Tod im Stasi-Knast: Was passierte mit dem DDR-Gegner Matthias Domaschk?

Gera - Der Tod des jungen DDR-Oppositionellen Matthias Domaschk 1981 im Stasi-Gefängnis in Gera ist noch immer ungeklärt. Doch egal wie oft der Todestag sich jährt - die Erinnerung an den jungen "Matz" wird in Thüringen lebendig gehalten.

Das Straßenschild der Matthias-Domaschk-Straße steht im Jenaer Stadtteil Lobeda. Vor 40 Jahren, am 12.04.1981, starb Matthias Domaschk in Stasi-Haft. Die genauen Umstände zu seinem Tod sind bis heute ungeklärt.
Das Straßenschild der Matthias-Domaschk-Straße steht im Jenaer Stadtteil Lobeda. Vor 40 Jahren, am 12.04.1981, starb Matthias Domaschk in Stasi-Haft. Die genauen Umstände zu seinem Tod sind bis heute ungeklärt.  © Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

Seine Freunde nennen ihn Matz. Er trägt seine Haare gerne lang und offen, macht Musik, liest viel - und sehnt sich nach ein bisschen Freiheit in der Enge der DDR. Es gibt unbeschwerte Bilder von Matthias Domaschk: mit seiner kleinen Tocher Julia auf dem Arm, mit der Mutter seines Kindes auf der Couch, mit seinen Freunden auf dem Jenaer Marktplatz.

Doch mit 23 Jahren ist der junge DDR-Oppositionelle tot. Stasi-Akten zufolge wird er am 12. April 1981 in der Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) in Gera stranguliert gefunden.

Im Jahr 2017 hat eine Arbeitsgruppe zur Aufarbeitung des Falls festgestellt, dass mehr gegen als für einen Suizid spricht. Doch bis heute ist es nicht gelungen, die genauen Umstände des Todes zu belegen.

Den Tod des jungen DDR-Dissidenten nicht zu vergessen, ist auch aus Sicht der Thüringer Landesregierung wichtig. Ministerpräsident Bodo Ramelow (65, Linke) sagt: "Der Fall Domaschk erinnert uns und muss uns bis heute daran erinnern, dass ein Staatsapparat niemals so unglaublich übermächtig werden darf, dass er in jede Facette des Lebens aller Bürger eingreift und dass dieses Eingreifen sogar zum Tod führen kann."

Allein deshalb werde der Fall Domaschk immer und für jede Gesellschaft aktuell und wirkmächtig sein, heißt es.

Vom Zug ins Stasi-Gefängnis

Domaschk gehörte zum oppositionellen Kreis der Jenaer Jungen Gemeinde. Dort beteiligt er sich, von den DDR-Oberen kritisch beäugt, an Lesungen, Ausflügen und Diskussionen.

1976 protestiert er gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann und wird deswegen später nicht zum Abitur zugelassen. Auch nimmt er Kontakt zur Bürgerrechtsbewegung "Charta 77" in Prag auf, ebenso nach West-Berlin, um Freunden in Haft zu helfen.

Am 10. April 1981, einem Freitag, steigt Domaschk mit einem Freund in den Zug nach Berlin. Ihr Ziel: eine Geburtstagsparty. Doch beide werden von der Polizei aus dem Zug geholt. In Berlin steht der X. Parteitag der SED an und die Beamten vermuten Störer.

Die jungen Männer werden festgesetzt, am Samstag bringt sie ein Transporter ins Stasi-Gefängnis nach Gera.

Exkursionen sollen an Domaschk erinnern und zum Nachdenken anregen

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (65, Linke) hält es für wichtig, den Tod des jungen DDR-Oppositionellen nicht zu vergessen.
Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (65, Linke) hält es für wichtig, den Tod des jungen DDR-Oppositionellen nicht zu vergessen.  © Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

40 Jahre später: Die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte soll insbesondere junge Menschen in Thüringen zum Nachdenken über die DDR anregen. So gibt es einen "außerschulischen Lernort" in Jena, den Lehrer mit ihren Klassen für Bildungs-Exkursionen ansteuern können. Der Stadtrundgang führt an Stationen in Jena vorbei, die an Domaschk erinnern und mit ihm in Verbindung stehen.

Am Rähmen 3, wo er einst mit seiner Freundin und seiner Tochter in der gemeinsamen Wohnung auf der Couch lümmelte. Der Marktplatz, auf dem der junge Matz mit seien Freunden in der Sonne saß. Die ehemalige Kreisdienststelle Jena des MfS in der Gerberstraße. Schülerinnen und Schüler können sich hier durch Orte bewegen, die der junge Domaschk aufsuchte.

Auch die Matthias-Domaschk-Straße ist Teil dieses Erinnerungspfades. Die Straße in Jena-Neulobeda wurde anlässlich des 15. Todestages von Domaschk nach ihm benannt.

2009 wurde auf Initiative des Studierendenrates der Friedrich-Schiller-Universität auch ein Hörsaal der ehemaligen Arbeiter-und-Bauern-Fakultät nach ihm benannt. Seit 2011 schließlich gibt es ein Ehrengrab für Domaschk im Urnenhain auf dem Nordfriedhof in Jena.

Zum 40. Jahrestag sind große Veranstaltungen wegen der Pandemie im gesamten Freistaat untersagt. Der Freistaat erinnert deshalb in anderer Form an Domaschk. Um den 12. April will Ramelow in dem Podcast "Horchpost DDR" der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße erklären, warum die Biografie von Matthias Domaschk noch heute wichtig ist.

Titelfoto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa

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