Ohne Schmerzen: Mit diesen Methoden dürfen Ferkel ab 2021 nur noch kastriert werden

Erfurt - Von 2021 an ist die betäubungslose Kastration von Ferkeln in Deutschland verboten. Um die neuen Vorgaben umzusetzen, müssen auch Schweinezüchter in Thüringen sich anpassen.

Alle Ferkel dürfen ab 2021 nur noch unter Betäubung kastriert werden. (Symbolbild)
Alle Ferkel dürfen ab 2021 nur noch unter Betäubung kastriert werden. (Symbolbild)  © 123RF/stockerhero

Das Thüringer Landwirtschaftsministerium hat bislang rund 220.000 Euro an Fördermitteln für die frühzeitige Umstellung auf Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration ausgezahlt.

Hintergrund ist eine Gesetzesänderung: Mit Beginn des nächsten Jahres ist es in Deutschland verboten, Ferkel ohne Betäubung zu kastrieren. Bislang ist es erlaubt, Babyschweinen, die noch keine acht Tage alt sind, die Hoden abzunehmen. 

Männlicher Schweinenachwuchs wird in der Regel kastriert, weil das Fleisch sonst einen unangenehmen Geruch entwickeln kann und als schwierig zu verkaufen gilt.

Thüringer Betriebe, die vor Januar bereits Alternativen zum herkömmlichen Verfahren nutzen, können dafür je nach Methode pauschale Zuschüsse über das Landwirtschaftsministerium erhalten. 

Am häufigsten seien bislang Zuschüsse für eine gasförmige Vollnarkose mit dem Mittel Isofluran beantragt worden. 

Bauern werden speziell geschult

Um diese Methode anwenden zu dürfen, ist jedoch ein sogenannter Sachkundenachweis nötig. Mehr als 50 Personen hätten die dafür vorgesehene Prüfung bestanden, hieß es beim Thüringer Bauernverband. 

Der Test besteht aus einem Theoriekurs und einer Praxisphase, wie Martina Blücher sagte, die beim Verein Landvolkbildung die Weiterbildungen organisiert. 

Die Teilnehmer werden etwa im Umgang mit einem speziellen Gerät geschult, über das den Ferkeln das Gas zugeführt werde. Das führt dazu, dass die Tiere für kurze Zeit bewusstlos werden. Während dieser Zeit werden dann die Hoden mit einer speziellen Zange entfernt.

Ein Schweinezüchter legt ein junges Ferkel zur Kastration in eine Narkoseanlage in seinem Zuchtbetrieb. (Archiv)
Ein Schweinezüchter legt ein junges Ferkel zur Kastration in eine Narkoseanlage in seinem Zuchtbetrieb. (Archiv)  © Holger Hollemann/dpa

Schweinezüchter haben viele Alternativen

Auch andere Alternativmethoden sind von Januar an zulässig. Dazu gehört etwa die sogenannte Immunokastration, wie Blücher sagte. Dabei werde den Ferkeln ein Mittel gespritzt, das verhindern soll, dass sich überhaupt ein unangenehmer Ebergeruch im Fleisch entwickeln kann. 

Ein anderer Weg sei, auch männliche Tiere aufzuziehen und zu mästen, ohne ihnen überhaupt die Hoden zu entfernen. 

Dabei müsste aber in Kauf genommen werden, dass manches Fleisch den für einige Menschen unangenehmen Ebergeruch entwickle. Experten sehen in allen Methoden Vor- und Nachteile.

Das Landwirtschaftsministerium geht bislang davon aus, dass auch mit dem neuen Gesetz rund 85 Prozent der jährlich etwa eine Million in Thüringen geborenen männlichen Ferkel kastriert werden. 

Von insgesamt 192 schweinehaltenden Betrieben im Freistaat beschäftigen sich Ministeriumsangaben nach 85 Betriebe mit der Ferkelerzeugung.

Titelfoto: 123RF/stockerhero

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