Positive Veränderungen durch Corona: Das können wir aus der Krise lernen

Frankfurt am Main - Geschlossene Büros, Flieger, die am Boden bleiben und Ausgangsbeschränkungen – Corona hat den Menschen tüchtig eingeschränkt. Doch unsere Umwelt müsste doch von diesen Umständen ordentlich profitiert haben, oder?

In China kam es durch die Einschränkungen zu einer deutlichen Reduzierung der Luftverschmutzung durch Stickstoffdioxid.
In China kam es durch die Einschränkungen zu einer deutlichen Reduzierung der Luftverschmutzung durch Stickstoffdioxid.  © NASA

Was wir aus der Krise lernen können und welche positiven Veränderungen sie mit sich brachte – ein Überblick.

Deutschland hat sein Klimaziel für 2020 erreicht. Es wurden nicht nur wie geplant 40 Prozent, sondern sogar 42,3 Prozent weniger Treibhausgase im Vergleich zu 1990 ausgestoßen.

Ohne Corona und die damit einhergehenden Einschränkungen hätten wir dieses Ziel wohl verfehlt. Weltweit gesehen sind die Emissionen um 4,6 Prozent zurückgegangen, was einer Studie zufolge der stärksten Reduktion von Treibhausgasen in der Geschichte der Menschheit entspricht.

Die Einschränkungen der Wirtschaft und der sozialen Aktivitäten sowie der individuellen Mobilität sorgten nicht nur dafür, dass weniger Treibhausgase emittiert wurden, sondern auch dafür, dass Luft- und Gewässerverschmutzungen massiv zurückgingen.

Doch auch die Veränderungen im Alltag haben einiges Positives mit sich gebracht.

Homeoffice

Homeoffice – für viele Menschen auch in Zukunft eine attraktive Lösung.
Homeoffice – für viele Menschen auch in Zukunft eine attraktive Lösung.  © Pixabay

Wegen Corona arbeiten derzeit viele Menschen im Homeoffice. Durch die ausfallenden Arbeitswege wird nicht nur Zeit, sondern auch jede Menge CO2 eingespart.

Während viele Arbeitnehmer es sicherlich bevorzugen, im Büro zu arbeiten, stellte sich für viele andere das Homeoffice als attraktive Alternative oder zumindest Ergänzung heraus.

Das Arbeiten von zu Hause aus wird sicherlich auch in Zukunft stärker ausgeprägt sein als noch in den Jahren zuvor.

Würde beispielsweise jeder zehnte Beschäftigte, der normalerweise mit dem Auto zur Arbeit fährt, nur einen Tag pro Woche im Homeoffice bleiben, könnten in Deutschland über 850 Millionen Kilo CO2 pro Jahr eingespart werden. Ein Potenzial, das genutzt werden sollte.

Dienstreisen

Auch Dienstreisen wurden größtenteils durch digitale Meetings ersetzt. Natürlich geht das nicht immer. Aber wir alle wurden/werden mit dieser Krise immer besser in der Nutzung von digitalen Kommunikationsmöglichkeiten wie Teams, Zoom oder Webex.

Somit können Dienstreisen auch in Zukunft häufiger durch Online-Konferenzen ersetzt werden.

Das hat gleich mehrere Vorteile: Unsere Umwelt profitiert von geringeren Treibhausgas-Emissionen, wir sparen jede Menge Zeit, die normalerweise für An- und Abreise anfallen würde, und Reisekosten fallen auch nicht an.

Fernreisen

Reisen in ferne Länder sind seit Corona kaum noch möglich. Viele Menschen machten deshalb Urlaub in Deutschland und erkundeten die nähere Umgebung.

Selbstverständlich wirkte sich auch das positiv auf unsere Treibhausgasbilanz aus, aber vor allem machte es deutlich, wie viel es eigentlich direkt vor der Haustür zu entdecken gibt.

Corona zeigte uns, dass es nicht jedes Jahr eine Flugreise sein muss und Deutschland unglaublich viel zu bieten hat. Es bleibt zu hoffen, dass auch in Zukunft die Menschen mehr lokal reisen.

Marke Eigenbau

DIY (Do it yourself), Basteln, Recycling und Co. wurde beliebter denn je.

Die frei gewordene Zeit wurde nicht nur genutzt, um sich um Haus und Garten zu kümmern, sondern auch um Dinge zu reparieren, Vorhandenes umzugestalten und sich kreativ auszutoben.

Durch Reparaturen und Wiederverwendung werden Ressourcen geschont und somit auch unsere Umwelt. Ein Trend, der hoffentlich anhält.

Reparieren und Wiederverwenden schont Ressourcen und damit unseren Planeten.
Reparieren und Wiederverwenden schont Ressourcen und damit unseren Planeten.  © unsplash.com

Solidarität

Solidarität - ein Begriff, der 2020 eine Renaissance erlebte. Wir alle sitzen im selben Boot und müssen durch diese Krise.

Ein Umstand, der viele Menschen wieder enger zusammenbringt. Familie und Freunde unterstützen sich gegenseitig, Nachbarschaftshilfen gibt es mittlerweile an jeder Ecke und Hilfsbedürftige können über Facebook-Gruppen mit freiwilligen Helfern zusammengebracht werden.

Es wurde deutlich, welche Berufsgruppen tatsächlich systemrelevant sind und wie wichtig es ist, lokale Unternehmen zu unterstützen. Trotz Social Distancing sind wir alle ein bisschen mehr zusammengerückt.

Corona ist der Beweis dafür, dass wir unser Verhalten in kürzester Zeit verändern können.

Auch in der Politik zeigte sich, dass schnell und umfassend reagiert werden kann, wenn eine Krise ernst genommen wird.

Diese Reaktionsfähigkeit brauchen wir auch im Umgang mit der Klimakrise und unserer Umwelt. Nur so können wir diese temporären Verbesserungen langfristig halten.

Über die Autorin

TAG24-Kolumnistin Gina Gadis.
TAG24-Kolumnistin Gina Gadis.  © Gina Gadis

Gina Gadis (25) wurde in Dresden geboren und studierte in Freiberg Wirtschaftsingenieurwesen. Zwischen ihrem Bachelor und dem Master ging sie auf Reisen.

Knapp zwei Jahre bereiste Gina die Welt, zehn Monate davon war sie in Asien unterwegs.

Hier kam es zu der Initialzündung. Denn vielerorts in Asien sind die Menschen nicht mehr Herr über die Vermüllung ihrer Orte.

Gina sammelte schon auf ihrer Reise Müll ein, öffentlichkeitswirksam begeisterte sie auch immer mehr Menschen in ihrer Heimat für das Thema.

Als sie zurück nach Deutschland kam (aktuell Masterstudentin in Darmstadt), verfolgte sie weiter die Müll-Thematik. Sie schreibt nun unter anderem diese Kolumne für TAG24.

Titelfoto: Bild-Montage: Nasa/Gina Gadis

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