"Ich hab' da mal was vorbereitet": Hobbythek-Ikone Jean Pütz wird 85

Köln - Jean Pütz (84) hat da mal was vorbereitet, aber das hat diesmal nicht so gut geklappt. In kurzer Hose steht er auf dem Hof seines weitläufigen Grundstücks und grüßt freundlich.

Jean Pütz moderiert am 13.1.1997 in Köln die Fernsehsendung "Hobbythek" des Westdeutschen Rundfunks (WDR). Am Dienstag wird er 85 Jahre alt.
Jean Pütz moderiert am 13.1.1997 in Köln die Fernsehsendung "Hobbythek" des Westdeutschen Rundfunks (WDR). Am Dienstag wird er 85 Jahre alt.  © Uta Radermacher/dpa

"Darin riecht es jetzt ein bisschen streng", sagt er vorwarnend, bevor er die Tür zum Haus öffnet. Der Grund: Er sei gerade angerufen worden. "Da habe ich gar nicht gemerkt, dass ich eigentlich Bananen braten wollte." Nun riecht es drinnen recht deftig nach warmer Südfrucht.

Pütz probiert immer noch gerne Sachen aus. Davon zeugt sein komplettes Anwesen im Grünen, etwa eine Stunde Autofahrt entfernt von Köln. Er nennt es selbst "Pützerosa-Ranch". Am Dienstag wird der Kult-Schnauzer 85 Jahre alt.

Bekannt wurde Pütz, weil er in den 70er Jahren die "Hobbythek" im WDR erfand und rund 30 Jahre lang moderierte. In der Sendung konnte man als Zuschauer erfahren, wie sich Waschmittel selbst herstellen lässt, wie man Regenwasser nutzen kann oder wie gute Ernährung aussieht.

Bauer sucht Frau: Bauer sucht Frau: RTL lässt Fans aus diesem Grund warten
Bauer sucht Frau Bauer sucht Frau: RTL lässt Fans aus diesem Grund warten

Pütz verband erfolgreich Wissenschaft mit Unterhaltung und einer Portion "Do-it-yourself". Die Sendung gibt es nicht mehr, aber wenn man den Satz "Ich hab' da mal was vorbereitet" hört, hat man auch heute noch direkt Pütz mit seinem wippenden Schnäuzer vor Augen.

Narrenfreiheit beim Westdeutschen Rundfunk

Den von weither sichtbaren Kult-Schnäuzer trägt der Rheinländer auch zu Ehren seines Großvaters.
Den von weither sichtbaren Kult-Schnäuzer trägt der Rheinländer auch zu Ehren seines Großvaters.  © Oliver Berg/dpa

Pütz hatte ursprünglich Elektromechaniker gelernt und in einem Eisenhüttenwerk gearbeitet. Später holte er das Abitur nach und studierte Mathe, Physik, Soziologie und Volkswirtschaft. "Ich kann über 100 Themen ad hoc reden", erklärt er.

Wie er zum WDR kam? Eher ungeplant. "Irgendwer hat denen gesagt: Das ist der richtige Mann." Beworben habe er sich jedenfalls nie. Im Sender habe er dann aber "Narrenfreiheit" gehabt. Mit Erfolg: 1984 entwickelte Pütz auch noch die "Wissenschaftsshow", aus der später "Quarks & Co" mit Ranga Yogeshwar (62) wurde.

Zum Gespräch trägt er an diesem Tag neben der kurzen Hose eine geblümte Weste über einem bunt-karierten Hemd. Später kommt noch ein Sonnenhut obendrauf. Das macht wohl keiner, der sich gegen die Rolle des Exzentrikers wehrt. Ihm sei es egal, wie er draußen ankomme, sagt Pütz.

Urlaub für Tanja Szewczenko: Was trägt ihr Baby da auf der Nase?
Tanja Szewczenko Urlaub für Tanja Szewczenko: Was trägt ihr Baby da auf der Nase?

Auch sein Liebesleben war auffallend oft öffentliches Thema. Die Klatschspalten liebten ihn dafür. Pütz sagt, er sei früher "ein großer Freund von schönen Frauen" gewesen. Er sagt auch: "Warum das sich rumgesprochen hat, weiß ich nicht."

"Pützerosa Ranch" ein ökologisches Superanwesen

Der Wissenschaftsjournalist sitzt in einem Strandkorb in seinem Garten. Sein Anwesen nennt er liebevoll "Pützerosa-Ranch".
Der Wissenschaftsjournalist sitzt in einem Strandkorb in seinem Garten. Sein Anwesen nennt er liebevoll "Pützerosa-Ranch".  © Oliver Berg/dpa

Pütz ist mittlerweile aber schon längst zu ganz anderen Fragen übergegangen. Unter anderem über Facebook, seinem "Fenster" nach draußen, teilt er sich heute mit.

Pütz kann sich zum Beispiel geradezu in Rage reden, wenn er über Energiepolitik nachdenkt. Sein Haus, die "Pützerosa-Ranch" preist er als ökologisches Superanwesen.

Es ist wahrlich ein Idyll. Im Teich schwimmen wuchtige Karpfen, Pütz baut auf dem weitläufigen Anwesen selbst Wein an und hält Bienen. Ein Feigenbaum wächst üppig. Die vergangenen 15 Jahre habe er an der CO2-Neutralität seiner Familie gearbeitet, erklärt er.

Mit seiner dritten Ehefrau hat er einen Sohn und eine Tochter. Das Mädchen ist heute zehn Jahre alt. Bei ihrer Geburt war Pütz 74 Jahre alt. "Sonnenschein" nennt er sie im Gespräch. Und er sagt: "So bleibt man jung."

Die wichtigsten Erkenntnisse im Leben erfährt man eben doch nicht aus Wissenschaftssendungen im Fernsehen.

Titelfoto: Oliver Berg/dpa

Mehr zum Thema Unterhaltung: