Wie wir durch unseren Konsum anderen Menschen das Trinkwasser wegnehmen

Frankfurt am Main - Schockierend: Über 4000 Liter Wasser verbrauchen wir hier in Deutschland pro Tag und Person! Doch das meiste davon fließt nicht durch unsere Leitungen, sondern steckt als sogenanntes virtuelles Wasser in unseren Produkten.

Über die immensen Wassermengen, die zur Herstellung unserer Produkte benötigt werden, haben wir bereits beim letzten Mal gesprochen.

Wem das Wasser bis zum Hals steht, für den habe ich heute die ultimativen Tipps zum virtuellen Wassersparen.

Deutschland importiert mehr als die Hälfte des von uns verbrauchten virtuellen Wassers.
Deutschland importiert mehr als die Hälfte des von uns verbrauchten virtuellen Wassers.  © picture-alliance/dpa-infografik

Das Problem

Obwohl Deutschland ein wasserreiches Land ist, importieren wir über die Hälfte des von uns verbrauchten virtuellen Wassers in Form von ausländischen Produkten. Viel zu häufig kommen diese Produkte auch noch aus wasserarmen Regionen, wodurch die Mangelsituation vor Ort noch verschärft wird.

Damit wir durch unseren Konsum anderen Menschen nicht das Trinkwasser wegnehmen, ist es wichtig, diesen Zusammenhang zu erkennen und als Konsument eine gewisse Verantwortung zu übernehmen.

Lebensmittel

Saisonalität und Regionalität

Die größten Einsparpotenziale schlummern in unseren Ernährungsgewohnheiten. Vor allem macht bei Lebensmitteln die Herkunft einen riesigen Unterschied.

Für die Herstellung von einem Kilo Kartoffeln werden beispielsweise im sehr trockenen Ägypten mehrere Hundert Liter Wasser benötigt, in Deutschland hingegen sind es gerade zehn Liter. Hinzukommt der lange Transportweg, wodurch auch noch unnötige Mengen CO2 ausgestoßen werden.

Neben der Regionalität ist aber auch die Saisonalität ausschlaggebend. Tomaten wachsen hierzulande von April bis Oktober. Werden diese im Winter gekauft, kommen sie entweder aus wasserarmen Regionen wie Spanien, wo fast die siebenfache Menge Wasser benötigt wird oder aus Gewächshäusern, die Unmengen an CO2 produzieren.

Wer im Winter seine Tomatenlust stillen will, der greift am besten zu getrockneten oder eingekochten (beispielsweise passierte) Tomaten. Glücklicherweise gibt es online Saisonkalender, die Dir immer verraten, wann welches Obst und Gemüse wächst.

In heißen und trockenen Ländern wird mehr Wasser zum Gießen benötigt als hierzulande, da ein großer Teil direkt verdunstet.
In heißen und trockenen Ländern wird mehr Wasser zum Gießen benötigt als hierzulande, da ein großer Teil direkt verdunstet.  © Unsplash/Tony Pham

Fleischkonsum

Zur Erinnerung: Für die Herstellung eines Kilogramms Rindfleisch werden 15.000 Liter Wasser benötigt. Das liegt vor allem am Futter der Tiere, welches erst angebaut werden muss.

Damit zählt Rindfleisch zu den ganz üblen Wasserschluckern. In 200 Gramm Rindfleischsteak steckt so viel Wasser, dass man sich laut waterfootprint.org damit 47 Mal für acht Minuten duschen könnte. Kein Wunder also, dass vom totalen Wasserverbrauch Deutschlands ganze 28 Prozent laut der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) auf unseren Fleischkonsum zurückzuführen sind.

Zusätzlich werden auch noch 17 Prozent durch die Herstellung tierischer Produkte wie Eier, Milch oder Leder verbraucht. Man muss ja nicht gleich Vegetarier oder Veganer werden, aber wie wäre es mit ein paar fleischfreien Tagen?

Seinen Konsum tierischer Produkte zu reduzieren hat immense Auswirkungen auf den persönlichen Wasser-Fußabdruck. Hinzukommen die sonstigen eingesparten Ressourcen, die normalerweise für die Viehzucht benötigt werden (Futter, Nutzflächen, etc.).

Wer zudem dafür sorgen möchte, dass unsere Böden und Grundgewässer gesund bleiben und nicht durch Chemikalien (Dünger, Pestizide, etc.) verunreinigt werden, der greift am besten zu Bio-Lebensmitteln.

Neben diesen bewussten Kaufentscheidungen ist der einfachste Weg, um Wasser, Ressourcen, unseren Planeten und schließlich auch den Geldbeutel zu schonen, weniger Lebensmittel wegzuschmeißen und nur so viel zu kaufen, wie man wirklich verbrauchen kann.

Kleidung

Vermeide konventionelle Baumwolle

10.000 Liter Wasser werden für die Herstellung eines Kilos konventionellen Baumwollstoffs benötigt. Daraus können laut Utopia gerade mal vier T-Shirts gemacht werden.

Wer stattdessen Kleidung aus Bio-Baumwolle kauft, spart 40 Prozent des wertvollen Nasses. Für die Herstellung von Kleidung aus Hanf oder Leinen wird sogar nur ein Viertel des Wassers benötigt.

Ob momoxfashion.com, Vinted.de, ebayKleinanzeigen.de, Oxfam oder Shpock.com: Secondhand ist ein Trend, der nicht mehr zu stoppen ist und das ist auch gut so.
Ob momoxfashion.com, Vinted.de, ebayKleinanzeigen.de, Oxfam oder Shpock.com: Secondhand ist ein Trend, der nicht mehr zu stoppen ist und das ist auch gut so.  © unsplash.com@prudenceearl

Langlebigkeit statt Fast Fashion

Billigkleidung zeugt meistens von schlechter Qualität, verblasst schnell, leiert aus und hat eine kurze Lebensdauer. Durch den Kauf nachhaltiger und qualitativ hochwertiger Kleidung sind die nötigen Voraussetzungen geschaffen, damit ein Kleidungsstück möglichst lange getragen werden kann.

Ein schöner Nebeneffekt: Wer weniger Kleidung wegwirft und Kleidungsstücke länger trägt, schont nicht nur die Umwelt, sondern letztendlich auch den eigenen Geldbeutel.

Secondhand statt neu

Ziel sollte es sein, die Güter so lange wie möglich zu nutzen und im Kreislauf zu halten. Das kann bedeuten, Kleidung, aber auch alle anderen Produkte Secondhand zu kaufen oder weiterzuverkaufen oder sogar zu verschenken.

Indem wir uns bewusst für Produkte entscheiden, die sich leichter reparieren lassen oder direkt Secondhand kaufen, schonen wir die Ressourcen unseres Planeten und natürlich auch den eigenen Geldbeutel.

Impulse setzen

Es gibt bestimmte Lebensmittel oder Produkte, die Du gern kaufst, aber deren Herstellung fragwürdig ist? Kontaktiere das Unternehmen und sprich sie doch mal darauf an, den Wasserfußabdruck und die Nachhaltigkeit ihrer Produkte offenzulegen. Das kann auch eine kurze Nachricht über die sozialen Medien sein.

Je häufiger ein Unternehmen solche Impulse von Kunden bekommt, desto eher sind sie dazu geneigt, ihre Herstellungsprozesse zu überdenken und zunehmend auf Nachhaltigkeit zu achten.

Wir sollten uns immer wieder vor Augen führen, dass wir als Kunden eine gewisse Macht haben und unser Kassenbon ein Stimmzettel ist.

Du entscheidest bei jedem Einkauf, welche Unternehmen, welche Wirtschaftsweise, welche Ressourcen-Handhabung und welche Arbeitsverhältnisse Du unterstützen möchtest. Mach von Deiner Macht als Konsument Gebrauch und entscheide Dich bewusst.

Über die Autorin

TAG24-Kolumnistin Gina Gadis.
TAG24-Kolumnistin Gina Gadis.  © Gina Gadis

Gina Gadis (25) wurde in Dresden geboren und studierte in Freiberg Wirtschaftsingenieurwesen. Zwischen ihrem Bachelor und dem Master ging sie auf Reisen.

Knapp zwei Jahre bereiste Gina die Welt, zehn Monate davon war sie in Asien unterwegs.

Hier kam es zu der Initialzündung. Denn vielerorts in Asien sind die Menschen nicht mehr Herr über die Vermüllung ihrer Orte.

Wasserverschmutzung kaum noch zu bewältigen: So verseucht sind Sachsens Bäche!
Umweltschutz und Nachhaltigkeit Wasserverschmutzung kaum noch zu bewältigen: So verseucht sind Sachsens Bäche!

Gina sammelte schon auf ihrer Reise Müll ein, öffentlichkeitswirksam begeisterte sie auch immer mehr Menschen in ihrer Heimat für das Thema.

Als sie zurück nach Deutschland kam (aktuell Masterstudentin in Darmstadt), verfolgte sie weiter die Müll-Thematik. Sie schreibt nun unter anderem diese Kolumne für TAG24.

Titelfoto: Bild-Montage: Unsplash/Tony Pham, Gina Gadis

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