Wissenschaftler sind sich sicher: Jeder fünfte Thüringer hat rechtsextreme Einstellungen

Jena - Seit zwei Jahrzehnten werden die Einstellungen der Thüringer wissenschaftlich erhoben. Manche davon haben sich über den langen Zeitraum hinweg kaum verändert, andere wiederum stark.

In Thüringen hat eine bestimmte Masse der Bevölkerung verfestigte rechtsextreme Strukturen. (Symbolfoto)
In Thüringen hat eine bestimmte Masse der Bevölkerung verfestigte rechtsextreme Strukturen. (Symbolfoto)  © Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa

Ein über zwei Jahrzehnte relativ konstanter Anteil der Thüringer Bevölkerung neigt zu rechten Einstellungen. Obwohl es zuletzt eine leicht sinkende Tendenz gegeben habe, zeigten die Befragungen zum Thüringen Monitor, "dass etwa ein Fünftel der Bevölkerung rechtsextreme Einstellungen hat", sagte die Politikwissenschaftlerin Marion Reiser der Deutschen Presse-Agentur.

Zwar gebe es bei der Messung der entsprechenden Einstellungen von Jahr zu Jahr kleinere Schwankungen, betonte Reiser. "Doch ist es eine zentrale Erkenntnis aus den vergangenen Jahren, dass Rechtsextremismus als stabiles Einstellungsmuster in Teilen der Gesellschaft vorhanden ist." Damit ließen sich zumindest teilweise auch die Thüringer Wahlergebnisse erklären.

Reiser ist Inhaberin des Lehrstuhls für das Politische System der Bundesrepublik Deutschland an der Schiller-Universität Jena.

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Seit einigen Jahren hat sie die wissenschaftliche Leitung beim Thüringen-Monitor, der die politische Einstellung der Menschen vor allem zu den Themenkomplexen Demokratie, Rechtsextremismus und Antisemitismus misst und wissenschaftlich analysiert.

Die Erhebungen zeigten, dass die Zufriedenheit der Thüringer mit der Demokratie über die Jahre deutlich gestiegen sei. Gaben im 2001 veröffentlichten Monitor noch 48 Prozent der repräsentativ befragten Thüringer an, sie seien sehr oder ziemlich zufrieden damit, wie die Demokratie in Deutschland in der Praxis funktioniere, so waren es im vergangenen Jahr 68 Prozent der Befragten.

Politik- und Parteiverdrossenheit als Gründe?

"Gleichzeitig gibt es aber in all den Jahren eine durchgängig hohe Politik- und Parteiverdrossenheit", erklärte die Wissenschaftlerin. Derartige Ambivalenzen fänden sich immer wieder in der soziologischen Langzeitstudie.

Ein wichtiger Grund für die gestiegene Zufriedenheit mit der Demokratie sei, dass es vielen Menschen finanziell heute besser gehe als in der Vergangenheit, sagte Reiser. "Das ist ein klassisches Muster."

Nach Ansicht von Reiser gibt es weiterhin einen großen Bedarf, die Studie fortzusetzen und die erhobenen Daten wissenschaftlich zu bewerten.

Titelfoto: Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa

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