Klarheit nach Chempark-Explosion: Daher stammen die Abfälle!

Leverkusen – Nach der schweren Explosion in einer Leverkusener Sondermüllverbrennungsanlage hat NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (55, CDU) den Unglücksort besucht und Aufklärung gefordert.

Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (55, CDU) besuchte am Samstag den Unglücksort in Leverkusen und bekundete ihr Beileid.
Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (55, CDU) besuchte am Samstag den Unglücksort in Leverkusen und bekundete ihr Beileid.  © Roberto Pfeil/dpa

"Jetzt müssen vor allem die Ursachen genau aufgeklärt und aufgearbeitet werden. Schnellstmöglich sind alle erforderlichen Maßnahmen einzuleiten, damit sich künftig ein derartig schlimmes Unglück nicht wiederholt", erklärte die Politikerin am Samstag.

Nach der Detonation am Dienstagmorgen am Chempark - einem Gelände mit Chemie-Unternehmen - waren mindestens fünf Menschen gestorben, zwei gelten weiterhin als vermisst.

"Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen", sagte Heinen-Esser. "Zugleich gilt der Dank allen Einsatzkräften, die Tag und Nacht um das Leben der Kolleginnen und Kollegen gekämpft haben und noch kämpfen und eine weitere Ausweitung des Brandes verhindert haben."

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Die Ursache für das Unglück ist noch nicht bekannt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in dem Fall wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung und fahrlässiges Herbeiführen einer Explosion gegen Unbekannt.

Sie will herausfinden, ob menschliche Fehler zur Katastrophe führten.

Chempark-Explosion: Eigens eingerichtete "Task Force" analysiert Brandrückstände

Am Dienstagmorgen kam es zu einer Explosion mit anschließendem Großbrand in der Sondermüllverbrennungsanlage in Leverkusen.
Am Dienstagmorgen kam es zu einer Explosion mit anschließendem Großbrand in der Sondermüllverbrennungsanlage in Leverkusen.  © Oliver Berg/dpa

Nach der Explosion war es zudem zu einem Großbrand gekommen. Viele kleine Rußpartikel gingen über benachbarte Ortschaften nieder.

Das NRW-Landesumweltamt (LANUV) hat in diesen bislang keine Rückstände von Dioxin nachweisen können, von Polychlorierten Biphenylen (PCB) und Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) seien nur sehr geringe Werte gemessen worden.

Für Anwohner, die giftige Substanzen befürchtet hatten, bedeutete das eine erste Entwarnung. Allerdings soll es noch weitere Analysen geben.

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Nach Angaben des Umweltministeriums von Samstag wurde "für die Analytik der Brandrückstände" eigens eine "Task Force vereinbart".

Update, 17.30 Uhr: Abfälle kamen aus Agrar-Chemie-Produktion

In der Müllverbrennungsanlage auf dem Chempark-Gelände war es am Dienstag zu der großen Explosion gekommen.
In der Müllverbrennungsanlage auf dem Chempark-Gelände war es am Dienstag zu der großen Explosion gekommen.  © Oliver Berg/dpa

In dem Abfalltanklager der Explosion von Leverkusen haben sich nach Angaben der Kölner Bezirksregierung "flüssige Reststoffe aus der Produktion von Chemikalien für die Landwirtschaft" befunden. Das teilte die Behörde am Samstag mit.

Der Hauptbestandteil dieser Abfälle seien "phosphor- und schwefelhaltige Chemikalien". Noch sei aber die Frage offen, ob durch die Detonation möglicherweise gesundheitsgefährdende Stoffe freigesetzt worden seien. Es würden weitere Proben genommen.

Der genaue Inhalt der Tanks in der Sondermüllverbrennungsanlage war zuvor nicht öffentlich bekannt gewesen. Bei einer Pressekonferenz am Freitag hatte der Betreiber Currenta darauf verwiesen, es handle sich um einen Gegenstand in einem Ermittlungsverfahren. Das Unternehmen selbst wisse natürlich, was sich in den Tanks befunden habe.

Den Behörden seien diese Informationen "vollumfänglich" übergeben worden, hatte Currenta erklärt. Am Donnerstag und Freitag seien die Daten verschickt worden. Einsatzkräfte am unmittelbaren Explosionsort hätten allerdings schon direkt Informationen zu den Stoffen gehabt.

Nach der gewaltigen Detonation und einem anschließenden Brand war am Dienstagmorgen in Leverkusen eine riesige Rauchwolke aufgestiegen, in der Region gingen Rußpartikel nieder. Bei einer ersten Analyse stellte das Landesumweltamt (LANUV) nach eigenen Angaben keine Rückstände von Dioxin und dioxinähnlichen Stoffen fest.

Bei den Polychlorierten Biphenylen (PCB) und den Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) maßen die Experten nur sehr geringe Werte. Die Ergebnisse wurden als erste vorsichtige Entwarnung gewertet.

Zugleich kündigte das Amt an, mit dem Wissen über den genauen Inhalt der Tanks weitere Analysen anstellen zu wollen. Bis zu einer abschließenden Klärung sollen die Vorsichtsmaßnahmen für Anwohner aufrecht erhalten werden. Dazu zählt etwa, kein Obst und Gemüse aus dem Garten zu essen oder verunreinigte Flächen anzufassen.

Titelfoto: Oliver Berg/dpa

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