Die Onlineshopping-Lüge: "Kostenlos" ist nicht kostenfrei!

Frankfurt am Main - Onlineshopping zählt zu den beliebtesten Einkaufsmöglichkeiten der Deutschen. Besonders zur Weihnachtszeit oder während der aktuellen Pandemie scheint Onlineshopping voll im Trend zu liegen.

Onlineshopping ist nicht immer günstiger, denn das Kaufverhalten ist in die Preise mit einkalkuliert. (Symbolbild)
Onlineshopping ist nicht immer günstiger, denn das Kaufverhalten ist in die Preise mit einkalkuliert. (Symbolbild)  © pexels@Karolina Grabowska

Doch was passiert eigentlich mit den Paketen, die zurückgesendet werden? Und was gibt es für Tricks, um unser Einkaufserlebnis langfristig günstig und gleichzeitig umweltfreundlicher zu gestalten?

Onlineshopping erfreut sich unter den Deutschen großer Beliebtheit. Kein Wunder, denn es ist auf den ersten Blick praktisch.

Unabhängig von Ladenöffnungszeiten, Wetterbedingungen, Entfernung oder Budget kann man sich alles bequem nach Hause liefern lassen. Außerdem ist die Annahme verbreitet, durch die große Auswahl an Anbietern Geld sparen zu können.

Der Schein rund um das Onlineshopping trügt jedoch und hat besonders für die Umwelt schädliche Auswirkungen. Oder hättest Du gedacht, dass in Deutschland jedes 6. Paket wieder zurückgeht?

So kam es auch 2018 zu einem Gesamtaufkommen von 280 Millionen Retoursendungen, bei denen schätzungsweise 238.000 Tonnen CO2 freigesetzt wurden! Hinzu kommen rund acht Millionen Tonnen Müll aus Pappe, Papier oder Wellpappe sowie Unmengen an Plastikverpackungen.

Kein Wunder, denn jeder 4. Onlineshopping-Enthusiast rechnet bereits damit, einen Teil der Bestellung wieder zurückzusenden. Vor allem, da Retoursendungen zumindest in Deutschland vermeintlich kostenfrei sind. Hinzu kommen Blitzangebote, Sonderaktionen oder Werbeslogans wie "Schrei vor Glück oder schick‘s zurück", die zusätzlich zu Impulskäufen animieren.

Am meisten wird Kleidung zurückgesendet

Jedes 2. zurückgesendete Paket beinhaltet Bekleidung oder Schuhe. (Symbolbild)
Jedes 2. zurückgesendete Paket beinhaltet Bekleidung oder Schuhe. (Symbolbild)  © Pexels@Andrea Piacquadio

Besonders im Bereich Bekleidung sind Retoursendungen sehr häufig. Der Grund dafür ist oftmals, dass sich über Mode vor der Bestellung weniger informiert wird als beispielsweise bei Büchern oder Elektronik. Natürlich spielt der Wohlfühlfaktor bei Schuhen und Co. eine wichtige Rolle, jedoch hat das auch seinen Preis, den der Kunde zahlt.

"Ein retournierter Artikel verursacht im Durchschnitt Kosten in Höhe von rund elf Euro, inklusive Porto und Bearbeitungsgebühr. Dieses Geld ist bereits im Verkaufspreis miteinkalkuliert", so Dr. Björn Asdecker, Leiter der Forschungsgruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg.

Forscher weisen darauf hin, dass sich das Retour-Aufkommen bereits mit einer Gebühr von drei Euro erheblich senken würde. Wahllose (Massen-) Bestellungen sowie etwa 40.000 Tonnen CO2-Emission könnten dadurch also eingespart werden.

Vor allem, wenn man bedenkt, dass zurückgesendete Ware nicht immer weiterverkauft wird. Obwohl auch B-Ware zum Weiterverkauf angeboten wird, landen trotzdem vier Prozent der Retoursendungen direkt im Müll.

Dadurch wirkt der "kostenlose Rückversand" doch eigentlich gar nicht mehr so attraktiv. Wäre es nicht schön, wenn wir selbst mit kleinen Tricks nicht nur unseren Geldbeutel, sondern auch die Umwelt schonen könnten? Kein Problem, wenn Du die nachfolgenden Tipps befolgst.

Tipp 1: Clever auswählen

Geduld zahlt sich doppelt aus! Beim Expressversand können die Lieferfahrzeuge nicht immer warten, bis sie voll ausgelastet sind.

Wer also den Standardversand nutzt, unterstützt effizientes Ausliefern und spart sich dadurch ebenso zusätzliche Portokosten. Dabei sind prinzipiell Sammelbestellungen - etwa gemeinsam mit den Nachbarn oder Freunden - zu bevorzugen.

Mittlerweile kann man auch bewusst umweltfreundlichere Versandmethoden auswählen, wie etwa das CO2-neutrale Go Green von DHL.

Zusätzlich bieten einige Händler auch an, die bestellte Ware in einem bereits gebrauchten Karton liefern zu lassen. Das ist nicht nur clever, sondern gleichzeitig nachhaltig!

Tipp 2: Gründlich nachlesen

Besser informiert sein, zahlt sich aus! Dabei genügt oftmals schon ein genauerer Blick auf die Produktbeschreibung oder die Produktbewertung. Als Faustregel gilt: je ausführlicher, desto besser!

Anstatt gleich mehrere Größen gleichzeitig zu bestellen, kann eine Größentabelle schon mehr Aufschluss über die benötigte Passform geben. In Zukunft sollen auch Apps mithilfe von künstlicher Intelligenz bei der Größenberatung helfen, um Retouren möglichst überflüssig zu machen.

Tipp 3: Kaufverhalten analysieren

Onlineshopping geht zwar auch nachhaltiger, jedoch sollten wir unser Konsumverhalten ebenso analysieren. (Symbolbild)
Onlineshopping geht zwar auch nachhaltiger, jedoch sollten wir unser Konsumverhalten ebenso analysieren. (Symbolbild)  © Pexels

Bewusster Shoppen zahlt sich aus! Dabei lautet die erste Regel: Nur bestellen, was man wirklich braucht oder nicht vor Ort bekommt.

Manchmal hilft es schon, den Warenkorb vor dem Check-Out noch einmal genauer zu inspizieren, um unnötige Impulskäufe zu vermeiden.

Natürlich erlebt das Onlineshopping in der Vorweihnachtszeit regelrecht eine Hochphase. Doch gerade aufgrund der aktuellen Pandemie ist es zu empfehlen, kleine Unternehmen statt große Konzerne zu unterstützen.

Egal ob das örtliche Theater oder der kleine Laden ums Eck. Besonders dieses Jahr zeigt sich Nächstenliebe eben auch durch die Unterstützung der lokalen Helden vor Ort.

Onlineshopping wird auch weiterhin im Trend bleiben. Langfristig lohnt es sich aber, ein bewussteres Kaufverhalten zu entwickeln.

Das erfreut nicht nur Mutter Natur, sondern ebenso den eigenen Geldbeutel. Denn schon mit kleinen Tricks in Hinblick auf Versandart und einer bewussteren Produktauswahl können wir unser Onlineshopping-Erlebnis viel nachhaltiger gestalten.

In punkto Nächstenliebe lohnt es sich jedoch besonders in diesem Jahr, statt online eben auch mal lokal zu shoppen. Da kann Weihnachten doch kommen!

Über die Autorin

TAG24-Kolumnistin Gina Gadis.
TAG24-Kolumnistin Gina Gadis.  © Gina Gadis

Gina Gadis (25) wurde in Dresden geboren und studierte in Freiberg Wirtschaftsingenieurwesen. Zwischen ihrem Bachelor und dem Master ging sie auf Reisen.

Knapp zwei Jahre bereiste Gina die Welt, zehn Monate davon war sie in Asien unterwegs.

Hier kam es zu der Initialzündung. Denn vielerorts in Asien sind die Menschen nicht mehr Herr über die Vermüllung ihrer Orte.

Gina sammelte schon auf ihrer Reise Müll ein, öffentlichkeitswirksam begeisterte sie auch immer mehr Menschen in ihrer Heimat für das Thema.

Als sie zurück nach Deutschland kam (aktuell Masterstudentin in Darmstadt), verfolgte sie weiter die Müll-Thematik. Sie schreibt nun unter anderem diese Kolumne für TAG24.

Titelfoto: Bild-Montage: pexels@Karolina Grabowska, Gina Gadis

Mehr zum Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0