Zu viel Sport, nicht genug Klimaschutz: Aktivisten fordern Änderungen im MDR-Programm

Leipzig - Die Umweltschutzbewegung Extinction Rebellion geht auf Konfrontationskurs mit dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR). In einem offenen Brief fordern die Umweltschützer nun eine sichtbarere Berichterstattung des Senders im Kampf gegen die Klimakrise.

Die Umweltschutzbewegung Extinction Rebellion (XR) startet oft Protestaktionen zum Thema Klima, wie hier vor dem Haus der Wirtschaft in Berlin. (Archiv)
Die Umweltschutzbewegung Extinction Rebellion (XR) startet oft Protestaktionen zum Thema Klima, wie hier vor dem Haus der Wirtschaft in Berlin. (Archiv)  © Paul Zinken/dpa

Die ökologische Krise wird in naher Zukunft immer mehr negative Auswirkungen auf die Gesellschaft, die Politik und die Wirtschaft haben. Nach Ansicht von Extinction Rebellion sei dieses nahende Problem vielen Menschen gar nicht bewusst.

Und genau da sollen die Medien, insbesondere quotenstarke Fernsehsender, ins Spiel kommen. Mit dem Hashtag "Klimakrise in die Primetime" fordern die Umweltschützer eine umfassende Aufklärung zur Klimakrise.

"Der MDR ist in Mitteldeutschland das meistgesehene Fernsehprogramm zur Hauptsendezeit, erreicht auch mit seinem Hörfunk pro Tag 3,24 Millionen Menschen und das Online-Angebot wurde im letzten Jahr 430 Millionen mal genutzt", stellt Extinction Rebellion fest und äußert Kritik am Programm des Senders:

Greenpeace deckt auf: Amazon vernichtet trotz Gesetzesentwurf weiterhin Neuware
Umweltschutz und Nachhaltigkeit Greenpeace deckt auf: Amazon vernichtet trotz Gesetzesentwurf weiterhin Neuware

"Zwar produziert die Sparte 'MDR Wissen' wissenschaftlich fundierte und gut aufbereitete Beiträge zum Thema der ökologischen Krise, diese bekommen jedoch nicht die Plattform, die der Dringlichkeit des Themas angemessen wäre".

Um diese Behauptung zu unterstreichen, hat die Umweltschutzbewegung die täglichen MDR-Nachrichtensendungen in der Hauptsendezeit (19 bis 19.50 Uhr) analysiert. Die Ergebnisse sind ernüchternd: Demnach sollen innerhalb eines Zeitraums von drei Wochen nur 4,4 Prozent (1:40 Stunden von insgesamt 39 Stunden) der Sendezeit einen Klimabezug gehabt haben.

"Allerdings sprechen dabei nur 0,2 Prozent (5 min) die Auswirkungen der Klimakrise direkt an und nur 0,15 Prozent (circa 4 min) thematisieren speziell das Artensterben". Diesen überschaubaren Zahlen stünden laut Extinction Rebellion im selben Zeitraum 16,3 Prozent (circa 6:20 Stunden) Sportberichterstattung gegenüber.

"Die größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts"

In einem offenen Brief wendet sich Extinction Rebellion nun an den Mitteldeutschen Rundfunk (MDR): Der Klimaschutz soll mehr Sendezeit bekommen.
In einem offenen Brief wendet sich Extinction Rebellion nun an den Mitteldeutschen Rundfunk (MDR): Der Klimaschutz soll mehr Sendezeit bekommen.  © Ralf Seegers

"Es ist höchste Zeit, dem Thema Klimakrise den angemessenen Raum in den Medien zu geben", lautet die Forderung von Extinction Rebellion angesichts der analysierten Sendedaten.

Um die Krise, die "größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts", aufhalten zu können, soll die Problematik auch den Menschen vermittelt werden, die bisher noch aktiv davon betroffen sind.

Um das zu erreichen, muss "die ökologische Krise themenübergreifend mitgedacht und mitberichtet werden". In ihrem Vorhaben pocht Extinction Rebellion außerdem darauf, auf Begriffe wie "Klimawandel" zu verzichten, die das Problem herunterspielen würden.

Bauschutt, Reifen, Asbest: Illegale Müllentsorgung in Sachsen-Anhalt nimmt zu
Umweltschutz und Nachhaltigkeit Bauschutt, Reifen, Asbest: Illegale Müllentsorgung in Sachsen-Anhalt nimmt zu

Die Umweltschützer wenden sich deshalb direkt an den MDR: "Die Klimakatastrophe wird das größte Thema unserer Zeit werden, und ist es für sehr viele Menschen heute bereits. Die Frage ist nur, wird berichtet, solange das Ausmaß noch begrenzt werden kann, oder erst, wenn es zu spät ist?"

An der Aktion und dem offenen Brief beteiligen sich neben der Leipziger XR-Bewegung auch die Gruppen aus Zwickau, Magdeburg, Rostock, Dresden, Halle und Cottbus.

Titelfoto: Paul Zinken/dpa

Mehr zum Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit: