Gemeinde vermietet bekanntem Neonazi Immobilie für Rechtsrockkonzert

Themar - Eine geplante Musikveranstaltung von Rechtsextremen in Themar im Landkreis Hildburghausen hat zu Kritik an Verantwortlichen der Stadt geführt.

Erst im Sommer 2019 war auf einem Feld in Themar ein Rechtsrock-Konzert veranstaltet worden.
Erst im Sommer 2019 war auf einem Feld in Themar ein Rechtsrock-Konzert veranstaltet worden.  © Bodo Schackow/ZB/dpa

Hintergrund ist, dass die rechtsextremen Musiker in einer kommunalen Immobilie auftreten sollen. "Ich weiß gar nicht, wie man überhaupt auf die Idee gekommen ist, diesen Leuten diese Räumlichkeiten zu vermieten", sagte die Grüne-Landtagsabgeordnete Madeleine Henfling der Deutschen Presse-Agentur. Wenn die Gemeinde im Kampf gegen Rechts glaubwürdig bleiben wolle, "ist es das Mindeste, dass man den geschlossenen Mietvertrag wieder rückgängig macht".

Ein bekannter Thüringer Rechtsextremist hat Gesinnungsgenossen für März zu einem Treffen eingeladen, bei dem etwa eine in der Szene bekannte Band auftreten soll. Die Veranstaltung soll im Schützenhaus mitten in Themar stattfinden, einem Gebäude, das der Kommune gehört.

In der Kleinstadt im Süden Thüringens hatte es in den vergangenen Jahren viele Rechtsrock-Veranstaltungen gegeben. Dazu gehörte auch ein Konzert, zu dem im Sommer 2017 etwa 6000 Neonazis aus ganz Europa in die Region gekommen waren. Diese Veranstaltungen fanden in der Regel auf einem Feld am Ortsrand statt, das von einem Privatmann an die Rechtsextremen vermietet worden war.

Der Bürgermeister Themars, Peter Harenberg (Wählergmeinschaft "Pro Themar"), wollte sich nicht dazu äußern, warum die Immobilie an die Rechtsextremen vermietet wurde. Zur Begründung verwies er auf laufende Gespräche mit dem Landratsamt und den übergeordneten Stellen.

Auch "Feine Sahne Fischfilet" schon im Schützenhaus aufgetreten

"Feine Sahne Fischfilet" bei ihrem Auftritt im Schützenhaus in Themar.
"Feine Sahne Fischfilet" bei ihrem Auftritt im Schützenhaus in Themar.  © Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa

Das Schützenhaus ist ein kulturelles Zentrum in Themar, das in der Stadt unter anderem für Bürgerversammlungen, aber auch für Lesungen und Konzerte genutzt worden ist. Ausgerechnet dort hatte die Punkband "Feine Sahne Fischfilet" im Oktober ein Konzert gegeben, um Proteste in der Stadt gegen Rechtsrock zu unterstützen.

Zuletzt hatte auch die Linke-Landtagsabgeordnete Katharina König-Preuss gefordert, die Kommune müsse den geschlossenen Mietvertrag rückabwickeln. "Es gibt weder eine Verpflichtung noch Notwendigkeit, Neonazis eine kommunale Immobilie für Rechtsrock-Konzerte zur Verfügung zu stellen", sagte sie.

Es wäre Aufgabe der Stadt Themar gewesen, diese Nazi-Versammlung zu unterbinden und Neonazis keinen Zugriff auf das Schützenhaus zu gewähren, so König-Preuss. Es sei verantwortungslos und zeige das Versagen von staatlichen Verantwortungsträgern im Umgang mit rechten Strukturen, dass diese hunderten Neonazis öffentliche Räume für Rechtsrock-Konzerte zur Verfügung stellten. Rechtsrock sei die "Begleitmusik zu Mord- und Totschlag".

Sollte die neuerliche rechte Musikveranstaltung in Themar tatsächlich stattfinden, müsse es auf jeden Fall Proteste dagegen geben, sagte Henfling. "Da müssen Leuten auf der Straße sein." Zwar sei es in Thüringen bereits gelungen, rechtsextremen Konzertveranstaltern das Leben schwerer zu machen. "Aber das muss man auch durchhalten."

Titelfoto: Bodo Schackow/ZB/dpa

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