Mietausfälle wegen Corona? Das sagt die Wohnungswirtschaft

Erfurt - Nur wenige Thüringer haben während der Corona-Pandemie die Möglichkeit genutzt, ihre Mietzahlungen zu stunden. Von Anfang April bis Ende Juni seien von rund 1800 Mietern Zahlungsaufschübe bei den Wohnungsunternehmen beantragt worden, sagte der Direktor des Verbandes der Thüringer Wohnungs- und
Immobilienwirtschaft (vtw), Frank Emrich, der Deutschen Presse-Agentur. Das betreffe weniger als ein Prozent der Wohnungsmietverträge.

Eine Immobilienwerbetafel steht vor einem Wohnhaus. Nur wenige Thüringer haben die Möglichkeit genutzt, ihre Miete zu stunden.
Eine Immobilienwerbetafel steht vor einem Wohnhaus. Nur wenige Thüringer haben die Möglichkeit genutzt, ihre Miete zu stunden.  © Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die vtw-Mitgliedsunternehmen bewirtschaften nach Verbandsangaben rund die Hälfte aller Mietwohnungen im Freistaat. Die coronabedingten Mietschulden belaufen sich laut Emrich auf rund 700.000 Euro. Für deren Rückzahlung hat die Bundesregierung den Mietern Zeit bis zum 30. Juni 2022 eingeräumt.

Die wegen der Pandemie im Mietrecht getroffenen Übergangsregeln - wie der zeitweilige Kündigungsschutz für Mieter wegen Zahlungsrückständen - waren Ende Juni ausgelaufen. Seit Juli muss nun wieder normal Miete gezahlt werden, andernfalls drohen zivilrechtliche Maßnahmen bis hin zur Kündigung.

"Wir sind aus Sicht der Vermieter sehr zufrieden", zog Verbandsdirektor Emrich ein erstes Fazit. "Wir hatten größere Ausfälle befürchtet." Ein Grund für die wenigen Mietstundungen sieht Emrich in den vielen anderen staatlichen Unterstützungsinstrumenten. So hätten Mieter, die aufgrund von Kurzarbeit in Zahlungsschwierigkeiten gekommen seien, wohl eher Wohngeld beantragt als Schulden zu machen. Andere hätten auf ihre Rücklagen zurückgegriffen.

Nach einem drastischen Einbruch beobachtet der Verband seit Juni auch wieder eine steigende Nachfrage nach Wohnungen. Allerdings sei die Nachfrage noch immer sehr verhalten und habe noch nicht wieder das Vorjahresniveau erreicht. Zugleich gebe es derzeit auch weniger Wohnungskündigungen und Auszüge.

Dem Verband der Wohnungswirtschaft gehören nach eigenen Angaben 217 Mitgliedsunternehmen an, mehrheitlich kommunale Wohnungsgesellschaften und -genossenschaften. Sie bewirtschaften einen Bestand von rund 265.200 Wohnungen.

Titelfoto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Mehr zum Thema Thüringen Wirtschaft:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0