3600 Jahre alte "Himmelsscheibe von Nebra" auf Reise zu neuer Station

Halle (Saale)/Assen - Von London in die Niederlande: Die selten im Ausland gezeigte 3600 Jahre alte "Himmelsscheibe von Nebra" können Archäologiefans nun erstmals in den Niederlanden im Original sehen.

Die 3600 Jahre alte Bronzescheibe gilt weltweit als die älteste konkrete Darstellung des Kosmos in der Menschheitsgeschichte. Museumsbesucher in den Niederlanden haben nun eine Chance, das Original zu sehen.
Die 3600 Jahre alte Bronzescheibe gilt weltweit als die älteste konkrete Darstellung des Kosmos in der Menschheitsgeschichte. Museumsbesucher in den Niederlanden haben nun eine Chance, das Original zu sehen.  © Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa

Unter dem Motto "De Nebraschijf - De ontdekking van de hemel" ("Die Himmelsscheibe von Nebra - Die Entdeckung des Himmels") ist die Bronzescheibe vom 6. August an (bis 18. September 2022) im Drents Museum in Assen zentrales Exponat einer Ausstellung.

Zuletzt war sie in der Schau "The World of Stonehenge" im Britischen Museum London zu sehen, die laut Organisatoren rund 180.000 Besucher zählte.

Die "Himmelsscheibe von Nebra" gilt weltweit als die älteste Darstellung konkreter Himmelsphänomene. 2013 wurde die Bronzescheibe in das "Memory of the World"-Register der UN-Kulturorganisation Unesco aufgenommen.

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In dem Kunst- und Kulturhistorischen Museum in den Niederlanden werden aus Sachsen-Anhalt auch ein 3700 Jahre alter bronzezeitlicher Hortfund aus Naumburg (Burgenlandkreis) sowie der Inhalt einer Opfergrube aus dem Ringheiligtum Pömmelte (Salzlandkreis) gezeigt, wie der Archäologe Michael Schefzik vom Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle berichtet.

Auffälligstes Stück sei darunter eine bronzene Nackenkammaxt. "Das Prunkstück diente den Herrschenden als Machtsymbol und wurde nicht als Werkzeug zur Arbeit verwendet", sagt der Archäologe Schefzik. Derartige Äxte stammten seinen Angaben zufolge aus Ostungarn und der Slowakei. Das Exemplar sei also wahrscheinlich ein Import.

Eingeschlagener Schädel einer Frau, die geopfert wurde

Im Drents Museum in Assen wird auch der Inhalt einer Opfergrube aus dem Ringheiligtum Pömmelte (Salzlandkreis) gezeigt.
Im Drents Museum in Assen wird auch der Inhalt einer Opfergrube aus dem Ringheiligtum Pömmelte (Salzlandkreis) gezeigt.  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa

Zudem werden in der Schau in den Niederlanden sieben Beile, vier Armringe und ein Griff von einem Dolch, alles aus Bronze, ausgestellt.

Aus dem Ringheiligtum Pömmelte, einem einstigen Kultort in Sachsen-Anhalt, stammen Exponate, die in einer rund 4000 Jahre alten Opfergrube gefunden wurden. Auffälligstes Stück sei der eingeschlagene Schädel einer Frau, die damals geopfert wurde, sagt Schefzik. Zudem sind Jahrhunderte alte Keramikgefäße und Tierknochen in Assen zu sehen.

Der Schau in den Niederlanden liege eine erzählerische Idee als roter Faden zugrunde. "Ein im bronzezeitlichen Holland lebendes Mädchen hat von der einmaligen Himmelsscheibe gehört und begibt sich auf die weite Reise nach Mitteldeutschland, um das einmalige Ritualobjekt und astronomische Wunderwerk selbst in Augenschein zu nehmen", erklärt Schefzik.

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Insgesamt setze sich die Schau aus zahlreichen Vitrinen zusammen, wobei jede Einzelne als spezielle Hörstation konzipiert wurde. "Das Drents Museum hat eine beeindruckende archäologische Sammlung, so dass die Himmelsscheibe sehr gut in die Ausstellung passt", sagt Landesarchäologe Harald Meller.

Anfang Oktober wird sie wieder in die Dauerschau des Landesmuseums nach Halle zurückkehren.

Titelfoto: Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa

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