Atommüll auf dem Weg nach Deutschland: "Castor-Alarm" ausgelöst

Biblis/Sellafield/Nordenham - Sechs Castoren mit hoch radioaktivem Atommüll sind auf dem Weg vom britischen Sellafield nach Deutschland.

Mit Hilfe eines Schwerlastkranes heben Arbeiter einen blauen Castorbehälter in das Innere eines der Reaktorblöcke des Atomkraftwerk Biblis. (Archivbild)
Mit Hilfe eines Schwerlastkranes heben Arbeiter einen blauen Castorbehälter in das Innere eines der Reaktorblöcke des Atomkraftwerk Biblis. (Archivbild)  © dpa/Boris Rössler

Das Schiff mit den Behältern für das Zwischenlager im südhessischen Biblis habe am Dienstagabend abgelegt, sagte ein Sprecher der mit dem Transport beauftragten Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS) am Mittwoch.

Das Schiff steuert trotz aller Bedenken wegen steigender Infektionszahlen in der Corona-Pandemie in den nächsten Tagen einen deutschen Seehafen an. Atomkraftgegner und Umweltschützer gehen hierbei vom niedersächsischen Hafen Nordenham aus.

Die sechs Castoren seien von der britischen Wiederaufbereitungsanlage Sellafield per Bahn zu dem rund 65 Kilometer entfernten Hafen Barrow-in-Furness zu dem Spezialschiff "Pacific Grebe" gebracht und verladen worden, teilte die GNS mit.

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Trotz aller Bedenken vonseiten der Polizeigewerkschaften und des niedersächsischen Innenministeriums vor dem Hintergrund steigender Infektionszahlen bereiten sich die Sicherheitskräfte auf einen Transport durch Deutschland vor.

Castor-Gegner kündigten bereits Protestaktionen und Mahnwachen an

Die Castor-Gegner haben bereits mehrere Aktionen entlang der Transport-Strecken geplant. (Archivbild)
Die Castor-Gegner haben bereits mehrere Aktionen entlang der Transport-Strecken geplant. (Archivbild)  © dpa/Peter Steffen

Gegner kündigten bereits Protestaktionen und Mahnwachen an. 

Es wird mit einem massiven Polizeiaufgebot gerechnet. Die beteiligten Unternehmen und Institutionen hätten im Zuge der Infektionszahlen umfassende Vorsorgekonzepte und Hygieneregeln für alle Phasen des Transports erarbeitet, hieß es bei der GNS.

Atomkraftgegner lösten den von ihnen vorbereiteten "Castor-Alarm" aus und riefen für Samstagnachmittag zu einer Kundgebung und Mahnwache in Nordenham auf.

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Die Castor-Gegner rechneten mit einer Ankunft des Schiffes in dem Hafen an der Unterweser am Samstag gegen 7.00 Uhr, sagte Hans-Otto Meyer-Ott vom Arbeitskreis Wesermarsch der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Auch entlang der möglichen Transportstrecken sind Aktionen geplant.

Die Bundespolizei in Hannover nannte keinen Termin, aber ein Sprecher sagte: "Wir sind in Vorbereitungen auf einen Einsatz mit vielen Kräften." Der Transport werde in Deutschland große Strecken mit der Bahn zurücklegen, deshalb sei die Bundespolizei zuständig.

Auch die Polizei des Landes Niedersachsen werde sich bestmöglich auf den Transport einstellen "und eine polizeiliche Begleitung sicherstellen", sagte ein Sprecher des Innenministeriums.

Er erinnerte aber daran, dass Innenminister Boris Pistorius (SPD) vor dem Rücktransport der Castor-Behälter während der Corona-Pandemie gewarnt habe. In Hessen sieht man sich vorbereitet.

Die sechs rund 100 Tonnen schweren Castor-Behälter sollten bereits im Frühjahr kommen

Castor-Behälter auf dem Gelände des früheren Atomkraftwerks Biblis. (Archivbild)
Castor-Behälter auf dem Gelände des früheren Atomkraftwerks Biblis. (Archivbild)  © dpa/Boris Rössler

Die sechs rund 100 Tonnen schweren Castor-Behälter sollten eigentlich bereits im Frühjahr per Schiff kommen und dann mit der Bahn in das Zwischenlager am früheren Atomkraftwerk im hessischen Biblis gebracht werden. Wegen der Corona-Krise wurde dies aber abgesagt.

Gegner des Transportes sind nicht nur wegen der Pandemie gegen die Rückholung des Atommülls. Sie sehen auch Sicherheitsmängel im Zwischenlager in Biblis, scheiterten allerdings mit einer Klage gegen die Castor-Einlagerung vor dem hessischen Verwaltungsgerichtshof.

Deutschland muss aufgrund internationaler Verpflichtungen seinen im Ausland wiederaufbereiteten Atommüll zurücknehmen.

Noch heute lagern in den Wiederaufbereitungsanlagen im französischen La Hague und im britischen Sellafield Castoren mit radioaktiven Abfällen aus deutschen Atomkraftwerken.

Bis 2011 wurden diese im Zwischenlager im niedersächsischen Gorleben untergebracht. Jetzt müssen sie dezentral gelagert werden.

Titelfoto: dpa/Peter Steffen

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