Minister-Präsidentenwahl in Thüringen wird Fall für Verfassungs-Gericht

Erfurt/Karlsruhe - Die Wahl des FDP-Politikers Thomas Kemmerich (56) zum thüringischen Ministerpräsidenten mit Stimmen der AfD wird ein Fall für das Bundesverfassungsgericht.

Während einer Südafrikareise hatte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (66, CDU) über die Wahl von Thomas Kemmerich (56, FDP) zum Thüringer Ministerpräsidenten geäußert. Der Fall landet nun vorm Verfassungsgericht.
Während einer Südafrikareise hatte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (66, CDU) über die Wahl von Thomas Kemmerich (56, FDP) zum Thüringer Ministerpräsidenten geäußert. Der Fall landet nun vorm Verfassungsgericht.  © Kay Nietfeld/dpa

Die Karlsruher Richter wollen sich am 21. Juli mit der Frage befassen, ob Kanzlerin Angela Merkel (66, CDU) sich auf einer offiziellen Pressekonferenz bei einer Auslandsreise dazu äußern durfte und die Statements im Internet auf den Seiten der Kanzlerin und der Bundesregierung veröffentlicht werden durften. (Az.: 2 BvE 4/20, 2 BvE 5/20)

Merkel hatte nach der Wahl Anfang Februar 2020 in Südafrika im Rahmen eines Staatsempfangs gesagt: "Die Wahl dieses Ministerpräsidenten war ein einzigartiger Vorgang, der mit einer Grundüberzeugung für die CDU und auch für mich gebrochen hat, dass nämlich keine Mehrheiten mithilfe der AfD gewonnen werden sollen."

Der Vorgang sei "unverzeihlich", das Ergebnis müsse rückgängig gemacht werden. "Es war ein schlechter Tag für die Demokratie." Die CDU dürfe sich nicht an einer Regierung unter Kemmerich beteiligen.

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Es ist untypisch, dass sich die Kanzlerin auf Auslandsreisen zur Innenpolitik äußert.

Hätte sich Merkel äußern dürfen?

Thomas Kemmerich (56, FDP) wurde im Februar 2020 mit Hilfe der Stimmen der AfD zum Thüringer Ministerpräsidenten gewählt.
Thomas Kemmerich (56, FDP) wurde im Februar 2020 mit Hilfe der Stimmen der AfD zum Thüringer Ministerpräsidenten gewählt.  © Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

Aus Sicht der AfD haben die Kanzlerin und die Bundesregierung ihre Pflicht zur Neutralität im politischen Meinungskampf und damit das Recht der AfD auf Chancengleichheit der politischen Parteien verletzt, wie das Gericht am Donnerstag mitteilte.

Sie hätten durch die Äußerung und deren Veröffentlichungen in unzulässiger Weise Amtsautorität beziehungsweise staatliche Ressourcen für eine "negative Qualifizierung" der AfD in Anspruch genommen.

Die Gegenseite ist der Mitteilung zufolge der Auffassung, dass weder die Äußerung noch ihre Veröffentlichungen verfassungsrechtlich zu beanstanden seien. Merkel habe sich nicht in amtlicher Funktion geäußert, sondern als Parteipolitikerin. Zudem habe sie sich ausschließlich an die CDU gewandt. Die AfD sei also lediglich mittelbar betroffen. Das Statement sei dann aus "Gründen der Gesamtdokumentation" des Staatsempfangs veröffentlicht worden.

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Der Landtag in Thüringen hatte Kemmerich am 5. Februar vergangenen Jahres im dritten Wahlgang mit 45 von 90 Stimmen gewählt. Es gab 44 Stimmen für Amtsinhaber Bodo Ramelow (65, Linke), keine für den AfD-Kandidaten Christoph Kindervater sowie eine Enthaltung. Kemmerich war nach bundesweiter Kritik wenige Tage später zurückgetreten und führte ohne Regierung bis März die Geschäfte.

Titelfoto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

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