Rangeleien und Festnahmen: Corona-Hotspot Hildburghausen kommt einfach nicht zur Ruhe

Hildburghausen - In Hildburghausen demonstrierten am Donnerstag erneut Menschen gegen die Corona-Maßnahmen. Diesmal ging es jedoch nicht friedlich zu. Die Polizei musste einschreiten.

Die Polizei musste die Demonstranten einkesseln.
Die Polizei musste die Demonstranten einkesseln.  © News5/Ittig

Die Corona-Zahlen klettern Tag für Tag gefährlich steil nach oben, Rekordwerte jagen immer neue Rekordwerte.

Mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 1385,3 zählt der Landkreis Hildburghausen am Freitag erneut zu den bedauerlichen Spitzenreitern in Thüringen.

Doch mitten in der sich mehr und mehr auftürmenden Corona-Welle machten am Donnerstagabend etwa 80 Personen auf dem Hildburghäuser Markt ordentlich Welle.

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Was war passiert? Wie schon am Montag hatte man sich nach einem Aufruf zu einer Protestkundgebung in den sozialen Netzwerken auf dem Markt der Stadt versammelt. Doch anders als am Montag ging es diesmal nicht friedlich zu. Der Abend auf dem vorweihnachtlich geschmückten Markt sollte völlig aus dem Ruder laufen.

Mehrere Festnahmen - auch Pressevertreter bedrängt

Nachdem die Polizei auf die geltenden Corona-Regeln hingewiesen hatte, wurde die Stimmung aggressiv. Es kam zu Festnahmen.
Nachdem die Polizei auf die geltenden Corona-Regeln hingewiesen hatte, wurde die Stimmung aggressiv. Es kam zu Festnahmen.  © News5/Ittig

Erneut war auch die Polizei mit einem Großaufgebot angerückt. Doch obwohl die Versammlung wie schon am Montag laut Aussagen von Bürgermeister Tilo Kummer (53, Die Linke) nicht angemeldet war, löste die Polizei diese nicht auf.

Stattdessen wurden die Demonstranten darauf hingewiesen, dass eine Versammlung entsprechend der aktuell geltenden Verordnung im Landkreis und Freistaat mit 35 Teilnehmern unter freiem Himmel möglich ist. Zudem wurde mittels Lautsprecherdurchsagen an die Einhaltung der entsprechenden AHA-Regeln erinnert.

Das hörte man aufseiten der Demonstranten jedoch nicht so gern. Im Gegenteil: Die Stimmung wurde aggressiv. Es kam zu Rangeleien. In einem Beitrag von insuedthueringen heißt es, dass auch ein Mitarbeiter der Zeitung geschubst wurde.

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Man habe aufgrund dieser Reaktionen "körperliche Gewalt" sowie Pfefferspray einsetzen müssen, erklärte Frank Haspel, Leiter der Polizei Hildburghausen. Anschließend habe man den Aufzug "eingekesselt".

Für "diese Form der Freiheitsbeschränkung", so Haspel, habe die Polizei eine richterliche Bestätigung erhalten.

Am Ende des Abends wurden mehrere Straftaten festgestellt sowie Menschen in Gewahrsam genommen.

Kummer: "Da wird mir einfach nur Angst"

Die Polizei war wie schon am Montag mit einem Großaufgebot in Hildburghausen vor Ort.
Die Polizei war wie schon am Montag mit einem Großaufgebot in Hildburghausen vor Ort.  © News5/Ittig

"Ich bin ehrlich gesagt erschrocken! Wir haben eine Aggressivität hier. Ich bin selbst angesprochen worden, wo Vergleiche zum Nationalsozialismus gezogen wurden - mit der heutigen Zeit", sagte Hildburghausens Bürgermeister Tilo Kummer und schüttelte mit dem Kopf.

Kummer betonte: "Wir haben eine Situation, die viel, viel schlimmer ist als im letzten Jahr zur gleichen Zeit."

Das Landratsamt komme mit der Kontaktnachverfolgung nicht hinterher, auf das Ergebnis eines PCR-Tests warte man bis zu sechs Tage, es werde immer schwerer, ein geordnetes "Verwaltungshandeln" sicherzustellen, und wenn man dann solche Veranstaltungen sehe, wo die Regeln nicht eingehalten werden, "da wird mir einfach nur Angst", so der Bürgermeister.

Auf den Tag genau vor einem Jahr waren rund 500 Menschen in Hildburghausen ohne Abstand und Masken ungeachtet der geltenden Ausgangsbeschränkungen auf die Straße gegangen. "Frieden, Freiheit, keine Diktatur", schallte es damals durch die Straßen.

Diese Rufe waren auch am Donnerstag wieder zu hören. Vom Frieden zu sehen gab es jedoch nicht viel. Erst am späteren Abend war es auf dem Markt, da wo der Weihnachtsbaum glänzt, ruhig geworden, fast schon himmlisch ruhig. Da, im Hotspot Hildburghausen.

Titelfoto: News5/Ittig

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