sei nicht das erste Mal, dass es in der Nato Differenzen und Meinungsverschiedenheiten gebe. "Aber wir können auf eine lange Erfolgsgeschichte zurückblicken und sind auch in der Lage, diese Differenzen zu überwinden und uns darauf zu einigen, wie wir vorankommen können."

Nato-Chef Jens Stoltenberg (63) geht davon aus, dass Finnland und Schweden schon bald der Nato beitreten werden.
Nato-Chef Jens Stoltenberg (63) geht davon aus, dass Finnland und Schweden schon bald der Nato beitreten werden.  © Eduardo Parra/Europa Press/dpa

17.04 Uhr: Moskau gibt Westen Schuld für Lebensmittelkrise

Russland hat die Vorwürfe auch der Bundesregierung zur Blockade von Getreideexporten zurückgewiesen und dem Westen die Verantwortung für die Lebensmittelkrise gegeben.

Weil russische Frachtschiffe mit Sanktionen belegt seien, könnten diese kein Getreide exportieren, sagte Moskaus Außenminister Sergej Lawrow am Mittwoch in der saudischen Hauptstadt Riad. Der Westen behaupte zwar, dass Lebensmittel nicht mit Sanktionen belegt seien, verschweige aber zugleich, dass sie nicht transportiert werden könnten.

"Es gibt ein Problem mit dem Export von russischem Getreide", sagte Lawrow. "Obwohl der Westen laut daran erinnert, dass Getreide nicht unter die Sanktionen fällt, wird schamvoll verschwiegen, dass die Schiffe, die das Korn transportieren, unter Sanktionen stehen: sie werden nicht in ausländischen, europäischen Häfen abgefertigt, und sie werden nicht versichert."

Im Grunde fielen auch alle logistischen Lieferketten und Finanzströme unter die Sanktionen.

Die weltweite Getreideversorgung ist gefährdet, auch weil russische Schiffe europäische Häfen nicht mehr anlaufen.
Die weltweite Getreideversorgung ist gefährdet, auch weil russische Schiffe europäische Häfen nicht mehr anlaufen.  © Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa

16.36 Uhr: Bsirske gegen Sondervermögen - Grüner warnt vor mehr Rüstungsausgaben

Mit dem langjährigen Verdi-Chef Frank Bsirske (70) wendet sich einer der prominenten Grünen-Abgeordneten gegen das geplante Sondervermögen für die Bundeswehr.

"Von der ursprünglichen Forderung, dem Sondervermögen einen "erweiterten Sicherheitsbegriff" zugrunde zu legen, ist nach den Verhandlungen nichts mehr übrig geblieben", schrieb Bsirske in einer persönlichen Erklärung, die der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegt. Er werde bei der vorgesehenen Abstimmung im Bundestag nicht zustimmen.

Bsirske warnte, die Rüstungsausgaben würden gemessen am Gesamthaushalt "kontinuierlich steigen". Dabei erweise sich die russische Aggression "nicht als Erfolgsmodell, das zur Nachahmung einlädt, sondern als militärisches Desaster".

Der ehemalige Verdi-Boss Frank Bsirske (70, Grüne) will gegen das geplante Sondervermögen der Bundeswehr stimmen.
Der ehemalige Verdi-Boss Frank Bsirske (70, Grüne) will gegen das geplante Sondervermögen der Bundeswehr stimmen.  © Fabian Sommer/dpa

15.52 Uhr: Lambrecht: Freiheit muss mit militärischer Stärke verteidigt werden

Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (56, SPD) hat im Bundestag für Steigerungen des Wehretats geworben.

"Es muss Schluss sein mit der Vernachlässigung der Bundeswehr. Und es muss Schluss sein mit Zögern und Zaudern", sagte Lambrecht am Mittwoch bei Beratungen ihres Haushaltstitels. Es sei ein wichtiges Zeichen, dass der diesjährige Verteidigungshaushalt um rund 3,5 Milliarden Euro gegenüber dem Plan und dem ursprünglichen Entwurf steigen werde.

"Mit diesen jetzt rund 50,4 Milliarden haben wir eine solide Grundlage für den Betrieb unserer Bundeswehr und gerade auch dafür, wichtige Rüstungsgüter anzuschaffen", sagte Lambrecht.

Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (56, SPD) wirbt im Bundestag für eine Erhöhung des Wehretats.
Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (56, SPD) wirbt im Bundestag für eine Erhöhung des Wehretats.  © Michael Kappeler/dpa

15.14 Uhr: Kreml reagiert gelassen auf Öl-Boykott der EU

Moskau hat gelassen auf den in der EU geplanten weitreichenden Boykott von russischem Öl reagiert.

Die frei werdenden Mengen würden in andere Richtungen umgeleitet, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow (54) der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge am Mittwoch. "Diese Sanktionen wirken sich natürlich negativ auf den gesamten Kontinent aus – auf die Europäer und auf uns und auf den gesamten globalen Energiemarkt." Russland werde die negativen Folgen durch systematische Handlungen minimieren, sagte Peskow.

Russland will sein Öl nun anderen Kunden anbieten.
Russland will sein Öl nun anderen Kunden anbieten.  © Dmitry Lovetsky/AP/dpa

15.12 Uhr: Roth: Wollen, dass russische Journalisten hier im Exil weiterarbeiten

Geflüchtete russische Journalisten sollen nach dem Willen der Kulturstaatsministerin Claudia Roth (67, Grüne) in Deutschland weiterarbeiten können.

Roth sagte am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur: "Ich begrüße es sehr, dass die Visa- und Aufenthaltsregelungen für geflüchtete russische Journalistinnen und Journalisten jetzt erleichtert werden. Wir wollen, dass sie ihre Arbeit im deutschen Exil fortsetzen können." Unabhängige Journalistinnen und Journalisten in Russland würden seit Kriegsausbruch eingeschüchtert, verfolgt und unterdrückt.

Am Montag hatte der Bund Regelungen für eine unkomplizierte Aufnahme von Russinnen und Russen angekündigt, die in ihrem Heimatland besonders gefährdet sind.

Kulturstaatsministerin Claudia Roth (67, Grüne) setzt sich für besonders gefährdete russische Flüchtlinge ein.
Kulturstaatsministerin Claudia Roth (67, Grüne) setzt sich für besonders gefährdete russische Flüchtlinge ein.  © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

14.45 Uhr: EU-Asylagentur: Anzahl der Gesuche wegen Ukraine-Konflikt gestiegen

Die EU-Asylagentur hat im März den höchsten Anstieg von Asylanträgen seit der sogenannten Flüchtlingskrise zwischen 2015 und 2016 in der Europäischen Union verzeichnet.

Insgesamt seien im März in den EU-Staaten rund 82 900 Gesuche eingegangen, teilte die EUAA am Mittwoch in der maltesischen Hauptstadt Valletta mit. Gegenüber dem Vormonat Februar waren das 21 800 Anträge mehr. Den Anstieg erklärte die EUAA hauptsächlich durch die erhöhte Zahl an Asylanträgen aus der vom russischen Angriffskrieg betroffenen Ukraine (rund 14 000).

Titelfoto: Natacha Pisarenko/AP/dpa

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