Sprunghafter Anstieg von Privatinsolvenzen: In Thüringen ist die Pleitewelle angerollt

Erfurt - Die Zahl der Privatpleiten in Thüringen ist zu Jahresbeginn einer Studie zufolge sprunghaft gestiegen.

In Thüringen ist die Zahl der Privatpleiten zu Jahresbeginn um mehr als 75 Prozent angestiegen.
In Thüringen ist die Zahl der Privatpleiten zu Jahresbeginn um mehr als 75 Prozent angestiegen.  © picture alliance / dpa

Nach Angaben der Wirtschaftsauskunftei CRIF Bürgel beläuft sich die Zahl der Privatinsolvenzen im ersten Quartal dieses Jahres auf 633. Das waren 75,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Auch bundesweit zog die Zahl der Privatinsolvenzen in diesem Zeitraum demnach deutlich an und stieg um 56,5 Prozent auf 31.821 Privatinsolvenzen.

In Thüringen verzeichnete CRIF Bürgel zufolge einen der stärksten Zuwächse von allen Bundesländern nach Mecklenburg-Vorpommern (plus 86,7 Prozent), Nordrhein-Westfalen (plus 81,1 Prozent) und Hamburg (plus 77,5 Prozent). Der Wert im Freistaat lag bei plus 75,3 Prozent.

Grund für den Anstieg ist laut CRIF Bürgel-Geschäftsführer Frank Schlein hauptsächlich eine Gesetzesreform, die viele Betroffene abgewartet hätten. Demnach können Verbraucher inzwischen einfacher nach drei statt bisher sechs Jahren von Restschulden befreit werden.

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Die Verkürzung gilt rückwirkend auch für Insolvenzverfahren, die ab dem 1. Oktober 2020 beantragt wurden. "Da diese Reform ein großer Vorteil ist, haben viele Antragssteller auf den entsprechenden Beschluss des Bundestages gewartet", erläuterte Schlein.

Eine von der Corona-Pandemie verursachte Insolvenzwelle wird nach Einschätzung von CRIF Bürgel erst ab dem zweiten Halbjahr 2021 einsetzen und bis ins Folgejahr 2022 reichen. Neben Beschäftigten im Niedriglohnsektor seien Personen im mittleren Einkommensbereich wirtschaftlich betroffen. Auf Dauer führe geringeres Einkommen durch die Pandemie in die Privatinsolvenz.

In der Betrachtung der Fallzahlen je 100.000 Einwohner wurden in Thüringen allerdings nur 30 Privatinsolvenzen gezählt. Noch geringer fiel der Anteil im ersten Quartal des Jahres 202 nur in Bayern (26 Fälle) und Hessen (29) aus.

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