100 bis 300 Prozent: Wucher-Aufschlag für Adventskalender!

Leipzig - Karpfen blau? Gans, Hase, Wild? Oder doch Kartoffelsalat mit Wiener? Jeder von uns hat einen anderen Brauch, was Weihnachten auf dem Teller landet. Welche Unterschiede es gibt, welche Ostmarken sich am Ende jedes Jahres neben der starken westdeutschen Konkurrenz etablieren, wie krass Firmen mit Adventskalendern kassieren und noch vieles mehr, hat die MDR-Sendung "Umschau extra: So isst und trinkt der Osten" aufgeklärt.

ADVENTSKALENDER

Knapp 300 Prozent mehr kostet der Haribo-Adventskalender im Vergleich zum Inhalt der herkömmlichen Verpackungen.
Knapp 300 Prozent mehr kostet der Haribo-Adventskalender im Vergleich zum Inhalt der herkömmlichen Verpackungen.  © ARD-Mediathek/So isst und trinkt der Osten

Jahr für Jahr erscheinen neue Adventskalender auf dem Markt. Größere, kleinere und mittlerweile nicht mehr nur mit süßen Leckereien gefüllte Produkte stehen in den Regalen, um von uns Kunden in den Einkaufswagen gepackt zu werden.

Dass die enthaltenen Produkte nicht so viel wert sind, wie der Kalender kostet, ist jedem bewusst. Aber wie viel schlagen die großen Firmen drauf? Eine ganze Menge!

In der MDR-Sendung wurde der Lindor-Kalender unter die Lupe genommen. 18,99 Euro kostet er, den Inhalt gibt es in den normalen Verpackungen aber für nur 8,52 Euro. Macht einen Aufschlag von ordentlichen 123 Prozent!

Doch es kommt noch krasser!

Bei Merci (9,99 Euro) werden 127 Prozent draufgeschlagen, die Produkte gibt es nämlich schon für 4,39 Euro. Das liege am händischen Befüllen der Adventskalender, bekräftigt das Unternehmen August Storck.

Kritik von der Verbraucherzentrale

Dr. Birgit Brendel von der Verbraucherzentrale Sachsen kritisiert den Verpackungsmüll, den die Adventskalender verursachen.
Dr. Birgit Brendel von der Verbraucherzentrale Sachsen kritisiert den Verpackungsmüll, den die Adventskalender verursachen.  © ARD-Mediathek/So isst und trinkt der Osten

Bei Haribo wird es ganz verrückt. Den Kalender gibt's für 6,37 Euro im Handel. Hinter den 24 Türchen verstecken sich Süßigkeiten, die einen normalen Verkaufswert von nur 1,62 Euro haben - ein Plus von satten 293 Prozent!

Kritik an den vielen Adventskalendern kommt von der Verbraucherzentrale Sachsen. Dr. Birgit Brendel sagt: "Betrachtet man den Verpackungsaufwand, sind Adventskalender natürlich sehr umweltunfreundlich." Denn die Kalender sind meist in Folie verpackt, bestehen außen aus Pappe, hinter den Türchen sind meist Plastikeinkerbungen und die einzelnen Teile sind oft nochmals verpackt.

Aber es gibt auch positive Beispiele! MyMuesli verkauft einen Kalender mit Inhalten im Wert von knapp 68 Euro, verlangt aber nur knapp 50 Euro.

Und Schmink-Riese Maybelline will 39,95 Euro für seinen Adventskalender, dessen Inhalte im Handel knapp 92 Euro teuer sind.

SEKT

Nicht nur im Osten beliebt: Rotkäppchen-Sekt hat in Deutschland einen Marktanteil von 52 Prozent.
Nicht nur im Osten beliebt: Rotkäppchen-Sekt hat in Deutschland einen Marktanteil von 52 Prozent.  © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/ZB

Wahrscheinlich 99,999 Prozent unter Euch kennen die beliebteste deutsche Sektsorte: Rotkäppchen! Und die wird in Sachsen-Anhalt hergestellt, genauer gesagt in Freyburg/Unstrut nahe Naumburg und Weißenfels.

Rotkäppchen genießt in Gesamtdeutschland einen Marktanteil von 52 Prozent. Und wir erwarten natürlich, dass der Sekt aus jeder Flasche immer gleich schmeckt. Doch das ist gar nicht so einfach, wie Standortmarketingleiterin Ilona Kaiser weiß. "Die Kunst ist, die unterschiedlichen Weine so zu vermählen, um am Ende wieder dieses gleiche Geschmacksbild zu erreichen."

Vor 160 Jahren reichten die Erträge der hiesigen Weinberge an Saale und Unstrut für den Schaumwein. Mittlerweile werden aber Weine aus ganz Europa importiert und in Freyburg verarbeitet.

BACKEN

Kathi-Plätzchen gegen die Konkurrenz von Dr. Oetker.
Kathi-Plätzchen gegen die Konkurrenz von Dr. Oetker.  © ARD-Mediathek/So isst und trinkt der Osten

Na, wie backt Ihr? Die ganz Fleißigen nehmen sich die Zeit, ganz ohne Backmischung leckere Plätzchen herzustellen. Die weniger Talentierten nutzen dann doch lieber fertige Mischungen aus dem Supermarkt.

Und hier ist in den neuen Bundesländern besonders ein Hersteller beliebt: Kathi! Das Unternehmen mit Sitz in Halle (Saale) verdrängt in Ostdeutschland sogar den großen Branchenführer Dr. Oetker.

PFEFFERKUCHEN

Peter Kotzsch von der Pfefferküchlerei Löschner in Pulsnitz.
Peter Kotzsch von der Pfefferküchlerei Löschner in Pulsnitz.  © Petra Hornig

Pfefferkuchen darf es nur in Pulsnitz heißen. In einer Handwerksgemeinschaft aus mehreren Küchlereien werden die leckeren Konkurrenten zu den Lebkuchen aus Aachen oder Nürnberg hergestellt.

Ausgebildet als Pfefferküchler werden kann man übrigens seit der Wende nicht mehr. Aber es kann eine Bäckerlehre mit der Spezialisierung auf Pfefferkuchen gemacht werden - allerdings nur in Pulsnitz.

Welche Gewürze den Pfefferkuchen vom Lebkuchen unterschieden? "Ein Familienrezept", sagt Peter Kotzsch von der Pfefferküchlerei Löschner und lässt sich nicht in die Karten schauen.

TAG24 wünscht Euch ein frohes und vor allem leckeres Weihnachtsfest!

Titelfoto: Bildmontage: ARD-Mediathek/So isst und trinkt der Osten

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