Von Sebastian Haak
Erfurt – In Thüringen haben trotz stark rückläufiger Kinderzahlen zuletzt nur wenige Kindergärten komplett geschlossen. Im Langfrist-Trend ist ihre Zahl sogar nahezu unverändert, wie aus Daten des Thüringer Bildungsministeriums hervorgeht. So sind im Jahr 2010 etwa 82.100 Kinder in 1320 Kindergärten im Freistaat betreut worden. Im vergangenen Jahr waren es etwa 600 Kinder weniger in insgesamt 1340 Kindergärten.
Die Daten des Ministeriums zeigen, dass es in vielen Einrichtungen inzwischen zwar freie Plätze gibt, dass aber nur verhältnismäßig wenige Träger sich in den vergangenen Jahren dazu entschlossen haben, Kindergärten komplett zu schließen.
Zwischen dem 1. März 2025 und dem 1. März 2026 seien 19 Kindertageseinrichtungen im Freistaat geschlossen worden, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Das entspricht etwa 1,5 Prozent aller Kindergärten. Am 1. März des laufenden Jahres habe es noch 1321 Kindertageseinrichtungen im Freistaat gegeben.
Sehr viel deutlicher als die Zahl der Kindergärten schwankte in den vergangenen Jahren die Zahl der dort betreuten Kinder. Nach einem Hoch bei den Betreuungszahlen in den Jahren 2018 bis 2020 ist sie inzwischen wieder auf dem Niveau der frühen 2010er-Jahre angekommen. 2019 haben im Freistaat etwa 94.700 Kinder einen Kindergarten besucht.
Dass diese Zahl demnächst wieder erreicht werden könnte, gilt als nahezu ausgeschlossen. In Thüringen waren nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden 2025 nur etwa 11.000 Kinder geboren worden. Im Jahr 1990 waren es noch fast dreimal so viele gewesen.
Minister will maximal 15 Autominuten Entfernung
Bildungsminister Christian Tischner (44, CDU) sagte, angesichts der demografischen Entwicklung in Thüringen würden es kleinste Kindergärten in manchen Teilen des Landes demnächst "schon etwas schwerer haben".
Viele Kommunalpolitiker fragten sich inzwischen, ob sich Investitionen etwa in Kindergartengebäude noch lohnten.
Trotzdem bleibe es sein Ziel, ein möglichst dichtes Netz für die Kinderbetreuung zu erhalten. "In zehn bis 15 Minuten muss eine Kita per Auto erreichbar sein", sagte Tischner.
Dort, wo das nicht möglich sei, müsse über Konzepte nachgedacht werden, bei denen Tagesmütter die Betreuung von Kindern übernehmen. Dabei sei es auch denkbar, dass sich mehrere Tagesmütter zusammenschließen.