Sind "Bio-Kunststoffe" am Ende auch nicht besser als Einwegplastik?

München - Ab Juli 2021 gilt in Deutschland das Verbot vieler Einwegplastikartikel, wie Besteck und Geschirr, für die es Alternativen aus anderen Materialien gibt. Doch haben diese alternativen Kunststoffe auch eine bessere Ökobilanz?

Vermeidbarer Müll! Viel zu viel Plastikgeschirr landet noch immer in Mülleimern in München.
Vermeidbarer Müll! Viel zu viel Plastikgeschirr landet noch immer in Mülleimern in München.  © picture alliance / Alexander Heinl/dpa

Rund 19 Millionen Tonnen Verpackungen fallen derzeit pro Jahr in Deutschland an, teilte der TÜV Süd am Mittwoch mit. Fast die Hälfte davon kommt von Privathaushalten, die mit 8,8 Millionen Tonnen Müll einen neuen Höchststand erreicht haben.

Laut Umweltbundesamt hat sich die Verpackungsmenge in Deutschland seit dem Jahr 2000 um 23 Prozent erhöht. Speziell der Müll durch Plastikverpackungen erhöhte sich seitdem um sagenhafte 79 Prozent!

Der Trend zu Convenience-Waren, wie verpackten Salate, Obst und Rohkost im Supermarkt befeuert das Problem. Neu hinzukommt die Masse an Verpackungen durch Lieferdienste, da Restaurants und Co. in der Pandemie geschlossen haben.

Mit der ab Sommer geltenden EU-Richtlinie soll dem Müll-Berg Einhalt geboten werden: In der ganzen EU ist die Herstellung bestimmter Gegenstände aus Einwegplastik dann nicht mehr erlaubt. Bereits 2019 wurde in der EU-Richtlinie 2019/904 festgehalten, welche konkreten Produkte aus Einwegplastik künftig nicht mehr erlaubt sind.

Wattestäbchen, Besteck, Teller, Trinkhalme, Rührstäbchen und Luftballonstäbe aus Kunststoff sowie To-go-Getränkebecher, Fast-Food-Verpackungen und Wegwerf-Essenbehälter aus expandiertem Polystyrol (Styropor) sind dann passé.

Das steckt hinter dem Einweg-Plastik-Verbot

Trinkhalme aus Plastik sind nach der EU-Richtlinie ab Juli 2021 verboten.
Trinkhalme aus Plastik sind nach der EU-Richtlinie ab Juli 2021 verboten.  © Ralf Hirschberger/dpa

Erlaubt bleiben Lebensmittelverpackungen aus Kunststoff, da sie einen hygienischen Schutz beim Transport, Einkauf und Aufbewahrung bieten sollen.

Neue sogenannte "Bio-Kunststoffe" schonen zwar die fossilen Rohstoffe, bereiten aber noch Probleme bei der Kompostierung oder dem Recycling.

Die zunehmend zum Einsatz kommenden "alternativen" Kunststoffe, haben laut Experten aber nicht unbedingt eine gesicherte Ökobilanz. Auch pflanzenbasierte Rohstoffe verbrauchen Flächen, Wasser und verursachen Umweltschäden!

Verbraucher müssen deshalb genauer hinschauen, wenn sie auf biologische Abbaubarkeit achten wollen.

"Bioabbaubarkeit" bedeutet laut der EU-Vorgaben, "dass sich ein Material nach einer bestimmten Zeit unter definierten Bedingungen (z. B. Temperatur-, Sauerstoffbedingungen) und durch Hilfe von Mikroorganismen oder Pilzen zu mehr als 90 Prozent abgebaut haben muss (zu Wasser, Kohlendioxid und Biomasse)", erklärt der TÜV Süd.

Dabei sind nicht alle biologisch abbaubaren Kunststoffe aus nachhaltigen Rohstoffen. Hinzu kommt, dass nicht alle Verpackungen aus nachhaltigen Rohstoffen (vollständig) biologisch abbaubar sind.

Daher basiert das Verbot der Einwegplastikartikel auch auf biobasierte und biologisch abbaubare Kunststoffe.

Biologisch abbaubar? Darauf sollten Verbraucher achten

Das sollte Dir beim Einkaufen und Entsorgen klar sein:

  • "Biologisch abbaubar" bezieht sich nur auf die Abbaubarkeit der Verpackung.
  • "Aus nachwachsenden Rohstoffen" bezieht sich nur auf die Rohstoffe. Sie sind überwiegend pflanzlichen Ursprungs (z. B. Mais, Kartoffeln) und zudem biologisch abbaubar.
  • "Naturfaserverstärkte Kunststoffe" sind nicht biologisch abbaubar.
  • Der Begriff "biobasierte" Kunststoffe sagt lediglich aus, dass nachwachsende Rohstoffe die Basis sind, zum Teil mit erdölbasierten Materialien kombiniert. Auch sie können nicht ohne Umweltbelastungen hergestellt werden!
  • Solche Kunststoffe kann man nicht im eigenen Garten kompostieren. Sie müssen im Hausmüll oder in der gelben Tonne, nicht aber im Biomüll entsorgt werden.
Wer nachhaltiger mit Plastik-Müll umgehen will, sollte also auch bei den "Bio"-Verpackungen einsparen, wo immer es geht und möglichst verpackungsfrei einkaufen.

Informationen der Bundesregierung zum Plastikverbot findest Du hier. Die genaue EU-Richtlinie 2019 /904 findest Du hier zum Nachlesen.

Titelfoto: picture alliance / Alexander Heinl/dpa

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