Angriff vor Staatskanzlei: Polizei identifiziert 15 Verdächtige, Motiv unklar

Erfurt - Im Sommer war eine Gruppe junger Menschen direkt vor dem Thüringer Regierungssitz angegriffen worden. Die Ermittlungen sind abgeschlossen. Ein Tatmotiv, das im Raum stand, hat die Staatsanwaltschaft nun ausgeschlossen.

Blick aus dem Hirschgarten auf die Thüringer Staatskanzlei in Erfurt. Hier war im Juli eine Gruppe junger Menschen von einer anderen Gruppe angegriffen worden.
Blick aus dem Hirschgarten auf die Thüringer Staatskanzlei in Erfurt. Hier war im Juli eine Gruppe junger Menschen von einer anderen Gruppe angegriffen worden.  © Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

Rund sechs Monate nach dem Überfall auf mehrere junge Menschen im Erfurter Hirschgarten hat die Polizei alle mutmaßlichen Angreifer identifiziert. Es würden entsprechende Verfahren gegen nunmehr 15 Tatverdächtige geführt, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Erfurt, Hannes Grünseisen, der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Damit hat sich die Zahl der Tatverdächtigen in dem Ermittlungsverfahren erhöht: Kurz nach dem Übergriff waren die Ermittler von zwölf beteiligten Angreifern ausgegangen.

Der Hirschgarten liegt direkt vor der Thüringer Staatskanzlei. Dort war im Juli eine Gruppe vorwiegend junger Menschen vor einer anderen Gruppe plötzlich angegriffen worden. Teilweise waren die Opfer schwer verletzt worden.

Die Angreifer stehen im Verdacht, sich der gefährlichen Körperverletzung, des Landfriedensbruchs, des Widerstands gegen sowie des tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte schuldig gemacht zu haben.

Grünseisen sagte, die in den vergangenen Monaten geführten Ermittlungen hätten den Tatverdacht gegen die Angreifer erhärtet. "Die polizeilichen Ermittlungen sind abgeschlossen", erklärte Grünseisen. Über Anklageerhebungen werde die Staatsanwaltschaft nun bald entscheiden.

Rechtes Motiv als Grund? Verdacht erhärtet sich nicht

Die Annahme, dass der Übergriff ein rechtes Motiv hatte, hat sich aus Sicht von Polizei und Staatsanwaltschaft dagegen in den vergangenen Monaten nicht erhärtet, so der Sprecher.

Nach früheren Angaben der Staatsanwaltschaft sind die Beschuldigten teilweise wegen rechtsmotivierter Straftaten polizeibekannt beziehungsweise wegen Gewaltstraftaten bereits vorbestraft.

In vergleichbaren Fällen hatte es in der Vergangenheit immer wieder Meinungsverschiedenheiten zwischen den Ermittlern und Opferschutzorganisationen gegeben, ob alle Gewaltstraftaten rechtsmotiviert sind, an denen Menschen mutmaßlich beteiligt sind, die durch eine rechte Gesinnung aufgefallen waren.

Auch diesen Angriff haben die Opferberater von ezra in ihre Chronik rechter Überfälle in Thüringen aufgenommen.

Im Zuge der Ermittlungen waren im August mehrere Wohnungen in Erfurt und im Saale-Holzland-Kreis durchsucht worden. Die Ermittler waren auf der Suche nach den Mobiltelefonen der Beschuldigten und hofften auch, Kleidungsstücke zu finden, die die mutmaßlichen Angreifer bei der Tat getragen haben sollen.

Titelfoto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

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