"Fridays for Future"-Bewegung stellt klare Forderungen an die Regierung

Frankfurt am Main - Schmelzende Gletscher, Dürreperioden, verheerende Zyklone und Waldbrände – das ist die Bilanz der anhaltenden Klimakrise weltweit. Organisiert von der internationalen Klimabewegung "Fridays for Future" (FFF) fand am Freitag (25. September) der 6. globale Klimastreik statt. In dieser Kolumne möchte ich näher auf die Beweggründe eingehen und einen kurzen Einblick auf die Auswirkungen des Klimawandels geben.

Auch in der Mainmetropole Frankfurt gingen "Fridays-for-Future"-Aktivisten auf die Straße.
Auch in der Mainmetropole Frankfurt gingen "Fridays-for-Future"-Aktivisten auf die Straße.  © DPA/Arne Dedert

Auch in Zeiten der Pandemie bleibt Klimaschutz nach wie vor ein wichtiges Thema. Corona-konform mit Abstands-, Hygiene- und Maskenvorschriften versammelten sich weltweit Hunderttausende Menschen in rund 2500 Städten, um auf die voranschreitende Klimakrise aufmerksam zu machen. 

Deutschlandweit beteiligten sich circa 400 Städte mit insgesamt 200.000 Menschen an der Aktion. Die Straßen waren voll mit Plakaten, geziert mit Aufschriften wie "Für eine Welt, in der wir gut und gerne leben" oder "Umweltschutz muss her, kein Plastik mehr".

Im August 2018 startete die damals 15-jährige Schülerin Greta Thunberg die "Fridays for Future"-Bewegung. Mittlerweile zählt die Organisation mehr als eine Million Anhänger in 125 Ländern. In Deutschland beträgt das Durchschnittsalter der Bewegung 25,8 Jahre, wobei knapp mehr als die Hälfte der Teilnehmenden zwischen 14 und 19 Jahre alt sind.

Beim Pariser Klimaabkommen vom Dezember 2015 kamen 197 Staaten in dem Ziel überein, einen Beitrag zum Klimawandel zu leisten und die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu reduzieren.

In den vergangenen Sommern hatten wir jedoch mit Rekordtemperaturen zu kämpfen, die 2020 europaweit höher als der sonstige Mittelwert waren. So demonstrierten die FFF-Anhänger unter dem Motto "Kein Grad weiter", um öffentlichkeitswirksam auf diese Entwicklung aufmerksam zu machen. 

Rekordhitze sorgt für noch größere Probleme bei Einhaltung des Pariser Klimaabkommens

Teilnehmer der "Fridays-for-Future"-Bewegung.
Teilnehmer der "Fridays-for-Future"-Bewegung.  © Pixabay/Dominic Wunderlich

Damit fordern sie auch Entscheidungsträger und Machthaber dazu auf, effektiver zu handeln und das Pariser Klimaabkommen nachhaltig umzusetzen.

Der Grundgedanke des Abkommens ist gut, jedoch mangelt es durch die Freiwilligkeit des Abkommens selbst an eindeutigen Forderungen innerhalb der Umsetzung. So finden sich bis heute unter den teilnehmenden Mitgliedsstaaten kaum konkrete Maßnahmen, die festlegen, bis wann welche Ziele konkret erreicht werden sollen.

Die "Fridays for Future"-Bewegung fordert für Deutschland die Umsetzung folgender Ziele:

  • Nettonull bis 2035, das heißt, dass alle durch Menschen verursachten Treibhausgas-​Emissionen durch Reduktionsmaßnahmen wieder aus der Atmosphäre entfernt werden müssen
  • Kohleausstieg bis 2030
  • 100 Prozent erneuerbare Energieversorgung bis 2035
  • Außerdem ruft die FFF-Bewegung dazu auf, den Erkenntnissen aus der Wissenschaft mehr Beachtung zu schenken.

Einige Auswirkungen des Klimawandels erleben wir hautnah mit. Andere wiederum fallen noch nicht direkt auf, obwohl auch diese früher oder später unseren Lebensraum beeinträchtigen werden.

Rodung der Wälder:

Wälder werden für Wirtschaft & Landwirtschaft gerodet und der Lebensraum von Tieren somit immer weiter zerstört. Obwohl wir in Deutschland diese Auswirkungen vielleicht nicht immer mitbekommen, berichtet der World Wide Fund For Nature (WWF) von dramatischen Entwicklungen. 

Seit den 1970er-Jahren seien durch die Rodung der Bäume besonders in den Tropen weltweit die Wildtier-Bestände um zwei Drittel gesunken. Dabei ist nicht nur die Artenvielfalt für unser Ökosystem wichtig. 

Die tropischen Wälder speichern auch ein Viertel des gesamten Kohlenstoffs auf der Erde. Durch die Rodung werden demnach riesige Mengen des Treibhausgases freigesetzt.

Neue Lösungsansätze müssen entwickelt und umgesetzt werden

Über die letzten 800.000 Jahre hat sich gezeigt, dass es eine Korrelation zwischen dem CO2-Gehalt und der Temperatur gibt.
Über die letzten 800.000 Jahre hat sich gezeigt, dass es eine Korrelation zwischen dem CO2-Gehalt und der Temperatur gibt.  © Multidisciplinary Earth System and Atmospheric Sciences Research Group

Schmelzen der Gletscher:

Die erhöhten Temperaturen haben langfristig fatale Auswirkungen auf das Eisschild von Grönland. So haben Forscher herausgefunden, dass mehr Eis schmilzt, als auf natürliche Weise nachkommen kann. Studien zufolge würde der Meeresspiegel um 7,40 Meter ansteigen, sollte das Eisschild von Grönland komplett wegschmelzen. Die Niederlande wäre dann zu 60 Prozent mit Wasser bedeckt und die sagenumwobene Unterwasserstadt Atlantis würde real werden.

Reichtum und Klimaemission:

Großes Aufsehen erregte eine kürzlich  veröffentlichte Studie von Oxfam über die Ausstoßmengen der klimaschädlichen Kohlendioxid-Emission (CO2) zwischen 1990 und 2015. Aus dieser ging hervor, dass die reichsten 10 Prozent der Weltbevölkerung für über die Hälfte der CO2-Emissionen verantwortlich seien. Besonders Städtegeländewagen und häufige Flugreisen wurden in diesem Zusammenhang als besonders starke Emissionstreiber angesehen.

Weltweit gibt es jede Menge interessante Lösungsansätze für diese Probleme, die es weiter zu untersuchen und bestenfalls umzusetzen gilt. Dazu zählen auch in Deutschland die Ansätze zur Verkehrs-Energie- oder Agrarwende. Selbst für jeden Einzelnen gibt es immer mehr Möglichkeiten bewusster mit Ressourcen umzugehen und sein Konsumverhalten neu zu definieren.

Trotzdem sind weitere Klimakonferenzen dringend notwendig. Nur so können Regierung, Wirtschaft und die Bevölkerung gezielt Maßnahmen einleiten, um gemeinsam und vor allem effektiv dem Klimawandel entgegenzuwirken.

Mit den jüngsten Demonstrationen hat die "Fridays for Future"-Bewegung deutlich auf sich aufmerksam gemacht. Es bleibt zu hoffen, dass Regierungen zu neuen Diskussionen angeregt wurden und nun stärkere Umsetzungsziele definieren.

Über die Autorin

TAG24-Kolumnistin Gina Gadis.
TAG24-Kolumnistin Gina Gadis.  © Gina Gadis

Gina Gadis (25) wurde in Dresden geboren und studierte in Freiberg Wirtschaftsingenieurwesen. Zwischen ihrem Bachelor und dem Master ging sie auf Reisen.

Knapp zwei Jahre bereiste Gina die Welt, zehn Monate davon war sie in Asien unterwegs.

Hier kam es zu der Initialzündung. Denn vielerorts in Asien sind die Menschen nicht mehr Herr über die Vermüllung ihrer Orte.

Gina sammelte schon auf ihrer Reise Müll ein, öffentlichkeitswirksam begeisterte sie auch immer mehr Menschen in ihrer Heimat für das Thema.

Als sie zurück nach Deutschland kam (aktuell Masterstudentin in Darmstadt), verfolgte sie weiter die Müll-Thematik. Sie schreibt nun unter anderem diese Kolumne für TAG24.

Titelfoto: Montage: DPA/Arne Dedert, Gina Gadis

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