Gewaltige Explosion in Beirut: Über 135 Tote, 5000 Verletzte - darunter Deutsche

Beirut (Libanon) - Blutende Menschen irren durch Schutt und Staub, nachdem Beirut von einer riesigen Explosion erschüttert wurde (TAG24 berichtete). Auslöser dafür könnte eine sehr große Ladung Ammoniumnitrat sein.

Die Bildkombo zeigt die Docks des Hafens in Beirut vor und nach der gewaltigen Explosion in der libanesischen Hauptstadt.
Die Bildkombo zeigt die Docks des Hafens in Beirut vor und nach der gewaltigen Explosion in der libanesischen Hauptstadt.  © Copyright (c)cnes 2020, Distribu/PA Media/dpa

Nach der gewaltigen Detonation in Beirut mit mehr als 135 Toten und 5000 Verletzten beginnt im Libanon die Suche nach möglichen Ursachen. 

Ausgelöst haben könnte die schwere Explosion eine sehr große Menge Ammoniumnitrat: Schätzungsweise 2750 Tonnen der gefährlichen Substanz seien jahrelang ohne Sicherheitsvorkehrungen im Hafen von Beirut gelagert worden, sagte Ministerpräsident Hassan Diab dem Präsidialamt zufolge. Hinweise auf einen Anschlag oder einen politischen Hintergrund gab es am Dienstag nicht.

Die Explosion stürzte die libanesische Hauptstadt, deren Bevölkerung derzeit schon unter einer schweren politischen und wirtschaftlichen Krise leidet, in noch tieferes Chaos. 

Durch die Erschütterung zerbarsten Fenster, Trümmerteile schlugen Löcher in Wände. Blutende Menschen wanderten durch Schutt und Staub, einige Straßen waren voller Glasscherben. Große Teile des Hafens wurden vollständig zerstört. 

Beirut, in dessen Großraum schätzungsweise bis zu 2,4 Millionen Menschen leben, wurde zur "Katastrophen-Stadt" erklärt.

Update, 5. August, 18.25 Uhr: Opferzahl steigt - 135 Tote, 5000 Verletzte

Die Zahl der Opfer nach der verheerenden Explosion in Beirut steigt immer weiter. Dabei seien in der libanesischen Hauptstadt mindestens 135 Menschen getötet und weitere 5000 verletzt worden, sagte Gesundheitsminister Hassan Hamad laut einem Bericht des Fernsehsenders MTV am Mittwoch. Zuvor war nach offiziellen Angaben von mindestens 113 Toten und etwa 4000 Verletzten die Rede.

Update, 5. August, 18.20 Uhr: Mindestens acht Deutsche bei der Explosion verletzt

Bei dem Unglück sind auch acht Deutsche verletzt worden. Das geht aus einem internen Lagebericht des Technischen Hilfswerks (THW) vom Mittwoch hervor. Einsatzkräfte des THW sollten am Abend zur Unterstützung der Deutschen Botschaft nach Beirut fliegen. Das Botschaftsgebäude war durch die Detonation beschädigt worden.

Zahlreiche Staaten bieten Hilfe an

Krankenwagen sind nach einer Explosion im Einsatz.
Krankenwagen sind nach einer Explosion im Einsatz.  © dpa/AP/Hassan Ammar

Regierungen anderer Länder zeigten sich betroffen und stellten rasche Unterstützung in Aussicht. Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich "erschüttert", wie die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer die Kanzlerin zitierte. 

Deutschland stehe dem Libanon in der "schweren Stunde zur Seite", twitterte Außenminister Heiko Maas. Auch Mitarbeiter der Deutschen Botschaft seien unter den Verletzten.

Auch die Europäische Union und Frankreich - frühere Mandatsmacht des Libanon - stellten Hilfen in Aussicht. UN-Generalsekretär António Guterres reagierte bestürzt und drückte den Familien der Opfer sein "tiefstes Beileid" aus. 

US-Präsident Donald Trump schien den Vorfall als Anschlag einzustufen: Seine "Generäle" gingen von einer Art Bombe aus, sagte Trump im Weißen Haus. 

Die Explosion deute nicht auf einen Unfall hin, sagte Trump unter Berufung auf seine Militärberater.

Selbst Israel, das mit dem benachbarten Libanon keine diplomatischen Beziehungen pflegt, bot über ausländische Kanäle "medizinische humanitäre Hilfe" an. Offiziell befinden sich beide Länder noch im Krieg. 

Spekulationen, dass Israel hinter der Explosion stecken könnte, räumte Außenminister Gabi Aschkenasi aus.

Libanesisches Kabinett sucht nach Ursache für riesige Explosion

Michel Aoun (M), Präsident des Libanons, leitet eine Dringlichkeitssitzung des Nationalen Verteidigungsrates nach einer massiven Explosion im Hafen von Beirut.
Michel Aoun (M), Präsident des Libanons, leitet eine Dringlichkeitssitzung des Nationalen Verteidigungsrates nach einer massiven Explosion im Hafen von Beirut.  © dpa/Dalati & Nohra/-

Bei dem Unglück hatte sich eine riesige Pilzwolke am Himmel gebildet. Eine Druckwelle breitete sich blitzschnell kreisförmig aus. Noch Kilometer weiter gab es Schäden. 

Beschädigt wurden der Regierungspalast, die finnische Botschaft und die Residenz von Ex-Ministerpräsident Saad Hariri. 

Am Suk Beirut, einer modernen Einkaufsgegend, zerbarsten Fensterscheiben. Auch ein Schiff der UN-Friedenstruppen im Libanon (Unifil) wurde beschädigt. Es seien Blauhelm-Marinesoldaten verletzt worden, teilte die Mission mit.

Präsident Michel Aoun rief für den heutigen Mittwoch eine Dringlichkeitssitzung des Kabinetts ein, um die Ursachen der Explosion zu klären. 

"Ich werde nicht ruhen, ehe ich den Verantwortlichen kenne und ihm die härteste Strafe gebe", sagte Aoun laut Zitaten des Präsidialamts bei Twitter. Regierungschef Diab erklärte den Mittwoch zum Tag landesweiter Trauer in Gedenken an die Opfer. 

Für die Stadt wurde ein zwei Wochen langer Notstand verhängt.

Was ist Ammoniumnitrat?

Blick über den Schauplatz der Explosion im Hafen.
Blick über den Schauplatz der Explosion im Hafen.  © Bilal Hussein/AP/dpa

Ammoniumnitrat, das auch zur Herstellung von Sprengsätzen dient, kann bei höheren Temperaturen detonieren. Die Substanz dient zum Raketenantrieb und vor allem zur Herstellung von Düngemittel. 

Die farblosen Kristalle befanden sich auch in dem Gefahrgutlager der chinesischen Hafenstadt Tianjin, wo 2015 nach einer Serie von Explosionen 173 Menschen getötet wurden. In Deutschland fällt die Handhabung von Ammoniumnitrat unter das Sprengstoffgesetz.

Der Stoff könnte von einem Frachtschiff stammen, dem libanesische Behörden laut Berichten im Jahr 2013 wegen verschiedener Mängel die Weiterfahrt untersagt hatten. 

Das Schiff war demnach von Georgien aus ins südafrikanische Mosambik unterwegs. Der Besatzung gingen dann Treibstoff und Proviant aus, der Inhaber gab das Schiff offenbar auf. Der Crew wurde nach einem juristischen Streit schließlich die Ausreise genehmigt. 

Das Schiff blieb zurück mit der gefährlichen Ladung, die in einem Lagerhaus untergebracht wurde.

Titelfoto: Bilal Hussein/AP/dpa

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