Interesse an der Vergangenheit ist hoch: Thüringer sind heiß auf Stasi-Akten

Erfurt - In Thüringen sind in diesem Jahr 4600 Anträge auf Einsicht in Stasi-Akten gestellt worden (Stand: 30. November).

Viele Thüringer wollen reinschauen: Eine Stasi-Akte mit der Aufschrift OPK-Akte (Operative Personenkontrolle) steckt in der BStU-Außenstelle in Gera (Thüringen) in einem Regal.
Viele Thüringer wollen reinschauen: Eine Stasi-Akte mit der Aufschrift OPK-Akte (Operative Personenkontrolle) steckt in der BStU-Außenstelle in Gera (Thüringen) in einem Regal.  © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Das Interesse der Menschen an der Vergangenheit sei noch immer hoch, gehe aber im Vergleich zu früheren Jahren zurück, sagte der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn (67), der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

In den drei Außenstellen der Bundesbehörde wurde im Freistaat 2019 - dem 30. Jahr des Mauerfalls - noch 9529 Mal beantragt, in Papiere zu schauen, die die DDR-Staatssicherheit rechtswidrig über Menschen angelegt hatte.

Im Schnitt kämen zwei Drittel der Anträge von Menschen, die den Blick in die Vergangenheit zum ersten Mal wagen wollten. Ein Drittel seien Wiederholungsanträge, da jetzt die Akten weiter erschlossen seien als etwa in den 1990er Jahren.

1992 war das Interesse an der persönlichen Akteneinsicht riesig, die mit der neu gegründeten Stasi-Unterlagen-Behörde möglich wurde. In dem Jahr wurden allein in Thüringen 23.799 solcher Anträge registriert.

Bis heute summiert sich die Zahl der Anträge, die in den Außenstellen der Bundesbehörde in Erfurt, Gera und Suhl gestellt wurden, auf 547.157 - mehr als eine halbe Million.

Die Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit sei nicht abgeschlossen, unterstrich Jahn. Die Stasi-Akten, die 2021 unter das Dach des Bundesarchivs kommen, bleiben zugänglich, so der frühere DDR-Oppositionelle.

Titelfoto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

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