Thüringen stellt Test in Schulen und Kitas ein: Nimmt der Freistaat bewusst Infektionen von Kindern in Kauf?

Jena - Nach der Ankündigung über die Einstellung der Corona-Tests an Schulen und Kindergärten hat die Stadt Jena die Entscheidung der Thüringer Politik scharf kritisiert.

In Thüringen werden ab dem 1. August 2021 die Corona-Tests für Kinder in Schulen und Kitas eingestellt. (Symbolfoto)
In Thüringen werden ab dem 1. August 2021 die Corona-Tests für Kinder in Schulen und Kitas eingestellt. (Symbolfoto)  © Christoph Soeder/dpa

Wie der Pressesprecher der Stadt Jena erklärte, wird Thüringen ab dem 1. August 2021 die Testungen auf das Coronavirus in Kitas und Schulen einstellen.

Eine Entscheidung, die für Jenas Bürgermeister Christian Gerlitz (38, SPD) nicht nachvollziehbar ist: "Es muss weiterhin unser gemeinsames Ziel sein, dass die Kindertageseinrichtungen und die Ferienbetreuung geöffnet bleiben können. Dies gelingt nur mit einer durchgängigen und sicheren Teststrategie", erklärte er und fügte hinzu:

"Bildungsminister Helmut Holter (68, Linke) fordern wir wiederholt auf, seine Entscheidung zu überdenken und die Tests wieder aufzunehmen."

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Um jedoch nicht von der Entscheidung der Politik abhängig zu sein oder auf diese warten zu müssen, will Jena eigenständig handeln. Laut einem Sprecher der Stadt werden trotz der Entscheidung des Landes Thüringen die Kinder weiterhin zweimal pro Woche in Schulen und Kitas getestet.

Dies entschied der Krisenstab der Stadt mit der Begründung, dass man diese wichtige Maßnahme im Kampf gegen die Pandemie nicht verlieren und den Kindern sowie deren Familie bestmögliche Sicherheit geben wolle. Die Kosten werden von der Stadt Jena übernommen, wie Finanzdezernent Benjamin Koppe sagte.

"Gerade angesichts der Reisezeit und der zunehmenden Anzahl von Urlaubsrückkehrern werden die Testungen in den Jenaer Kindergärten einen wichtigen Beitrag zum Infektionsschutz leisten. Der Krisenstab hat eine eindeutige Entscheidung zugunsten einer stabilen und sicheren Kinderbetreuung getroffen", so Koppe.

Der Finanzdezernent vermutet, dass der Freistaat wegen des finanziellen Aspekts das Testangebot in Schulen und Kitas zurückfahre und somit bewusst das Risiko unentdeckter Infektionen in Kauf nehme.

Titelfoto: Christoph Soeder/dpa

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