Kemmerich empfindet seine Annahme zur Wahl des Ministerpräsidenten nicht als Fehler

Erfurt - Am fünften Februar wurde Thomas Kemmerich (55, FDP) mit Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten von Thüringen gewählt. Die damalige Annahme der Wahl zum Regierungschef empfindet er nach wie vor nicht als Fehler.

Thüringens früherer Ministerpräsident Thomas Kemmerich (55, FDP) nimmt im Thüringer Landtag die Maske ab.
Thüringens früherer Ministerpräsident Thomas Kemmerich (55, FDP) nimmt im Thüringer Landtag die Maske ab.  © Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

"Nicht die Annahme der Wahl war der Fehler (...), sondern der Umgang der anderen demokratischen Parteien mit der Situation", schrieb Kemmerich am Donnerstag auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Vorausgegangen war ein Tweet eines Nutzers. 

In diesem schrieb er dem Thüringer FDP-Landespartei- und Fraktions-Chef, dass es habe nie eine größere Verunsicherung in Thüringen gegeben "als zu Ihrer Amtszeit... nicht zu vergessen der wirtschaftliche Schaden der daraus entstanden ist".

Die Antwort Kemmerichs löste eine Welle an Kommentaren aus. Über 300 Personen reagierten auf den Tweet. Dem FDP-Politiker wurde unter anderem vorgeworfen, dass Problem "bis heute" nicht erfasst zu haben.

"Das Problem war nicht, dass Sie zur Wahl standen, das Problem war auch nicht unbedingt, dass die AfD für Sie gestimmt hat. Das Problem war, dass Sie diese Wahl angenommen haben, obwohl Sie von Faschisten gewählt wurden", schrieb ein weiterer Nutzer dem Politiker.

Kemmerichs-Wahl löste ein politisches Beben aus

Thomas Kemmerich wurde am 5. Februar überraschend zum Ministerpräsidenten von Thüringen gewählt - mit Stimmen der AfD und ihres Fraktionschefs Björn Höcke (48), der vom Verfassungsschutz als rechtsextremistische Führungsperson eingestuft wird. 

Kemmerich nahm die Wahl an und löste damit ein politisches Beben aus, das bis nach Berlin reichte. Das Bild, wo er dem Frontmann der Thüringer-AfD, Björn Höcke, die Hand schüttelte und sich gratulieren ließ, sorgte für Empörung.

Auf Druck der Öffentlichkeit und seiner eigenen Partei kündigte Kemmerich einen Tag nach seiner Wahl seinen Rücktritt an, den er wenige Tage später vollzog. Bis zur Wahl Bodo Ramelows (64, Linke) zum Regierungs-Chef am 4. März blieb Kemmerich geschäftsführend im Amt- ohne Kabinett.

Das Bundespräsidium der FDP distanzierte sich inzwischen von ihrem Politiker. Für den Fall einer erneuten Spitzenkandidatur Kemmerichs bei der Thüringer-Landtagswahl im kommenden Jahr, werde ihm die Partei jede Unterstützung verwehren, erklärte die Bundesspitze der liberalen Partei. 

Titelfoto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

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