Politik-Beben in Thüringen: Ramelow zeigt AfD-Mann den Stinkefinger

Erfurt - Während einer hitzigen Landtagsdebatte über den Umgang mit Akten zum "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) hat Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (64, Linke) dem Thüringer AfD-Abgeordneten Stefan Möller den Mittelfinger gezeigt.

Verlor bei einer AfD-Rede die Fassung: Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (64, Linke) zeigte dem Abgeordneten Stefan Möller (45, AfD) den Stinkefinger.
Verlor bei einer AfD-Rede die Fassung: Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (64, Linke) zeigte dem Abgeordneten Stefan Möller (45, AfD) den Stinkefinger.  © Michael Reichel/dpa-Zentralbild/dpa

Möller, der in Thüringen auch AfD-Landessprecher ist, hatte im Landtag zuvor die Linke angegriffen: "Schauen Sie sich doch mal selbst an, wer in Ihren eigenen Reihen ist", sagte Möller und verwies auf den ehemaligen RAF-Terroristen Christian Klar. Im Jahr 2016 wurde bekannt, dass Klar für einen Linken-Abgeordneten im Bundestag arbeitete.

Anschließend ging Möller auf den Verfassungsschutz ein, den er als skandalgeneigte Behörde bezeichnete. "Wer da schon alles Tolles beobachtet wurde, nicht wahr, Herr Ramelow?", sagte Möller schließlich in Richtung des Thüringer Regierungschefs. Ramelow zeigte Möller daraufhin den Mittelfinger.

Bodo Ramelow wurde tatsächlich jahrelang vom Verfassungsschutz überwacht. Allerdings stellte das Bundesverfassungsgericht fest, dass dies verfassungswidrig war. 

Darauf wies Ramelow die AfD-Fraktion kurz nach der Aktion auch selbst hin: "Das Bundesverfassungsgericht hat in meiner Sache entschieden, dass von Anfang an die Überwachung meiner Person rechtswidrig war", sagte er.

Stefan Möller (45, AfD) sprach über den Umgang mit Akten zum "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU).
Stefan Möller (45, AfD) sprach über den Umgang mit Akten zum "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU).  © Michael Reichel/dpa

Thüringer CDU kritisiert Stinkefinger-Aktion scharf

Die Thüringer CDU-Fraktion kritisierte Ramelows Aktion scharf. Ramelow und die "Höcke-AfD" missbrauchten das Parlament "für ihre unappetitlichen Sandkastenspiele", erklärte der parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Fraktion, Andreas Bühl. 

"Statt in der Krise über die besten Lösungen für Menschen und Arbeitsplätze zu diskutieren, geht es hier nur um die gekränkten Egos zweier Alphatiere, die von der Polarisierung leben." 

Er sprach von einer "Respektlosigkeit gegenüber dem Landtag".

Unterstützung erhielt Ramelow von Thüringens Linke-Fraktionschefin Susanne Hennig-Wellsow. "Ein Stinkefinger ist die einzig anständige Reaktion auf einen Unanständigen", schrieb sie bei Twitter. 

Ramelow selbst gab sich später bei Twitter reumütig: "Dem Landtag gebührt mein Respekt als Verfassungsorgan. Den habe ich heute nicht im gebotenen Maße gezeigt. Gleichwohl werde ich meine antifaschistische Grundhaltung niemals von der AfD instrumentalisieren lassen", schrieb der 64 Jahre alte Linke-Politiker bei Twitter.

Höcke legte Ramelow einen Rücktritt nahe. "Wenn er einen Funken politischen und menschlichen Anstand besäße, würde er zurücktreten!", erklärte Höcke in einer Mitteilung. Er nannte Ramelow amtsunwürdig. "Ein Mann, der so wenig Selbstbeherrschung hat, kann kein so hohes Regierungsamt ausüben", erklärte Höcke.

Titelfoto: Michael Reichel/dpa-Zentralbild/dpa

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