Darum geht es Deutschlands Wäldern so schlecht

Fallen Dir auch immer wieder diese toten, grauen Flecken mitten im grünen Wald auf? Was ist los mit unseren Wäldern? In den letzten Jahren sterben immer mehr Bäume in Deutschland. Waldbesitzer sprechen sogar von einer Jahrhundert-Katastrophe. Doch woran liegt das? Ist nur der Wassermangel schuld? Ich erzähle Dir, wie es tatsächlich um unsere Wälder steht und worin die Ursachen des Waldsterbens liegen.

Die Trockenheit und der Borkenkäfer sorgen dafür, dass in Deutschland immer mehr Wald stirbt (Symbolfoto).
Die Trockenheit und der Borkenkäfer sorgen dafür, dass in Deutschland immer mehr Wald stirbt (Symbolfoto).  © dpa/Roland Weihrauch

Die Problematik des massiven Waldsterbens hatten wir bereits schon einmal. In den 1980er und 1990er Jahren gab es ein massives Waldsterben in Deutschland. Damals war vor allem die starke Luftverschmutzung schuld daran. Aus der Industrie, Landwirtschaft und Verkehr gelangten zu viele Stickoxide und Schwefeldioxid in die Atmosphäre. 

Die Folge war ein saurer Regen, der unseren Wäldern kräftig zusetzte. Doch rechtliche Regelungen zum Ausstoß dieser Gase sowie die neuen Katalysatoren in den Auto-Motoren sorgten dafür, dass der saure Regen wieder zurückging.

Das Waldsterben heutzutage ist nur teilweise auf die Luftverschmutzung zurückzuführen. Vor allem der Borkenkäfer treibt in den letzten Jahren sein Unwesen und zerfrisst unsere Wälder. Die Winter sind so mild, dass er selbst die kältesten Monate übersteht. 

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Laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft sind die Schäden in den deutschen Wäldern so schlimm, wie seit dem zweiten Weltkrieg nicht mehr. Circa 285.000 Hektar Waldfläche müssen in Deutschland wiederbewaldet werden. 

Besonders schlimm betroffen sind Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Niedersachsen und Hessen. Um die Ausbreitung des Borkenkäfers zu stoppen, müssen die befallenen Bäume so schnell wie möglich aus dem Wald geschafft werden. 

Schädlinge, Trockenheit, Klimawandel: Deutschlands Wälder müssen vielen Belastungen trotzen

Neu gepflanzte Wälder sollten nicht mehr aus Monokulturen bestehen, da Mischwälder resistenter gegen Klimawandel, Schädlinge und Co. sind (Symbolfoto).
Neu gepflanzte Wälder sollten nicht mehr aus Monokulturen bestehen, da Mischwälder resistenter gegen Klimawandel, Schädlinge und Co. sind (Symbolfoto).  © unsplash.com/@daiga_ellaby

Doch die Förster sind gebietsweise überfordert, wenn zum Schädlingsbefall auch noch Dürre, Waldbrände und Stürme hinzukommen. Förster kommen mit dem Aufforsten nicht hinterher. Zumal für das von Borkenkäfern befallene Holz kaum Erlös am Markt erzielt werden kann.

Normalerweise sind die Bäume in der Lage solche Schädlinge mithilfe ihres Harzes abzuwehren. Ist es jedoch zu trocken, können die Bäume nicht genügend Harz produzieren und sich nicht ausreichend vor der Bedrohung durch den Borkenkäfer schützen. Am schlimmsten betroffen sind die Monokulturen aus Nadelbäumen, welche sehr viel empfindlicher als Mischwälder sind. 

Diese leiden ohnehin am meisten unter den Folgen des Klimawandels. Vor allem Buchenwälder waren hierzulande weit verbreitet, bevor die Europäer anfingen Wälder großflächig zu roden. Damals pflanzte man in Deutschland vorrangig Fichten und Kiefern, da diese schnell wuchsen und somit wirtschaftlich lukrativ waren. 

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Natürliche Nadelwälder gibt es eigentlich nur in wenigen Gebirgsregionen, wie im Harz oder im bayrischen Wald. Um Klimawandel, Trockenheit, Schädlingen und Co. in Zukunft standzuhalten, müssen die toten Bäume durch Laub- und Mischwälder ersetzt werden. 

Diese sollten mit Bedacht gewählt werden, denn auch die hierzulande ansässige Buche leidet aufgrund ihrer flachen, oberflächennahen Wurzeln besonders stark unter der Trockenheit. Außerdem muss sichergestellt werden, dass Wildtiere die jungen Bäume nicht fressen. 

Nur noch ein Prozent des deutschen Gesamtwaldes ist rein naturbelassen

Zahlreiche abgestorbene Fichten reihen sich unter anderem im Harz aneinander. Schuld daran sind irreparable Borkenkäfer-Schäden.
Zahlreiche abgestorbene Fichten reihen sich unter anderem im Harz aneinander. Schuld daran sind irreparable Borkenkäfer-Schäden.  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa

Doch der Zeitdruck macht den Förstern zu schaffen. Sie müssen schnell sein, damit Sträucher wie Ginster, Brombeeren, Unkraut oder Nadelbäume nicht wieder nachwachsen können. Der BUND fordert allerdings auch, dass gebietsweise Naturwälder wieder zugelassen werden sollten, frei von forstlichen Eingriffen. 

Rein naturbelassene Wälder machen mittlerweile nicht einmal mehr 1 Prozent des Gesamtwaldes in Deutschland aus. Auch der wohl bekannteste Förster Deutschlands Peter Wohlleben (56) kritisiert den geringen Anteil naturbelassenen Waldes. Wohlleben verfasste unter anderem ein sehr interessantes Buch über "Das geheime Leben der Bäume", welches den Leser mit völlig neuen Augen durch den Wald laufen lässt.

Neben den Waldbesitzern kann aber auch jeder Einzelne von uns etwas gegen das Waldsterben tun. Vor allem sollten wir den Wald nicht unnötig in Gefahr bringen, beispielsweise durch Waldbrände. Bereits kleine Funken von der Zigarette oder einem Lagerfeuer können einen Brand auslösen. 

Auch die Verdichtung der Waldböden durch Befahrung oder auch Wanderer, die abseits der bestehenden Wege marschieren, machen dem Wald zu schaffen. Wer gerne dafür sorgen möchte, dass mehr Bäume gepflanzt werden, findet online jede Menge Möglichkeiten um mit Hilfe einer Spende eine Baumpatenschaft aufzunehmen. Empfehlenswerte Organisationen sind beispielsweise >> hier aufgelistet.

Ansonsten hilft natürlich auch der sparsame Umgang mit Holz- und Papierprodukten, das Nutzen von Recyclingpapier und beim Produktkauf auf das FSC-Siegel zu achten, welches eine umweltverträgliche Herstellung von Holzprodukten kennzeichnet. Noch mehr Tipps findest du >> hier.

Über die Autorin

TAG24-Kolumnistin Gina Gadis.
TAG24-Kolumnistin Gina Gadis.  © Gina Gadis

Gina Gadis (25) wurde in Dresden geboren und studierte in Freiberg Wirtschaftsingenieurwesen. Zwischen ihrem Bachelor und dem Master ging sie auf Reisen.

Knapp zwei Jahre bereiste Gina die Welt, zehn Monate davon war sie in Asien unterwegs.

Hier kam es zu der Initialzündung. Denn vielerorts in Asien sind die Menschen nicht mehr Herr über die Vermüllung ihrer Orte.

Gina sammelte schon auf ihrer Reise Müll ein, öffentlichkeitswirksam begeisterte sie auch immer mehr Menschen in ihrer Heimat für das Thema.

Als sie zurück nach Deutschland kam (aktuell Masterstudentin in Darmstadt), verfolgte sie weiter die Müll-Thematik. Sie schreibt nun unter anderem diese Kolumne für TAG24.

Titelfoto: Montage: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa, Gina Gadis

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