"Die perfekte Kandidatin": Mutige Frau kämpft gegen Sexismus und Patriarchat

Deutschland - Gegen alle Widerstände! In "Die perfekte Kandidatin", der am 12. März in den deutschen Kinos startet, kämpft eine junge und mutige Frau gegen soziale Ungerechtigkeit an.

Maryam (Mila Alzahrani) möchte Abu Musa (Hamad Almuzainy) helfen, der aber auf keinen Fall will, dass eine Frau ihn behandelt.
Maryam (Mila Alzahrani) möchte Abu Musa (Hamad Almuzainy) helfen, der aber auf keinen Fall will, dass eine Frau ihn behandelt.  © PR/© Neue Visionen Filmverleih

Sie heißt Maryam (Mila Alzahrani) und ist Ärztin in einer saudi-arabischen Kleinstadt. Die gebildete Dame hat ihr eigenes Auto und fährt damit zur Klinik, wo sie Patienten nach besten Gewissen versorgt - auch wenn sie immer wieder gegen patriarchalische Denkweisen ankämpfen muss.

So will Maryam den älteren Mann Abu Musa (Hamad Almuzainy) behandeln, der das aber partout ablehnt und fast schon panisch wird. Er will zu "einem richtigen Arzt". Er steht zu Beginn sinnbildlich für die veraltete Denkweise vieler Männer und alltäglichen Sexismus, mit dem sich Maryam immer wieder herumschlagen muss.

Als sie dann zu einer wichtigen Konferenz nach Dubai reisen möchte, wird ihr das am Flughafen verwehrt, weil sie die Erlaubnis ihres Vaters nur in Papierform hat und nicht wie gefordert digital. Das Problem: Ihr Vater ist Musiker und tourt durch das Land, kann ihr also nicht helfen.

Dasselbe gilt für andere (männliche) Verwandte. Sie bleibt also und entscheidet sich in Rücksprache mit ihren Schwestern Sara (Nora Al Awadh) und Selma (Dae Al Hilali), für ihre Sachen einzustehen. 

Ganz oben auf ihrer Agenda: Die matschige Straße, die zum Krankenhaus führt. Diese soll endlich asphaltiert werden. Da freundliches Nachfragen und Bitten bei den Entscheidungsträgern erfolglos bleibt, entschließt sich Maryam, für den Gemeinderat zu kandidieren. Dadurch bekommt sie endlich die erhoffte Aufmerksamkeit, die aber nicht nur positiv ist. 

In den Sozialen Netzwerken wird sie angefeindet und von Männern bei einer Wahlveranstaltung nicht ernst genommen. "Wir lassen uns von einer Frau nichts sagen" oder "der Platz einer Frau ist im Haus" lauten nur einige der fiesen Sprüche. Kann Maryam mit diesen Anfeindungen fertig werden und sich gegen alle Widerstände behaupten?

"Die perfekte Kandidatin" ist ein feinfühliger Einblick in eine exotische Welt

Maryam (M., Mila Al Zahrani) und ihre Schwestern Sara (l., Nora Al Awadh) sowie Selma (Dae Al Hilali) stehen vor einer nervlichen Zerreißprobe.
Maryam (M., Mila Al Zahrani) und ihre Schwestern Sara (l., Nora Al Awadh) sowie Selma (Dae Al Hilali) stehen vor einer nervlichen Zerreißprobe.  © PR/© Neue Visionen Filmverleih

Diese Geschichte hat Haifaa Al Mansour ("Das Mädchen Wadjda", "Mary Shelley") mit viel Fingerspitzengefühl umgesetzt. Ihr ist erneut ein herausragender Film gelungen, der weltweit zurecht auf großen Festivals (unter anderem in Venedig und Toronto) lief. 

Die erste saudi-arabische Filmemacherin überhaupt beweist ihre erstklassigen Fähigkeiten als Regisseurin auch mit ihrem neusten Werk. 

Denn hier behandelt sie auf sensible Weise wichtige universelle Themen wie Sexismus, mittelalterliche Denkstrukturen, den weiblichen Alltag in einem patriarchalen System, den Mut zu einem selbstbestimmten Leben und den Kampf für die eigenen Überzeugungen entgegen aller Widerstände.

Dabei überfrachtet sie "Die perfekte Kandidatin" nicht, sondern nimmt sich die Zeit, alle Aspekte fließend in das Geschehen einzuarbeiten, was dazu führt, dass man von Anfang bis Ende in diese andersartige Kultur eintauchen kann.

Außerdem schält Al Mansour die Motive ihrer Protagonistinnen hintergründig heraus, weshalb ihre Handlungen nachvollziehbar sind. Das wiederum erhöht das Identifikationspotenzial, weshalb die Charaktere zur Projektionsfläche für die eigenen Gefühle werden.

"Die perfekte Kandidatin" ist ein Drama mit Tiefgang

Öffentlicher Auftritt: Maryam (Mila Al Zahrani) setzt sich für ihre Überzeugungen ein.
Öffentlicher Auftritt: Maryam (Mila Al Zahrani) setzt sich für ihre Überzeugungen ein.  © PR/© Neue Visionen Filmverleih

Daran haben auch die starken schauspielerischen Leistungen einen entscheidenden Anteil. Allen voran Al Zahrani, die ihre Figur mit all den verschiedenen Facetten verkörpert und diese sowohl in schüchternen Momenten, als auch in mutigen Szenen, wo sie für sich einsteht, glaubwürdig darstellt. Auch sonst überzeugt der Cast.

Das führt dazu, dass das Interesse hochgehalten wird und man erkennt, dass sich in dem Land etwas tut. Es wird offensichtlich, dass die junge Generation dabei ist, die oftmals festgefahrene Denkweise im Land nachhaltig zu verändern und sich somit ein besseres und vor allem freieres Leben zu verschaffen.

Wie Al Mansour diese vielen Details in ihre Handlung integriert, ist beeindruckend. Das Skript von ihr und ihrem Mann Brad Niemann ist deshalb auch ausdrücklich zu loben, weil es ausgewogen ist, intelligent und Probleme gekonnt behandelt. Dazu ist ihr Film auch nicht zu negativ, sondern hat immer wieder starke zwischenmenschliche Sequenzen.

Außerdem überzeugen die ruhige Kameraführung, die exotischen Locations und die stimmige arabische gefühlvolle Musikuntermalung, weshalb "Die perfekte Kandidatin" ein sehenswertes, hochklassiges Drama geworden ist.

Maryam (Mila Al Zahrani) ist Ärztin, doch die Zufahrtsstraße zur Klinik ist nicht asphaltiert und deshalb matschig, weshalb sie sich dafür einsetzt, dass sich das ändert.
Maryam (Mila Al Zahrani) ist Ärztin, doch die Zufahrtsstraße zur Klinik ist nicht asphaltiert und deshalb matschig, weshalb sie sich dafür einsetzt, dass sich das ändert.  © PR/© Neue Visionen Filmverleih

Titelfoto: PR/© Neue Visionen Filmverleih

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