"Exil" steckt voll brisanter Themen! Rassismus, heiße Affäre und Paranoia bilden krassen Mix

Deutschland - Rassistische Vorurteile? In "Exil", der am 20. August in den deutschen Kinos startet, geht es genau um diese zeitgenössische Frage. Wie groß ist die unterschwellige Feindseligkeit der Menschen gegenüber einem Osteuropäer wie Xhafer (Misel Maticevic)?

Xhafer (Misel Maticevic) ist mit Nora (Sandra Hüller) verheiratet. Zwischen ihnen knirscht es mit der Zeit gewaltig, weil er überhaupt nicht sieht, was seine Frau alles leisten muss.
Xhafer (Misel Maticevic) ist mit Nora (Sandra Hüller) verheiratet. Zwischen ihnen knirscht es mit der Zeit gewaltig, weil er überhaupt nicht sieht, was seine Frau alles leisten muss.  © PR/Alamode Film

Der gebürtige Kosovare führt eigentlich ein typisch deutsches Leben. Er ist mit Nora (Sandra Hüller) verheiratet, hat drei Kinder, die er über alles liebt, wohnt in einer schönen Vorstadtgegend und hat einen guten Job als Pharmaingenieur in einem Tierversuchslabor. 

Er hat sich gut integriert und ist dennoch unzufrieden mit seinem Leben. Das hat auch mit einer vermeintlich rassistisch gemeinten Botschaft an seinem Gartentor zu tun. Denn dort wurde eine tote Ratte aufgehängt. Auch der Kinderwagen wird einige Zeit später abgefackelt. 

Verständlicherweise ist Xhafer stinksauer, während Nora all das herunterspielt und sich nicht wirklich in ihn hineinversetzen kann. Er sucht den Täter, kann ihn jedoch nicht ausfindig machen. 

Als er dann auf der Arbeit von Urs (Rainer Bock) nicht per Mail zu einer Veranstaltung eingeladen wird, deshalb zu spät kommt und vorgeführt wird, weil er einige Informationen nicht bekommen hat, kann er seine Wut nur mühsam herunterschlucken. Denn als er den Kollegen zur Rede stellt, weist der ihn unwirsch zurück. Doch warum? 

Zu allem Überfluss geht Xhafer mit der kosovarischen Putzfrau Hatiqe (Flonja Kodheli) fremd und wünscht sich bald nichts sehnlicher, als in sein Heimatland zurückzukehren. Nora lehnt das jedoch ab. Sie will mit ihren Kindern in Deutschland bleiben. Das verstärkt Xhafers negative Gefühle nur noch. An jeder Ecke sieht er sich Rassismus ausgesetzt. Entspricht das der Realität oder bildet er sich das ein?

Deutscher Trailer von "Exil" mit Misel Maticevic, Sandra Hüller und Rainer Bock

Auf der Berlinale liefen die Zuschauer nach der "Exil"-Vorstellung am 25. Februar in Scharen davon!

Xhafer (Misel Maticevic) verstrickt sich immer mehr in negativen Gedanken und strahlt diesen Frust nach außen hin aus.
Xhafer (Misel Maticevic) verstrickt sich immer mehr in negativen Gedanken und strahlt diesen Frust nach außen hin aus.  © PR/Alamode Film

Diese Geschichte hat Visar Morina ("Babai") durchwachsen umgesetzt. Sein Film hat zwar eine dichte sowie bedrohliche Atmosphäre und entwickelt von Beginn an eine Grundspannung, die dafür sorgt, dass man mitgerissen wird.

Doch im letzten Drittel macht es sich der Regisseur sehr, sehr leicht, weshalb die Qualität erheblich nachlässt und man den Kinosaal unzufrieden verlässt. Das wurde auf der Berlinale mehr als deutlich. 

Dort stand Morina dem Publikum nach der Vorführung am 25. Februar (13 Uhr), bei der TAG24 vor Ort war, Rede und Antwort. Doch das lief ähnlich chaotisch ab, wie der Film selbst. Morina stand im Stau und kam erst mit Verspätung abgehetzt ins CUBIX 9 am Alexanderplatz. 

Obwohl das Berlinale-Publikum sonst geduldig ist und so etwas klaglos hinnimmt, setzten viele Zuschauer ein deutliches Zeichen: Sie wanderten in Scharen ab, sodass sich der zuvor volle Saal um gut zwei Drittel gelehrt hatte, als Morina endlich eingetroffen war.

Es gab auch direkt nach der Vorstellung nur wenig Applaus. Als der Regisseur dann seine Ausführungen begann, wurde schnell klar, warum man so einen Film zu sehen bekommen hatte. Morina erklärte, dass man manche "Sachen absichtlich offen gelassen" habe. Folgender Satz von ihm ist bezeichnend für sein Werk: "Ich musste damit klarkommen, dass einige Dinge einfach da waren."

Xhafer (2.v.l., Misel Maticevic) ist unzufrieden mit seinem Leben.
Xhafer (2.v.l., Misel Maticevic) ist unzufrieden mit seinem Leben.  © PR/Alamode Film

"Exil" ist ein unschlüssiger Film, dem die Stringenz fehlt

Xhafer (Misel Maticevic) wohnt eigentlich in einer schönen Vorstadtgegend, ist verheiratet, hat drei Kinder und einen guten Job. Dennoch nimmt er vor allem die negativen Dinge in seinem Leben wahr.
Xhafer (Misel Maticevic) wohnt eigentlich in einer schönen Vorstadtgegend, ist verheiratet, hat drei Kinder und einen guten Job. Dennoch nimmt er vor allem die negativen Dinge in seinem Leben wahr.  © PR/Alamode Film

Eine merkwürdige Aussage, die aber die Unschlüssigkeit erklärt, die einem früh auffällt. Nur stört sie da noch nicht, weil hier noch die Möglichkeit bestanden hätte, alles mit einem hintergründigen Ende entsprechend aufzulösen.

Dazu kommt es aber wie beschrieben nicht, weshalb die Stärken nach dem Kinobesuch immer weiter verblassen und man Wochen und Monate später viele der an sich interessanten Wendungen vergessen hat.

Wirklich klar herausgeschält werden die universellen Themen um negative Gedankenspiralen, zwischenmenschliche Beziehungen und Rassismus also nicht. In viel zu vielen Szenen wird etwas angerissen, dann wieder fallen gelassen und später auch nicht wieder aufgegriffen.

Das war nach den positiven Besprechungen von den Kritikern auf dem Sundance Film Festival und auch jenen der Berlinale nicht zu erwarten gewesen. 

Dennoch hat "Exil" das gewisse Etwas und auch starke einzelne Momente. Man fiebert während des Anschauens auch deshalb mit, weil die Grenzen zwischen Realität und Wahnvorstellungen verschwimmen und nicht mehr auseinanderzuhalten sind.

Misel Maticevic zeigt in "Exil" eine exzellente Leistung

Nora (Sandra Hüller) kümmert sich um ihre drei Kinder, den Haushalt, ihren Job und um Xhafer, ist am Anschlag, wie sie ihm mitteilt.
Nora (Sandra Hüller) kümmert sich um ihre drei Kinder, den Haushalt, ihren Job und um Xhafer, ist am Anschlag, wie sie ihm mitteilt.  © PR/Alamode Film

Außerdem werden eigenwillige visuelle Highlights gesetzt. Hier spielt Schweiß eine entscheidende Rolle, weil die Protagonisten fast durchgehend von dieser Körperflüssigkeit durchtränkt sind. Dieses kleine Detail verstärkt den mitunter surrealen und halluzinogenen Eindruck von Morinas Werk noch.

Der entsteht auch durch den lange Zeit fließenden Schnitt, der ebenfalls seinen Stil hat und durch den man der Handlung trotz vieler (überraschender) Pfade gut folgen kann. Daran hat auch Maticevic ("Babylon Berlin") mit seiner facettenreichen Spielweise einen entscheidenden Anteil. 

Er entwickelt den zunehmenden Frust seiner Figur glaubwürdig. Immer wieder blitzt auf, wie es in ihm aussieht und wie aufgewühlt er ist, bis er irgendwann seinem Ärger Luft machen muss und ausrastet. Auch Hüller ("Sibyl - Therapie zwecklos") zeigt in ihrer Nebenrolle eine gute Leistung. 

Eine weitere Stärke ist die intensive Musikuntermalung, die im Rhythmus von Schlägen daherkommt. Sie, die starke Kameraführung und die exzellent ausgestatteten Locations sorgen dafür, dass der Film kein Flop ist. 

Mehr als durchschnittlich ist "Exil" aber auch nicht geworden. Denn er hat zwar einige sehr gute Ansätze und ist spannend, weiß aber andererseits nicht so wirklich, wo genau der Film hin will. Das merkt man spätestens anhand des enttäuschenden Endes, das nachwirkt und die Wertung nach unten zieht. 

Titelfoto: PR/Alamode Film

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