Amazonas-Feuer: Brasilien leidet unter der schlimmsten Dürre seit fast 50 Jahren

Rio de Janeiro - Seit mehr als einem Jahr brennen die brasilianischen Regenwälder lichterloh, ein Ende der Katastrophe ist noch immer nicht in Sicht. Doch das Feuer ist nicht das einzige Problem, mit dem Brasilien zu kämpfen hat.

Brasilien, Novo Progresso: Rauch steigt während eines Brandes im Amazonas-Gebiet auf.
Brasilien, Novo Progresso: Rauch steigt während eines Brandes im Amazonas-Gebiet auf.  © Andre Penner/AP/dpa

Eine Rußwolke zieht in Richtung São Paulo, während das umliegende Pantanal-Feuchtgebiet zu fast einem Fünftel zerstört ist.

Es ist nur eine von vielen Szenen, angesichts derer die brasilianische Gesellschaft derzeit den Atem anhält. Menschen haben das Amazonas-Becken in Brand gesetzt, nun bekommen sie die unzähligen Feuer nicht mehr in den Griff.

Zu allem Überfluss bleibt vielerorts der dringend ersehnte Niederschlag aus. Die enorme Trockenheit bedroht die Landwirtschaft und begünstigt ein rasches Ausbreiten der Brände.

Laut Behörden, Feuerwehrleuten und Umweltschutzgruppen leidet Brasilien unter der schlimmsten Dürre seit fast 50 Jahren.

"Es ist ein trostloses Szenario", sagt Fernando Tortato, ein Wissenschaftler der gemeinnützigen Panthera-Gruppe, die eine nachhaltige Farm im Pantanal betreibt. Umherstreifende Jaguare machen das dortige Biom einzigartig, doch seit Juli wird es immer stärker in Mitleidenschaft gerissen.

Brände im Amazonas bedrohen die Lebensgrundlagen indigener Stämme

Brasilia: Jair Bolsonaro, Präsident von Brasilien, nimmt an der Amtseinführung von Minister Fux als neuem Vorsitzenden des Obersten Gerichtshofs (STF) teil.
Brasilia: Jair Bolsonaro, Präsident von Brasilien, nimmt an der Amtseinführung von Minister Fux als neuem Vorsitzenden des Obersten Gerichtshofs (STF) teil.  © Marcelo Camargo/Agencia Brazil/dpa

Die lokalen Behörden kündigten an, die Verantwortlichen zu fassen. Mehrere Viehzüchter wurden bereits untersucht, da sie im Verdacht stehen, die Feuer absichtlich gelegt zu haben. Ihr Bedarf nach neuem Weideland wird immer größer.

Wie der Guardian berichtet, gibt es mancherorts so viel Rauch, dass Polizeihubschrauber nicht fliegen können und Beamte daher mit dem Boot umherreisen, um in die unwirtlichen Regionen des Landes vorzudringen.

Brasiliens rechtskonservativer Präsident Jair Bolsonaro nimmt die Krise nach wie vor nicht ernst. Zum Teil schiebt er die Schuld an den Waldbränden den indigenen Bevölkerungsgruppen zu. Dabei sind diese selbst am meisten bedroht: Die Flammen bedrohen die natürlichen Nahrungsquellen der einheimischen Stämme.

"Wir sind Teil dieser Natur, wir leben Tag für Tag mit ihr und alles ist bald am Boden zerstört", sagt Stammesführerin Alessandra Guató. Ihr Stamm lebt nicht zuletzt davon, Fisch an lokale Hotels zu verkaufen, doch auch die Fischvorkommen gehen immer weiter zurück.

Ob und wann Brasilien aus dem derzeitigen Teufelskreislauf herauskommen wird, ist unklar. Laut Klima-Wissenschaftler Carlos Nobre ist aktuell kein Ende der Umweltkrise in Sicht. Seine düstere Prognose: "Wir sollten in Zukunft mit weiteren Dürren rechnen".

Titelfoto: Andre Penner/AP/dpa

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