Über unseren Köpfen wird Weltraumschrott langsam zum Problem

Bremen - Der Weltraumschrott bereitet Satellitenbauern und Raumfahrtunternehmen zunehmend Kopfzerbrechen.

Im Film "Time to Act" zeigt die ESA was passiert, wenn ein Satellit mit Weltraumschrott kollidiert.
Im Film "Time to Act" zeigt die ESA was passiert, wenn ein Satellit mit Weltraumschrott kollidiert.  © ESA/ONiRiXEL/dpa

"Das ist ein Problem", sagt der Vorstandsvorsitzende des Raumfahrtkonzerns OHB, Marco Fuchs (59). Notwendig seien verbindliche Regeln, dass Satelliten nach ihrem Lebensende wieder weggeräumt werden müssten und keine Gefahr darstellen dürften.

"Die Grundregeln gibt es schon, aber es ist eine Frage der Sanktionen und Überwachung", sagt Fuchs, der auch Vizepräsident des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) ist, der Deutschen Presse-Agentur.

Es müsse zudem verhindert werden, dass "boshaft" Weltraumschrott produziert werde. "Wir hatten jetzt den Fall eines absichtlichen Abschusses durch Russland. Das ist natürlich katastrophal, wenn man ganze Weltraumgegenden verpestet mit Schrott, um zu zeigen, dass man Satelliten abschießen kann. Da muss es Sanktionen geben."

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Russland hatte kürzlich einen ausgedienten Spionagesatelliten mit einer speziellen Rakete abgeschossen.

Kleine Satelliten verglühen meistens

Für Marco Fuchs (59), Vorstandsvorsitzender des Raumfahrtkonzerns OHB, ist Weltraumschrott ein Problem.
Für Marco Fuchs (59), Vorstandsvorsitzender des Raumfahrtkonzerns OHB, ist Weltraumschrott ein Problem.  © Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Der Chef der Raumfahrtbehörde Roskosmos, Dmitri Rogosin (58), schloss weitere Tests nicht grundsätzlich aus. Auf die Frage der New York Times, ob Russland weitere Satelliten abschießen werde, sagte er: "Eher nein als ja." Die Überreste des Satelliten stellten keine Gefahr für die ISS dar.

Weltraumschrott sei eine globale Herausforderung, bei der alle inzwischen rund 100 nationale Weltraumagenturen dafür Sorge tragen müssten, dass die Regeln eingehalten würden, betonte Fuchs weiter.

In Europa und auch in den USA funktioniere das. Dort würden etwa die Nasa oder in Deutschland das Deutsche Zentrum für Luft-und Raumfahrt (DLR) exakt darüber wachen, dass neue Satelliten später nicht zu Weltraumschrott würden.

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Bei kleinen Satelliten werde das etwa durch das Gesamtdesign gewährleistet, dass sie am Ende ihres planbaren Lebenszyklus gezielt wieder in die Erdatmosphäre einträten und verglühten.

Millionen Teilchen fliegen umher

Bei OHB in Bremen wurden unter anderem Galileo-Satelliten gebaut. (Archivbild)
Bei OHB in Bremen wurden unter anderem Galileo-Satelliten gebaut. (Archivbild)  © Ingo Wagner/dpa

Wissenschaftler schätzen anhand von Modellrechnungen, dass sich in der Erdumlaufbahn insgesamt etwa eine Million Teile, die größer als ein Zentimeter sind, befinden und 330 Millionen Teilchen, die größer als ein Millimeter sind.

Richtlinien zur Vermeidung von Weltraumschrott gibt es laut DLR schon seit vielen Jahren. Diese sähen unter anderem vor, dass Satelliten nach spätestens 25 Jahren wieder absinken, verglühen und damit verschwinden.

"Das sind allgemeine, auch weltweit anerkannte Richtlinien", betont der Astrophysiker Manuel Metz vom DLR. Aber es seien eben "nur" Richtlinien. Notwendig seien aber verbindliche Verträge und nationale Weltraumgesetze.

Die Verringerung und Vermeidung von Weltraumschrott liege im Eigeninteresse der Satellitenbauer und Raumfahrtunternehmen, um einen möglichst reibungslosen und störungsfreien Betrieb im All zu ermöglichen. Eine besondere Gefahr sei der sogenannte Kaskadeneffekt.

Dabei kollidierten große, teils mehrere Meter messende Schrottteile mit anderen Objekten, wobei wiederum Tausende kleinere Schrottteile entstünden. Deshalb müssen man zuerst die größeren Objekte beseitigen.

Titelfoto: ESA/ONiRiXEL/dpa

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