Soja: Das wusstest Du noch nicht über die Wunderbohne

Frankfurt am Main - "Soja - das ist doch irgendeine Pflanze aus Asien, die mittlerweile immer öfter in Lebensmitteln beziehungsweise diesen Vegetarier- und Veganer-Produkten vorkommt, oder?“

Die aus Asien stammende Nutzpflanze sieht unseren Buschbohnen ganz ähnlich.
Die aus Asien stammende Nutzpflanze sieht unseren Buschbohnen ganz ähnlich.  © pixabay.com

Für viele ist die Sojabohne ein Mysterium und wird nur mit Sojasoße und Sojamilch in Verbindung gesetzt. Dabei handelt es sich um eine der meistgehandelten Nutzpflanzen weltweit. Doch wofür wird denn all dieses Soja verwendet?

Die Sojabohne sieht ähnlich aus wie die hierzulande üblichen Buschbohnen. Wer zum Sushi Edamame bestellt, bekommt nichts anderes als gekochte Sojabohnen.

Die Bohne gehört zu den Hülsenfrüchten und ist eine der wichtigsten Ölpflanzen der Welt. Außerdem kann mit keiner anderen landwirtschaftlichen Kultur so viel Eiweiß pro Flächenertrag erzielt werden. In Asien wird Soja schon seit Tausenden von Jahren genutzt. Im vergangenen Jahrhundert gewann die Pflanze dann weltweit an Popularität.

Auf über 125 Millionen Hektar wird Soja angepflanzt, eine Fläche mehr als dreimal so groß wie Deutschland.

Obwohl die Pflanze ursprünglich aus asiatischen Ländern wie China kommt, werden die größten Mengen mittlerweile in den USA und Brasilien produziert. Von dort aus wird die Sojabohne in alle Welt exportiert. Neben Mais und Weizen gehört die Sojabohne zu den meistgehandelten Nutzpflanzen.

Vielfältiger Einsatz als Nahrungsmittel dank vieler guter Eigenschaften

Auch Tofu ist nichts weiter als gestockte Sojamilch.
Auch Tofu ist nichts weiter als gestockte Sojamilch.  © Gina Gadis

Sie wird nämlich weitaus vielfältiger eingesetzt als nur zur Herstellung von Sojamilch und Sojasoße. Der hohe Ölgehalt ermöglicht es, aus der Bohne Öl für die Lebensmittelindustrie, Kosmetika und auch Biokraftstoffe zu gewinnen.

Vor allem für Nahrungsmittel ist der Einsatz vielfältig aufgrund der vielen guten Eigenschaften der Sojabohne. Kaum eine andere Pflanze enthält so viel Eiweiß, dessen Qualität vergleichbar mit tierischem Eiweiß ist. Zudem ist Soja kalorienarm sowie gluten-, lactose- und cholesterinfrei.

Folglich wird die Bohne häufig als Ersatz für tierische Produkte genutzt. So können beispielsweise Milch, Joghurt, Sahne oder auch Quark aus Soja hergestellt werden. Sojamehl kann verwendet werden, um das Ei in Brot oder Backwaren zu ersetzen.

Selbst Fleisch lässt sich durch Soja ersetzen. Aus sogenanntem Sojagranulat oder -schnetzel lassen sich durch entsprechende Würzung vegetarische Bolognesen, Gulasch oder Chili sin Carne zaubern.

Viele asiatische Produkte basieren zudem auf Soja, wie zum Beispiel Tempeh, Sojasauce oder Misopasten. Auch Tofu ist nichts weiter als gestockte Sojamilch. Die hierzulande beliebte Margarine wird häufig aus Soja hergestellt. Im Übrigen werden Sojasprossen fälschlicherweise als solche bezeichnet, dabei handelt es sich eigentlich um Sprossen der Mungobohne.

Wegen steigender Nachfrage werden riesige Regenwaldflächen gerodet

Um Soja hauptsächlich für Tierfutter anzupflanzen werden riesige Regenwaldflächen gerodet.
Um Soja hauptsächlich für Tierfutter anzupflanzen werden riesige Regenwaldflächen gerodet.  © pixabay.com

Trotz dieser vielfältigen Einsatzmöglichkeiten in der Lebensmittelindustrie werden nur zehn Prozent der weltweiten Ernte dafür verwendet. Doch was passiert mit dem restlichen Soja?

Über 80 Prozent der weltweiten Sojaernte werden zu Schrot verarbeitet und dienen als Tierfutter. Das Sojamehl wird an Schweine, Rinder, Geflügel und Fische verfüttert, um Tierprodukte für unseren Verzehr herzustellen.

Die Nachfrage nach Sojamehl für Tierfutter wird zunehmend größer. Um dieser nachzukommen, werden jedes Jahr riesige Regenwaldflächen in Südamerika gerodet. Zudem wird die Pflanze in Monokulturen angepflanzt.

Die damit einhergehende Krankheits- und Unkraut-Gefahr wird mit Pestiziden bekämpft, die die Boden- und Wasserqualität zunehmend verschlechtern. Auf solche synthetischen Pestizide wird nur bei Bioprodukten verzichtet.

In den USA und Südamerika wird das Soja zudem meistens gentechnisch modifiziert, um die Pflanze resistenter zu machen und einen höheren Ertrag zu erzielen. Aus diesen Gründen steht Soja immer wieder in der Kritik.

Soja ist eine wunderbare Pflanze, die viele wichtige Nährstoffe liefert

Edamame sind zubereitete Sojabohnen.
Edamame sind zubereitete Sojabohnen.  © pixabay.com

Sojapflanzen, die in Deutschland und Europa angepflanzt werden, dürfen gentechnisch nicht verändert werden. Die hierzulande erhältlichen Sojaprodukte im Supermarkt werden glücklicherweise größtenteils aus europäischem Soja hergestellt.

Jedoch ist die Tierproduktion in Europa abhängig von den Futtermittellieferungen aus Amerika. Somit nehmen auch wir indirekt genetisch verändertes Soja zu uns, wenn wir tierische Produkte konsumieren. Lediglich auf Biohöfen dürfen die Tiere nicht mit modifizierten Soja gefüttert werden.

Wer also Pestizide und Genmodifizierungen umgehen will, sollte unbedingt auf die Biosiegel achten. Außerdem fördert man somit den nachhaltigen Anbau von Soja.

Soja ist eine wunderbare Pflanze, die viele wichtige Nährstoffe liefert. Durch die Anbauweise vor allem in Amerika steht die Bohne jedoch immer wieder in der Kritik.

Die Wenigsten sind sich dessen bewusst, dass der Großteil der Sojaernte an Tiere verfüttert wird, damit deren Produkte auf unseren Tellern landen können.

Wir alle sollten uns mal vorstellen, welche Konsequenzen es für unsere Ressourcen und die Umwelt haben würde, wenn der Mensch diese riesigen Mengen Soja direkt verzehren würde.

Über die Autorin

TAG24-Kolumnistin Gina Gadis.
TAG24-Kolumnistin Gina Gadis.  © Gina Gadis

Gina Gadis (25) wurde in Dresden geboren und studierte in Freiberg Wirtschaftsingenieurwesen. Zwischen ihrem Bachelor und dem Master ging sie auf Reisen.

Knapp zwei Jahre bereiste Gina die Welt, zehn Monate davon war sie in Asien unterwegs.

Hier kam es zu der Initialzündung. Denn vielerorts in Asien sind die Menschen nicht mehr Herr über die Vermüllung ihrer Orte.

Gina sammelte schon auf ihrer Reise Müll ein, öffentlichkeitswirksam begeisterte sie auch immer mehr Menschen in ihrer Heimat für das Thema.

Als sie zurück nach Deutschland kam (aktuell Masterstudentin in Darmstadt), verfolgte sie weiter die Müll-Thematik. Sie schreibt nun unter anderem diese Kolumne für TAG24.

Titelfoto: Bild-Montage: Gina Gadis/pixabay.com

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