Impfstellen in Thüringen kosten Steuerzahler 42 Millionen Euro: Werden sie überhaupt noch gebraucht?

Erfurt - Der Thüringer Hausärzteverband hält den Weiterbetrieb der meisten Corona-Impfstellen im Freistaat für nicht mehr erforderlich.

Der Andrang auf die Impfstellen ist abgeklungen. Trotzdem soll der Großteil in Thüringen vorerst bestehen bleiben.
Der Andrang auf die Impfstellen ist abgeklungen. Trotzdem soll der Großteil in Thüringen vorerst bestehen bleiben.  © Michael Reichel/dpa-Zentralbild/dpa

"Die Impfstellen haben sich eigentlich überholt", sagte Verbandschef Ulf Zitterbart der Deutschen Presse-Agentur. "Die Corona-Impfungen gehören jetzt in die Regelversorgung, also in die Arztpraxen, da sind sie gut untergebracht."

Immerhin seien die meisten Menschen, die die Impfung unbedingt gewollt hätten, inzwischen damit versorgt.

Weiter bestehen bleiben könnten die zentralen Anlaufstellen aber da, wo noch mehr als 100 Menschen pro Tag gespritzt würden. "Da wäre das sinnvoll."

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In Thüringen sind die seit Jahresbeginn landesweit eröffneten 29 regionalen Impfstellen vorerst weiter in Betrieb. Nur die Impfstellen in Eisenberg (Saale-Holzland-Kreis) und Blankenhain (Weimarer Land) sollen wegen zu geringer Auslastung Ende Oktober den Betrieb einstellen.

Von den zusätzlich eingerichteten vier größeren Zentren sind drei schon geschlossen - das letzte folgt laut Gesundheitsministerium ebenfalls Ende Oktober.

Nach einer Übersicht der Kassenärztlichen Vereinigung hatten die Impfstellen am 10. Mai die meiste Arbeit. Rund 10.700 Spritzen sind bislang Tagesrekord in Thüringen. Damals wurde überwiegend nur mit Terminvereinbarung geimpft.

Zu Samstagsimpfungen ohne Termin kamen etwa im September immerhin jeweils bis zu knapp 4000 Menschen. Am 6. Oktober, einem Werktag, schwankte die Zahl der für diesen Tag vereinbarten Impftermine laut KV zwischen zehn (Schmalkalden) und 152 (Gera).

Impfstellen bleiben wegen Auffrischimpfungen

Das Gesundheitsministerium hat den Weiterbetrieb der meisten Einrichtungen bis zum Jahresende unter anderem mit den Auffrischungsimpfungen begründet.

Es nennt als Argument auch die mögliche Zulassung eines Impfstoffs für Kinder unter 12 Jahre, wobei unklar sei, wie sich in diesem Fall die Nachfrage entwickle. Es hält flächendeckende Schließungen von Impfstellen auch grundsätzlich für ein falsches Signal.

Die Impfstellen in Thüringen haben Krankenversicherungen und Steuerzahler laut Ministerium bis Juli fast 42 Millionen Euro gekostet.

Davon entfallen knapp 31 Millionen Euro auf Personalkosten - zum Beispiel Ärztehonorare, die Bezahlung von Sicherheitsdiensten und 11 Millionen Euro für Sachkosten, etwa Raummieten.

Titelfoto: Michael Reichel/dpa-Zentralbild/dpa

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