Ein Jahr nach Corona-Urknall in Gangelt: Auch Bürgermeister war damals wohl infiziert

Gangelt – Eine Karnevalssitzung am 15. Februar vergangenen Jahres in dem zu Gangelt gehörenden Örtchen Langbroich-Harzelt gilt als Urknall der Corona-Pandemie in Nordrhein-Westfalen. Ein Jahr danach ist klar, welche Ausmaße die berühmte Kappensitzung wirklich hatte.

Hendrik Streeck (43), Virologe an der Uniklinik in Bonn, untersucht die Verbreitung des Coronavirus in Gangelt.
Hendrik Streeck (43), Virologe an der Uniklinik in Bonn, untersucht die Verbreitung des Coronavirus in Gangelt.  © Federico Gambarini/dpa

Im Nachhinein erscheint das Geschehen wie ein Miniaturausgabe des späteren bundesweiten Lockdowns. In den Supermärkten begannen Hamsterkäufe, Mehl wurde rationiert, Nudeln knapp und vor der Apotheke bildete sich eine Schlange. Fernsehteams kamen zuhauf, die Bewohner fühlten sich überrollt.

Beim Blick zurück wird deutlich, wie wenig man wusste über das Virus.

Zwei Coronakranke hatten an der Karnevalssitzung teilgenommen. Zwölf Tage später gab es 20 bestätigte Covid-19-Fälle in dem Kreis an der niederländischen Grenze, etwa Tausend Menschen waren sicherheitshalber in Quarantäne.

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Dann kam die Wissenschaft: Der Bonner Virologe Prof. Hendrik Streeck (43) untersucht die Verbreitung des Virus in Gangelt. Laut seinen Erkenntnissen müsste es in der 13.000-Einwohner-Gemeinde im letzten Jahr bis zur Studie 1800 Infizierte gegeben haben.

Der im vergangenen September gewählte Bürgermeister von Gangelt, Guido Willems (39, CDU), hält diese hohe Zahl für nicht unwahrscheinlich. Offiziell gab es damals 350 Erkrankte.

Karneval fällt in diesem Jahr in Gangelt aus: "Brav durcharbeiteten"

Guido Willems (39, CDU), der aktuelle Bürgermeister von Gangelt, war offenbar ebenfalls mit Corona infiziert.
Guido Willems (39, CDU), der aktuelle Bürgermeister von Gangelt, war offenbar ebenfalls mit Corona infiziert.  © Oliver Berg/dpa

Auch Willems litt nach Karneval unter Geschmacksverlust und Kopfschmerzen. Heute weiß man, es sind typische Symptome. "Mit den Erkenntnissen, die man damals hatte, wartete man auf Fieber und Husten", erinnert sich der Bürgermeister. Er arbeitete weiter.

Auf der berühmten Kappensitzung in Gangelt feierten wohl mehrere Coronavirus-Infizierte mit. Das meinen Virologe Streeck und der Bürgermeister. "Wir werden mehrere Infizierte gehabt haben, egal auf welcher Sitzung", sagt Willems.

Der Karnevalsverein "Langbröker Dicke Flaa", um dessen Sitzung es geht, schweigt. Für Interviews, Reportagen oder Statements stehe der Verein nicht zur Verfügung, erklärt Sprecher Stefan Keulen.

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Aber das Haus der Geschichte in Bonn hat sich einen Bierkranz und Getränkebons von der Veranstaltung gesichert. Sie sollen symbolisch für den Beginn der Pandemie in Deutschland stehen.

Die tollen Tage sind dieses Jahr auch in Gangelt abgesagt. "Der Karneval fällt aus, in der Gemeindeverwaltung wird brav durchgearbeitet", sagt der Bürgermeister.

Titelfoto: Oliver Berg/dpa

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