ISS-Astronauten in Gefahr: Russlands "rücksichtsloser" Raketentest sorgt für Ärger

Washington/Moskau - Gefahr im Weltraum: Die US-Regierung wirft Russland vor, die Sicherheit von Astronauten auf der Internationalen Raumstation ISS durch den Test einer Anti-Satelliten-Rakete gefährdet zu haben.

Laut Nasa-Chef Bill Nelson war Russlands Raketen-Test "rücksichtslos und gefährlich". Die ISS und andere Raumstationen seien nun dadurch bedroht. (Archivbild)
Laut Nasa-Chef Bill Nelson war Russlands Raketen-Test "rücksichtslos und gefährlich". Die ISS und andere Raumstationen seien nun dadurch bedroht. (Archivbild)  © NASA/dpa

"Wir verurteilen Russlands rücksichtslosen Test", teilte US-Außenminister Antony Blinken (59) am Montagabend (Ortszeit) mit.

Der Beschuss eines russischen Satelliten habe Weltraumschrott hinterlassen, "der das Leben von Astronauten, die Integrität der Internationalen Raumstation und die Interessen aller Nationen gefährdet". Auf der ISS hält sich seit kurzem auch der deutsche Astronaut Matthias Maurer (51) auf.

Die US-Raumfahrtbehörde Nasa schloss sich Blinkens Kritik an. "Ich bin empört über dieses unverantwortliche und destabilisierende Vorgehen", teilte Nasa-Chef Bill Nelson (79) mit.

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"Mit seiner langen und traditionsreichen Geschichte in der bemannten Raumfahrt ist es unvorstellbar, dass Russland nicht nur die amerikanischen und internationalen Partner-Astronauten auf der ISS, sondern auch seine eigenen Kosmonauten gefährdet." Das Vorgehen sei "rücksichtslos und gefährlich und bedroht auch die chinesische Raumstation".

Das Weltraumkommando (Space Command) der US-Streitkräfte teilte mit, der Test vom Montag habe bislang mehr als 1500 nachverfolgbare Trümmerteile in der erdnahen Umlaufbahn produziert. Vermutlich würden diese letztlich in Hunderttausende kleinere Trümmer zerfallen und "über Jahre und möglicherweise Jahrzehnte in der Umlaufbahn verbleiben".

Dies bedeute "ein erhebliches Risiko für die Besatzung der Internationalen Raumstation und andere bemannte Raumfahrtaktivitäten sowie für die Satelliten mehrerer Länder".

Notfallverfahren: ISS-Astronauten müssen sich in Sicherheit bringen

Die Crew der Internationalen Raumstation rund um den deutschen Astronauten Matthias Maurer (51, r.) musste wegen der Trümmer, die durch den russischen Raketentest entstanden waren, in Deckung gehen.
Die Crew der Internationalen Raumstation rund um den deutschen Astronauten Matthias Maurer (51, r.) musste wegen der Trümmer, die durch den russischen Raketentest entstanden waren, in Deckung gehen.  © Uncredited/NASA/AP/dpa

"Russland hat gezeigt, dass es die Sicherheit, den Schutz, die Stabilität und die langfristige Nachhaltigkeit des Weltraums für alle Nationen bewusst missachtet", kritisierte US-General James Dickinson. "Russland entwickelt und setzt Fähigkeiten ein, um den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten und Partnern den Zugang zum Weltraum und dessen Nutzung aktiv zu verweigern."

Wegen einer möglichen Kollision mit Weltraumschrott war die ISS am Montag zweimal kurzzeitig geräumt worden. Der Kosmonaut Pjotr Dubrow (43) sagte der russischen Staatsagentur Tass zufolge, die sieben Raumfahrer hätten sich in beiden Fällen in zwei an der Station angedockten Raumschiffen in Sicherheit gebracht.

Maurer wechselte laut der Europäischen Weltraumorganisation Esa in die "Crew Dragon", mit der der Saarländer erst am Freitag vergangener Woche den Außenposten der Menschheit erreicht hatte. Im Falle eines Zusammenstoßes hätte die Besatzung so zur Erde zurückfliegen können.

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Auch die Nasa teilte mit, die Astronauten und Kosmonauten auf der ISS hätten "Notfallverfahren für die Sicherheit" eingeleitet, nachdem die Flugsicherung sie wegen der Trümmer geweckt hatte. Die Luken zu bestimmten Modulen seien geschlossen worden. Als die ISS die Trümmerwolke durchflog, seien die Astronauten und Kosmonauten in ihre Raumschiffe gewechselt.

Russland reagiert auf die Vorwürfe: "Keine Bedrohung für Raumstationen"

Russlands Außenminister Sergej Lawrow (71) konterte die Kritik und warf den USA vor, dass sie selbst ein Wettrüsten im All vorantreiben würden.
Russlands Außenminister Sergej Lawrow (71) konterte die Kritik und warf den USA vor, dass sie selbst ein Wettrüsten im All vorantreiben würden.  © Mary Altaffer/AP/dpa

Das russische Verteidigungsministerium hat den Testabschuss eines Satelliten am Dienstag bestätigt, den Vorwurf einer Gefährdung für Raumfahrer aber zurückgewiesen.

Russlands Militär habe am Montag "erfolgreich einen Test durchgeführt, infolge dessen der ausgediente Raumflugkörper 'Zelina-D' getroffen wurde, der sich seit 1982 im All befindet", heißt es in einer Mitteilung vom Dienstag.

Die Trümmerteile des zerstörten Satelliten "stellten und werden keine Bedrohungen für Raumstationen, Raumflugkörper und Weltraumaktivitäten darstellen", betonte das Ministerium.

Den Vorwurf, Moskau gefährde die friedliche Nutzung des Weltraums, nannte Russlands Außenminister Sergej Lawrow (71) "Heuchelei". Es gebe dafür keinerlei Belege.

Stattdessen treibe das Pentagon selbst "auf aktivste Art und Weise" ein Wettrüsten im All voran, kritisierte Lawrow - etwa durch Tests von Angriffswaffen.

Titelfoto: NASA/dpa

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