Ausleihen statt Kaufen: So funktioniert das "Sharing Economy"-Prinzip

Frankfurt am Main - Bohrmaschine, aufblasbares Gästebett, Waffeleisen – allesamt hochgradig nützliche Gegenstände, die jedoch kaum tagtäglich Verwendung finden. Verzichten muss man auf sie nicht, jedoch muss ein Neukauf auch nicht sein: In dieser Kolumne möchte ich näher auf das Prinzip und die verschiedenen Möglichkeiten des Teilens, Tauschens und Verleihens eingehen.

Teilen macht Spaß und ist gleichzeitig nachhaltig. (Symbolbild)
Teilen macht Spaß und ist gleichzeitig nachhaltig. (Symbolbild)  © Pixabay

Unter dem Begriff "Sharing Economy" oder kollaborativer Konsum verbirgt sich ein nachhaltiges und mitunter sehr effektives Prinzip. Waren und Güter des alltäglichen Lebens werden gemeinschaftlich genutzt und erhalten dadurch eine längere Lebenszeit.

Verschiedene Faktoren wie Stauraum, Modepräferenzen oder die Häufigkeit der tatsächlichen Nutzung spielen dabei eine große Rolle. Besitz bekommt eine ganz andere Bedeutung, wenn Gegenstände von mehreren Personen oder Familien zwar zeitverzögert, jedoch praktisch zeitgleich genutzt werden können.

In der Tat besaßen 2019 knapp 50 Millionen Menschen in Deutschland eine Heimwerker- oder Bohrmaschine. In Relation zu etwa 83 Millionen Einwohnern stehen die Chancen doch eigentlich gut, bei netten Nachbarn fündig zu werden, wenn man selber keine besitzt.

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Trotzdem verhalten sich in der Praxis die Deutschen noch zögerlich, wie folgende Statistik beweist:

Beliebtheit des kollaborativen Konsums der Deutschen.
Beliebtheit des kollaborativen Konsums der Deutschen.  © Statista.de

Das Prinzip "Sharing is Caring“ ("Geteilte Freude ist doppelte Freude") spart nicht nur Platz und Geld, sondern kann auch viel Abwechslung mit sich bringen! Außerdem schont man ganz nebenbei die Umwelt, da im Grunde genommen weniger Waren hergestellt und somit auch weniger Ressourcen verbraucht werden.

Im Folgenden möchte ich ein paar Praxisbeispiele vorstellen, die der eine oder andere vielleicht noch nicht kennt.

Medien

Die wohl bekannteste Methode des kollaborativen Konsums sind Ausleihangebote von städtischen Bibliotheken oder Mediatheken.

Bequem von zu Hause aus lassen sich von den Anbietern www.Netflix.de oder www.AmazonPrime.de Filme und Serien streamen, wobei das Portal www.verleihshop.de ebenso Hörbücher und Spiele anbietet.

Urlaub

Viele sind vielleicht mit der Plattform www.Airbnb.de vertraut, bei der (meist) private Unterkünfte problemlos auf Zeit gemietet und vermietet werden können. Im Vergleich zu herkömmlichen Hotels ist dies zwar oft günstiger und gemütlicher, hat jedoch mitunter in Großstädten einen schädlichen Einfluss auf den dortigen Wohnungsmarkt.

Für Abenteurer bieten Plattformen wie www.outdoorverleih.com oder www.rent-your-camp.de eine großartige Möglichkeit, um Campingzelte, Reiseausrüstung oder ganze Wohnwagen auszuleihen.

Kinder und Babys

Besonders in den ersten Lebensmonaten wachsen die Kleinen enorm schnell. Neben Babykleidung haben auch Gebrauchsgegenstände wie Hochstuhl, Kinderwagen oder Spielzeuge nur eine kurze Nutzungszeit und können geliehen werden.

Bis vor Kurzem gab es auf www.Kilenda.de die Möglichkeit, sämtliche Dinge für Kinder und Mamas gegen eine geringe Gebühr auszuleihen. Prinzipiell wirklich clever und nachhaltig gedacht!

Aufgrund der Corona-Pandemie und rückläufiger Kundennutzung musste die Plattform leider ihr bisheriges Format einstellen. Bei dem aktuellen "Rent End Sale" kann man jedoch die Produkte günstig erwerben.

Für ein bisschen mehr Abwechslung beim Kindergeburtstag findet man unter Portalen wie die Geburtstagsfee oder Partyleihkiste viele schöne Ausleihmöglichkeiten für die Kleinen.

Mode

Neben Kilenda hat auch TchiboShare die Corona-Pandemie nicht überlebt und muss bis Ende das Jahres die Vermietung von Kleidung einstellen.

Dennoch gibt es jede Menge Anbieter, die Kleidung verleihen. Bei Unown kann man beispielsweise die Kleidungsstücke so lange behalten, wie man möchte und erhält nach Rücksendung neue Teile der Wahl.

In Freiburg und Köln kannst Du direkt in der Kleiderei vier Teile ausleihen und so oft tauschen wie Du willst. Dresscoded bietet Kleidung für besondere Anlässe zum Ausleihen an.

Auch bei eBay Kleinanzeigen gibt es eine Kategorie "Verleihen" und "Tauschen", die sich auf die nähere Umgebung einschränken lässt. Praktisch und nachhaltig zugleich, da ohne Versand per Post die Umwelt noch mehr geschont werden kann.  

Nachbarschaft

Mit einer schönen Idee setzten unsere Schweizer Nachbarn von Pumpipumpe nachhaltige Impulse im Hinblick auf Nachbarschaftlichkeit.

Mit den Sticker-Kits kann ganz einfach am Briefkasten signalisiert werden, was für Schätze man ausleihen oder verleihen kann.

Wenn also mal ein Schlagbohrer oder eine Fahrradpumpe benötigt wird, wirst Du vielleicht über Pumpipumpe in der Nachbarschaft fündig. 

Sticker zeigen, wie Nachbarn sich gegenseitig unterstützen können.
Sticker zeigen, wie Nachbarn sich gegenseitig unterstützen können.  © pumpipumpe.ch

Obwohl die Corona-Pandemie Auswirkungen auf Secondhand oder Verleih-Plattformen hatte, überzeugt das Prinzip des kollaborativen Konsums trotzdem mit seinem großen Potenzial.

Besonders durch die Zugänglichkeit von zu Hause aus oder beim Leihladen um die Ecke kann man Platz und Geld sparen. Neben dem Aspekt der Nachhaltigkeit bringt man gleichzeitig Abwechslung in den eigenen Alltag oder trägt zu einer besseren Nachbarschaftlichkeit bei.

Über die Autorin

TAG24-Kolumnistin Gina Gadis.
TAG24-Kolumnistin Gina Gadis.  © Gina Gadis

Gina Gadis (25) wurde in Dresden geboren und studierte in Freiberg Wirtschaftsingenieurwesen. Zwischen ihrem Bachelor und dem Master ging sie auf Reisen.

Knapp zwei Jahre bereiste Gina die Welt, zehn Monate davon war sie in Asien unterwegs.

Hier kam es zu der Initialzündung. Denn vielerorts in Asien sind die Menschen nicht mehr Herr über die Vermüllung ihrer Orte.

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Gina sammelte schon auf ihrer Reise Müll ein, öffentlichkeitswirksam begeisterte sie auch immer mehr Menschen in ihrer Heimat für das Thema.

Als sie zurück nach Deutschland kam (aktuell Masterstudentin in Darmstadt), verfolgte sie weiter die Müll-Thematik. Sie schreibt nun unter anderem diese Kolumne für TAG24.

Titelfoto: Bild-Montage: Pixabay/Gina Gadis

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