Schlachthof-Schließung bringt Thüringer Schweinehalter in Nöte

Erfurt - Die Schließung des größten deutschen Schlachthofs in Rheda-Wiedenbrück (Nordrhein-Westfalen) nach einem Corona-Ausbruch beschert Thüringer Schweinehaltern Absatzprobleme. 

Thüringer Schweinehalter bekommen ihre schlachtreifen Tiere aktuell nur schwer los. (Symbolbild)
Thüringer Schweinehalter bekommen ihre schlachtreifen Tiere aktuell nur schwer los. (Symbolbild)  © 123RF / Dmitry Kalinovsky

"Die Situation ist sehr angespannt", sagte die Nutztier-Expertin des Thüringer Bauernverbandes, Anne Byrenheid, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Zwar würden an anderen Schlachthöfen Sonderschichten gefahren, doch der Abverkauf schlachtreifer Tiere stocke. Das führe nicht nur zu Einbußen bei den Mastbetrieben, auch die Schweinezüchter bekämen ihre Ferkel schlechter los.

Mehr als 1550 Beschäftigte des Schlachtbetriebs in Westfalen haben sich nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Deswegen war er geschlossen worden. Die weggebrochene Kapazität könne nicht sofort von anderen Schlachthöfen aufgefangen werden, betonte Byrenheid.

Nur etwa jedes zehnte in Thüringen gemästete Schwein wird den Angaben nach im Freistaat geschlachtet, viele kommen nach Weißenfels (Sachsen-Anhalt).

Auch dort ist inzwischen ein Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden. Nach Angaben des zuständigen Landratsamtes war der Betroffene vor dem Arbeitsantritt am Mittwoch getestet worden. Laut Unternehmen hatte der Mitarbeiter an dem Tag die Arbeit noch nicht aufgenommen.

Der Fall in Westfalen habe zu einer Verschiebung am Gesamtmarkt geführt, betonte Byrenheid. "Der Abfluss der Tiere läuft auch bei uns in Thüringen deswegen nicht mehr reibungslos." Für die Bauern bedeute das höhere Kosten, etwa weil sie die Tiere länger füttern müssen. Zudem wachsen sie weiter und nehmen zu. Größere Tiere brauchen mehr Platz. Und weil die Abnehmer weitgehende genormte Schlachttiere haben wollen, bekämen die Bauern Preisabschläge bei zu schweren Tieren.

Auch komme es zu einem Rückstau bei den Ferkelerzeugern, wenn die Masttiere länger in den Ställen bleiben, erklärte die Expertin. Immerhin sei der Preis angesichts der guten Nachfrage in der aktuellen Grillsaison bisher stabil mit derzeit 1,66 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht.

Titelfoto: 123RF / Dmitry Kalinovsky

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