"Papa, sie schlagen mich jeden Tag": Teenager (16) zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt

Gomel - Ein Gericht in Gomel im Südosten von Belarus verurteilte am Montag einen Teenager (16) wegen "Teilnahme an Massenunruhen" und "Gewalt gegen die Polizei" zu fünf Jahren Gefängnis in einer Strafkolonie.

Ein Gericht verurteilte den Jugendlichen zu einer Gefängnisstrafe (Symbolbild).
Ein Gericht verurteilte den Jugendlichen zu einer Gefängnisstrafe (Symbolbild).  © 123rf.com/Tinnakorn Jorruang

Mikita Zalatarou wurde im Mitte August 2020 festgenommen und befand sich seitdem in Haft. Nach dem Urteil sollen sich dramatische Szenen im Gericht abgespielt haben.

Wie unter anderem "Radyjo Svaboda" berichtet, sei der 16-Jährige, der an Epilepsie leidet, hysterisch geworden, habe sich gegen den Käfig geworfen, in dem er während des Prozesses eingesperrt war, und rief "Lasst mich hier raus!".

Der Jugendliche wurde beschuldigt, einen Molotowcocktail auf einen Offizier geworfen zu haben, als er während eines Protests vor der Miliz floh. "Es gibt jedoch keine Polizei-Opfer bei diesem Vorfall und der Teenager selbst bestreitet die Vorwürfe", vermeldet der polnische TV-Sender in Belarus "Belsat TV".

Wie der Vater von Mikita in einem Interview mit "Belsat TV" sagte, seien die Uniformierten einen Tag nach den Protesten zum Haus der Familie gekommen. "Die Beamten überwältigten ihn und wollten ihn mitnehmen, ohne ihm Zeit zum Anziehen zu geben."

Die Polizisten hätten auch Mikitas Bruder Uladik (18) an diesem Tag mitgenommen.

In einem Hilferuf an seine Familie während der Untersuchungshaft soll Mikita geäußert haben: "Papa, sie schlagen mich jeden Tag." Am 29. Dezember sei es besonders schlimm gewesen: "Sie schlugen mir auf meinen Hinterkopf. Danach wurde mir schwindelig, und ich fiel in Ohnmacht."

In Mikitas Krankenakte gaben die Ärzte an, dass der Teenager wegen eines Epilepsie-Anfalls ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Die Schläge wurden mit nicht einem Wort erwähnt.

Auslöser der Proteste: Wahlbetrug

In Belarus dauern die Proteste nun schon seit mehr als einem halben Jahr an. Auslöser waren die Wahlen und deren offensichtliche Manipulation.

Die Menschen beschuldigen Präsident Alexander Lukaschenko (66), die Ergebnisse gefälscht zu haben, um im Amt zu bleiben. Zahlreiche Länder, einschließlich der EU, erkennen das Wahlergebnis nicht an.

Etliche Menschen, die auf die Straße gehen, um gegen das Lukaschenko-Regime zu protestieren, wurden bereits inhaftiert. Von Folter ist die Rede, außerdem seien mindestens neun Menschen gestorben.

Titelfoto: 123rf.com/Tinnakorn Jorruang

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