Molotow-Cocktails in Beirut, Tränengas gegen Demonstranten, Polizist stirbt

Beirut - Vier Tage nach der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut (TAG24 berichtete) haben Tausende Libanesen um die Opfer getrauert und gegen die politische Elite des Landes protestiert. Sie versammelten sich am Samstag auf dem Märtyrer-Platz im Zentrum der libanesischen Hauptstadt.

Ein Protestierender wirft Steine in Richtung der Sicherheitskräfte während eines Protests gegen die politischen Eliten und die Regierung nach der tödlichen Explosion im Hafen von Beirut.
Ein Protestierender wirft Steine in Richtung der Sicherheitskräfte während eines Protests gegen die politischen Eliten und die Regierung nach der tödlichen Explosion im Hafen von Beirut.  © Hassan Ammar/AP/dpa

Im libanesischen Sender MTV war zu sehen, wie Demonstranten versuchten, die Absperrungen zum Parlament zu durchbrechen. 

Sprechchöre waren zu hören, unter anderem "Revolution, Revolution". Eine MTV-Reporterin berichtete, Sicherheitskräfte hätten Tränengas eingesetzt.

Viele Menschen im Libanon machen die Regierung für die Explosion mit mehr als 150 Toten und rund 6000 Verletzten verantwortlich. "Der Aufstand und die Revolution gehen weiter", sagte einer der Demonstranten zu MTV. 

Präsident Michael Aoun, Regierungschef Hassan Diab und die gesamte politische Führungsspitze seien für die Katastrophe verantwortlich.

Aktivisten hatten in den sozialen Medien zu der Demonstration unter dem Motto "Gerechtigkeit für die Opfern, Rache an der Regierung" aufgerufen.

Bereits im vergangenen Oktober hatte es Massenproteste gegen die Regierung gegeben. Die Demonstranten fordern weitgehende politische Reformen. Sie werfen der politischen Elite Korruption vor.

Update, 8. August, 21.06 Uhr: Polizist bei Zusammenstößen in Beirut getötet

Bei Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten ist in der libanesischen Hauptstadt Beirut ein Polizist ums Leben gekommen. 

Er habe Menschen helfen wollen, die in einem Hotel im Zentrum Beiruts festgesessen hätten, meldete die staatliche Agentur NNA am Samstag unter Berufung auf die Sicherheitskräfte. Dabei hätten ihn "randalierende Mörder" angegriffen.

Ein Demonstrant in Beirut versucht während Zusammenstößen mit Bereitschaftspolizisten einen Tränengaskanister zu löschen.
Ein Demonstrant in Beirut versucht während Zusammenstößen mit Bereitschaftspolizisten einen Tränengaskanister zu löschen.  © Marwan Naamani/dpa

Update, 8. August, 19.12 Uhr: Libanons Premier will Kabinett vorgezogene Neuwahlen vorschlagen

Der libanesische Ministerpräsident Hassan Diab will seinem Kabinett nach der verheerenden Explosion in Beirut vorgezogene Neuwahlen vorschlagen. Ein entsprechendes Gesetz wolle er seinem Kabinett vorlegen, sagte Diab am Samstag in einer Fernsehansprache.

Update, 8. August, 19.05 Uhr: Verletzte bei Protesten, viel Solidarität

Molotow-Cocktails werden auf Polizisten geworfen.
Molotow-Cocktails werden auf Polizisten geworfen.  © Hassan Ammar/AP/dpa

Am Rande der Demonstration kam es zu Zusammenstößen mit Sicherheitskräften. Nach Angaben des Roten Kreuzes wurden 130 Menschen verletzt.

Viele Libanesen machen die politische Führung des kleinen Landes am Mittelmeer für die schwere Explosion verantwortlich. Die Zahl der Toten stieg auf 158, wie das Gesundheitsministerium am Samstag mitteilte. Die Zahl der Verletzten kletterte demnach auf rund 6000.

Die Wut ist auch deswegen so groß, weil offenbar über Jahre große Mengen der hochexplosiven Chemikalie Ammoniumnitrat ohne Sicherheitsvorkehrungen im Hafen lagerten. Dies soll die gewaltige Explosion verursacht haben. Warnungen wurden Berichten zufolge in den Wind geschlagen. Am Freitagabend ordnete ein Richter die Festnahme von drei leitenden Hafen-Mitarbeitern an, darunter den Direktor und den Chef des Zolls.

Bei den Aufräumarbeiten nach der Explosionskatastrophe fühlen sich viele Libanesen von der Regierung im Stich gelassen. Gleichzeitig zeigen sie untereinander große Solidarität. In den stark zerstörten Vierteln rund um den Hafen waren auch am Samstag Dutzende freiwillige Helfer im Einsatz.

Im Hafen gingen die Bergungsarbeiten weiter. Rettungshelfer bargen 25 Leichen aus den Trümmern. Einem Sprecher des Gesundheitsministeriums zufolge werden noch immer rund 45 Menschen vermisst, überwiegend Hafenarbeiter.

Am Hafen und den umliegenden Vierteln bringen Freiwillige derweil Essen und Getränke. Besonders schlimm erwischt hat es das Viertel Mar Michail, bekannt für seine guten Restaurants, Bars und Galerien. Jetzt sieht es hier aus, als wäre ein Hurrikan hindurchgefegt. Scherben bedecken die Straßen, Stromleitungen hängen herunter, zerstörte Möbel stehen herum. Viele der alten, traditionellen Häuser sind stark zerstört.

Update, 8. August, 18.02 Uhr: Mindestens 130 Verletzte bei Zusammenstößen in Beirut

Bei Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten sind in der libanesischen Hauptstadt Beirut mindestens 130 Menschen verletzt worden. 28 von ihnen seien in umliegende Krankenhäuser gebracht, 102 vor Ort behandelt worden, teilte das libanesische Rote Kreuz am Samstag über Twitter mit.

Einigen Demonstranten gelang es, in das libanesische Außenministerium einzudringen, wie der Fernsehsender MTV berichtete. Auf Bildern des Senders war zu sehen, wie sie ein Bild von Präsident Michel Aoun zertrümmern. Die Aktivisten hängten ein großes Plakat mit dem Slogan "Beirut ist die Hauptstadt der Revolution" auf.

Soldaten der libanesischen Marine fährt an einem Wrack eines Schiffes im Hafen vorbei, an dem sich am 4. August eine schwere Explosion ereignete.
Soldaten der libanesischen Marine fährt an einem Wrack eines Schiffes im Hafen vorbei, an dem sich am 4. August eine schwere Explosion ereignete.  © Marwan Naamani/dpa

Update, 8. August, 17.50 Uhr: 300.000 Menschen durch Explosion ohne Wohnung

"Die Lage vor Ort ist katastrophal", sagte DRK-Generalsekretär Christian Reuter. "Bis zu 300.000 Menschen haben durch die Explosion ihre Wohnungen verloren. Deshalb wird dieser Hilfstransport sicherlich nicht der letzte sein." 

Reuter verwies darauf, dass das Auswärtige Amt das DRK mit 1,5 Millionen Euro unterstütze. Der Bedarf an internationaler Hilfe für die Menschen im Libanon bleibe auf Monate hinaus sehr groß. Daher rufe das DRK zu Spenden auf.

Nach der Explosionskatastrophe von Beirut hat das Deutsche Rote Kreuz 43 Tonnen Hilfsgüter in die libanesische Hauptstadt geflogen. Ein Airbus mit der Fracht hob am Samstag auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld ab und sollte in der Nacht in Beirut landen.

Nach Angaben des DRK umfasst die Hilfslieferung Verbandsmaterialien, Decken, Erste-Hilfe-Sets und Werkzeuge für den Bau von Notunterkünften. Auch Küchenutensilien, Eimer, Hygienepakete sowie medizinische Güter und Covid-19-Schutzausstattung wie Masken und Schutzanzüge gehören dazu.

Titelfoto: Hassan Ammar/AP/dpa

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