46 Grad! 44 Menschen sterben in einer Gefängniszelle

N'Djamena - Eine Gruppe von 44 Gefangenen fand Mitte April einen grausamen Tod. Wie Untersuchungen belegen, starben sie durch Überhitzung. In der Zelle waren es 46 Grad Celsius gewesen.

Hände eines Gefangenen hängen aus einer Zelle. (Symbolbild)
Hände eines Gefangenen hängen aus einer Zelle. (Symbolbild)  © 123RF/sakhorn38

Die Toten wurden bereits am Morgen des 15. April in einer Zelle eines Gefängnisses in der Hauptstadt N'Djamena der zentralafrikanischen Republik Tschad entdeckt. Doch erst jetzt wurde die Todesursache bekannt. 

Wie BBC News berichtete, hatte die Staatsanwaltschaft zunächst angedeutet, dass es sich bei der Gruppe um mutmaßliche Boko-Haram-Kämpfer handelte. Diese hatten angeblich Gift genommen, um sich zu töten.

Doch laut Aussagen der Nationalen Menschenrechtskommission handelte es sich bei den Inhaftierten um Zivilisten. Die Zelle soll komplett überfüllt und viel zu heiß gewesen sein. Zudem sollen die Menschen unter Durst und Hunger gelitten haben.

Der tschadische Justizminister Djimet Arabi sagte, dass er den Bericht der Kommission zur Kenntnis genommen habe. Er habe eine Untersuchung eingeleitet, um festzustellen, wer für die Todesfälle verantwortlich sei.

Bei ihrer vorangegangenen Erklärung gaben die Staatsanwälte bekannt, dass die Verstorbenen zu einer Gruppe von 58 Verdächtigen gehörten, die während einer großen Militäroperation der Armee gegen die islamistischen Militanten Boko Haram am Tschadsee gefangen genommen worden waren.

40 der Gefangenen wurden begraben, vier zu einem Pathologen gebracht, der die Giftspuren angeblich festgestellt hatte. Der Justizminister Arabi deutete an, dass er einen kollektiven Selbstmord für wahrscheinlich halte.

Die unabhängige Kommission widerspricht den Staatsanwälten

Fischer auf dem Tschadsee. Am 23. März wurden 98 tschadische Soldaten auf ihrem Stützpunkt am Ufer des Sees von Boko-Haram-Kämpfern getötet.
Fischer auf dem Tschadsee. Am 23. März wurden 98 tschadische Soldaten auf ihrem Stützpunkt am Ufer des Sees von Boko-Haram-Kämpfern getötet.  © Kristin Palitza/dpa

Derweil erzählt die unabhängige Kommission eine ganz andere Geschichte. Sie sagt, dass es keine Militärs waren, die verhaftet wurden und behauptet stattdessen, dass es sich um Bauern und Dorfbewohner handelte, die willkürlich verhaftet wurden.

Die Kommission wies darauf hin, dass die große Militäroperation gegen Boko Haram zwischen dem 23. März und 8. April stattfand. Die Verdächtigen wurden erst nach dieser Operation festgenommen.

Von den inhaftierten 58 Personen überlebten 14 Menschen, die von unglaublichen Zuständen berichteten. Sie hatten nur ein paar Datteln zu essen bekommen, die bei weitem nicht für die gesamte Gruppe ausreichten. Einige fingen aufgrund der vorherrschenden Hitze von rund 46 Grad Celsius an, zu Boden zu fallen.

Doch die Wachen ignorierten die Hilferufe stundenlang. Selbst, als in der Nacht immer mehr Rufe um Hilfe und Gebete laut wurden, kümmerte sich niemand um die Gefangenen. Am Morgen waren schließlich 44 der 58 Menschen verstorben. 

Titelfoto: 123RF/sakhorn38

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