Mädchenmord und Rachegeister: "Der Schwarze Brunnen" gruselt bestenfalls Kinder

Deutschland - Wenn es einen Monat gibt, der wie kein anderer für Angst und Schrecken steht, dann ist es bekanntlich der Oktober, auch "Schocktober" oder "Horroktober" genannt. Vor allem im Bereich Film und TV wird das Gruseln hier besonders zelebriert.

Priya (l., Sanjeeda Sheikh) versucht ihre Tochter Shivangi (Riva Arora) zu beschützen.
Priya (l., Sanjeeda Sheikh) versucht ihre Tochter Shivangi (Riva Arora) zu beschützen.  © Courtesy of Netflix

So gesehen ist man bei Netflix relativ spät dran, einen Tag vor Halloween noch schnell ein Original zu veröffentlichen: "Der schwarze Brunnen" (orig. "Kaali Khuhi") nennt sich die indische Produktion und schon der Trailer lässt vermuten, in welch düstere Richtung das Ganze gehen soll. 

Irgendwie wirkt es wie eine Mischung aus dem fast schon Klassiker "The Ring" und der jüngsten Netflix-Grusel-Serie "The Haunting of Bly Manor". 

Allerdings lassen sich die dargestellte Stimmung des Trailers und die von Netflix angegebene FSK-12-Freigabe nur sehr schlecht in Einklang bringen. Der Handlungsort des 90-minütigen Films klingt zumindest vielversprechend: Ein für seine grausamen Mädchenmorde berüchtigtes Dorf.

Der Film ab Sekunde Eins mit sehr atmosphärischen und gut inszenierten Bildern. Dem puren Filmerlebnis selbst dürfte also nichts im Wege stehen. Aber das ist das erste Problem: "Dürfte" - Konjuktiv II. Selten gut. Als klassischer deutscher Netflix-Zuschauer stehen einem lediglich die beiden Tonspuren Hindi und Englisch zur Verfügung. Dafür aber mit optionalen deutschen Untertiteln.

Wer sich jetzt - wie ich in meiner Naivität - denkt: "Alles cool, Englisch ist kein Problem", der wird schnell auf den Boden der Realität zurück geholt. Die Synchronisation wurde mutmaßlich von den indischen Darstellern selbst übernommen. 

Man hört also zum einen einen sehr starken Akzent und zum Anderen, dass wir in Deutschland sehr von der guten Arbeit der Voice Artists - also der Synchronsprecher - verwöhnt wurden. "Der schwarze Brunnen" wirkt durch die unmotiviert wirkende Sprachübersetzung unfreiwillig komisch.

Zu Beginn des Filmes sehen wir, wie ein Mann in einer regnerischen Nacht einen verschlossenen Brunnen öffnet. Nachdem ihn von innen etwas gepackt hat, taucht in dem kleinen angrenzenden Dorf ein barfüßiges und - zu Anfang - gesichtsverborgenes Mädchen auf. 

Starke Idee mit deutlichen Abschlussschwächen

Als Shivangi (Riva Arora) von der kranken Großmutter erfährt, ahnt sie noch nichts von dem grausamen Abenteuer.
Als Shivangi (Riva Arora) von der kranken Großmutter erfährt, ahnt sie noch nichts von dem grausamen Abenteuer.  © Netflix/Sardarsinghvirk

Zielstrebig fragt es in dieser Nacht eine alte Frau unheilschwanger, wo ihr Armkettchen geblieben sei. Die Seniorin - plötzlich von Angst erfüllt - fällt daraufhin in eine Art Koma.

Diese alte Dame war die Oma der Protagonistin Shivangi (Riva Arora, "Mom - Die Rache einer Mutter"), einem etwa zehnjährigem Mädchen. Eigentlich lebt sie in der Stadt, doch mit ihrer Familie reist sie nun in das Dorf, um an der Seite der kranken Oma zu sein. Und in diesem Dorf macht sich die Angst breit.

Shivangi beginnt sehr schnell, das mysteriöse Mädchen zu sehen. Im Spiegel, unterm Bett in Lichtreflexionen auf dem Wasser.

Und es scheint ihr gegenüber nicht bösartig zu sein - wenn auch angsteinflößend. Ganz anders sieht es mit der Oma der Protagonistin aus, die sich schnell wieder erholt. Ab diesem Moment beginnt das Grauen für die Dorfbewohner. Denn das gruselige Geistermädchen "Sakshi" hat einen grausamen Grund für seine Rückkehr. 

Fernab jeglicher sonstiger Sehgewohnheiten überzeugt die Grundidee des Filmes. Das tote Mädchen, das aus seinem nassen Grab heraus Rache nimmt, hätte viel Potenzial, einen Halloween-Abend vor dem Fernseher maßgeblich zu bereichern. Selbst im Originalton mit Untertitel.

Doch vor allem die letzten 15 Minuten wissen plötzlich gar nicht mehr, ob sie nun mit Kitsch, Grusel oder skurrilen Surrealismus die Situation auflösen wollen. Nein, Geister-Mädchen und Filmheldin fangen nicht plötzlich an, gemeinsam den Seelenfrieden in bunten Gewändern herbeizusingen und zu -tanzen, aber dennoch schießt einem ein paar Mal ein "Ernsthaft, jetzt!?" durch den Kopf. Und richtig (An-)Spannung entstand auch kaum.

Fazit: Idee top, Schauspieler gut, Gruselfaktor noch okay, Umsetzung fragwürdig. Obwohl ich dem Film unbedingt eine Chance geben wollte, kann ich ihm letzten Endes doch nur 4/10 Totenköpfe geben.

Titelfoto: Courtesy of Netflix

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