"Bis an die Grenze": Cops sollen Mann abschieben, dem die Todesstrafe droht!

Deutschland - Bewegendes Drama! Im französischen Film "Bis an die Grenze", der am 30. September endlich in den deutschen Kinos startet, geht es um drei Polizisten, die vor einer schweren Entscheidung stehen. Die TAG24-Kritik.

Von links nach rechts: Erik (Gregory Gadebois, 45), Virginie (Virginie Efira, 44) und Aristide (Omar Sy, 43) müssen sich zwischen Pflichtbewusstsein und Moral entscheiden.
Von links nach rechts: Erik (Gregory Gadebois, 45), Virginie (Virginie Efira, 44) und Aristide (Omar Sy, 43) müssen sich zwischen Pflichtbewusstsein und Moral entscheiden.  © PR/StudioCanal

Virginie (Virginie Efira, 44), Aristide (Omar Sy, 43) und Erik (Gregory Gadebois, 45) stecken im Zwiespalt zwischen Pflichtbewusstsein und Moral fest. Denn die drei Cops sollen Asomidin Tohirov (Payman Maadi, 51) zum Flughafen begleiten, um sicherzustellen, dass er rechtmäßig abgeschoben wird.

Das Problem: Ihm droht in seinem Heimatland die Todesstrafe! Wie sollen sich die drei mit diesem Wissen entscheiden? Besonders problematisch: Sie alle tragen ohnehin schon schwere Bürden mit sich herum.

Virginie ist ungewollt von ihrer Affäre schwanger und hat bereits einen Termin ausgemacht, um abzutreiben. Darüber hinaus ist sie auch in ihrer Beziehung nicht wirklich glücklich. Ihr Job setzt ihr ebenfalls zu.

Aristide wirkt nach außen hin wie ein charmanter Macho und Spaßvogel, doch tief in ihm drin sieht es ganz anders aus. Die harte Polizeiarbeit macht auch ihm zu schaffen und beschert ihm Albträume. Zusätzlich bereitet ihm der Gesundheitszustand seiner Mutter Sorgen.

Erik hat hingegen Eheprobleme, streitet sich andauernd mit seiner Frau, ist deshalb extrem frustriert und unzufrieden mit seinem Leben. Doch Tohirov hat den härtesten Lebensweg hinter sich. Er wurde in seiner Heimat sogar gefoltert...

Deutscher Trailer zu "Bis an die Grenze" mit Omar Sy, Virginie Efira und Grégory Gadebois

"Bis an die Grenze" ist ein zutiefst menschliches Porträt geworden, das emotional packt

Asomidin Tohirov (Payman Maadi, 51) soll aus Frankreich abgeschoben werden, obwohl ihm in seiner Heimat die Todesstrafe droht.
Asomidin Tohirov (Payman Maadi, 51) soll aus Frankreich abgeschoben werden, obwohl ihm in seiner Heimat die Todesstrafe droht.  © PR/Studiocanal GmbH / Thibault Grabherr

Diese bewegende Geschichte hat Anne Fontaine (62, "Tage am Strand", "Coco Chanel - Der Beginn einer Leidenschaft", "Mein liebster Alptraum") erstklassig umgesetzt.

Der französischen Regisseurin ist ein tiefschürfendes und sensibles Werk über vier Menschen gelungen, die allesamt einen großen emotionalen Rucksack mit sich herumzuschleppen haben.

Trotzdem versuchen sie, so gut es eben geht, weiter zu funktionieren. Diese komplexe Thematik den Zuschauern auf die richtige Art und Weise näherzubringen, ist eine schwierige Gratwanderung, die die erfahrene Filmemacherin erstaunlich mühelos meistert.

Sie skizziert ihre Figuren nämlich so hintergründig, dass man ihre Handlungen, Beweggründe und Entscheidungen sehr gut nachvollziehen kann. Deshalb geht man auch emotional voll mit.

Darüber hinaus stellt Fontaine die Polizisten als hart arbeitende Menschen aus Fleisch und Blut, mit Stärken und Schwächen dar, weshalb man schnell Nähe zu den Protagonisten aufbaut.

Dabei gelingt es der Regisseurin, Klischees zu unterwandern und auch Vorurteile gegenüber den Gesetzeshütern abzubauen.

Virginie, Erik und Aristide sind privat und beruflich schwer belastet.
Virginie, Erik und Aristide sind privat und beruflich schwer belastet.  © PR/Studiocanal GmbH / Thibault Grabherr

"Bis an die Grenze" hat einen eigenwilligen Aufbau, der glücklicherweise aber funktioniert

Virginie (Virginie Efira, 44, l.) und Aristide (Omar Sy, 43) üben gemeinsam den Nahkampf.
Virginie (Virginie Efira, 44, l.) und Aristide (Omar Sy, 43) üben gemeinsam den Nahkampf.  © PR/Studiocanal GmbH / Thibault Grabherr

Der Film verdeutlicht nur zu gut, wie schwer es sein kann, einen so auslaugenden Job über viele Jahre auszuüben. Er zeigt auch auf, wie viel Mentalkraft man braucht, um die mitunter schrecklichen Bilder abzuschütteln. Der Beruf geht an die Nieren - psychisch wie physisch! Das wird hier deutlich aufgezeigt.

Dabei haben sich die Macher einen klugen Kniff einfallen lassen, der aber auch hätte schiefgehen können. Denn mit dem Schnitt gehen sie ins Risiko, was sich aber glücklicherweise auszahlt.

So wird zuerst ein Teil der Story aus der Sicht von Virginie, dann aus der von Aristide und schließlich aus jener von Erik erzählt, bevor alle Handlungsstränge zusammenlaufen und sich gekonnt zu einem verbinden.

Daher gibt es einige entscheidende Szenen für die Charakterentwicklung aus unterschiedlicher Perspektive mehrfach zu sehen, was aber überhaupt nicht stört, sondern ein durchdachter Schachzug ist und bestens funktioniert.

Dank dieser Sequenzen gewinnt der Film nämlich an Qualität hinzu, weil man die Protagonisten durch jeden Durchlauf näher kennengelernt hat und diese Schlüsselmomente daher besser einordnen kann.

Omar Sy (43) wie man ihn kennt: Der französische Schauspieler wechselte beim Berlinale-Photocall am 28. Februar 2020 einfach mal schnell die Seiten und knipste die Fotografen.
Omar Sy (43) wie man ihn kennt: Der französische Schauspieler wechselte beim Berlinale-Photocall am 28. Februar 2020 einfach mal schnell die Seiten und knipste die Fotografen.  © Christoph Soeder/dpa

Omar Sy zeigte seine komödiantischen Fähigkeiten bei der Berlinale-Premiere 2020

Virginie Efira und Omar Sy zeigen in "Bis an die Grenze" starke Leistungen

Aristide (Omar Sy, 43) ist nicht (nur) der sprücheklopfende Macho, der er auf den ersten Blick zu sein scheint.
Aristide (Omar Sy, 43) ist nicht (nur) der sprücheklopfende Macho, der er auf den ersten Blick zu sein scheint.  © PR/Studiocanal GmbH / Thibault Grabherr

Trotzdem gibt es die ein oder andere dramaturgische Holprigkeit. Genauer benannt werden sollen sie an dieser Stelle hier nicht, weil sie erst im späteren Verlauf auftreten und deshalb zu viel von der Handlung vorwegnehmen würden. Diese kleinen Schwächen trüben den sehr guten Gesamteindruck allerdings ohnehin nur marginal.

Denn auch die dynamische Kameraführung, die schönen Locations, die authentischen Kostüme und die stimmige Musikuntermalung tragen viel zur fesselnden Atmosphäre von "Bis an die Grenze" bei.

Vor allem aber kann der Film auch schauspielerisch überzeugen. Efira ("Ein Becken voller Männer", "Sibyl - Therapie zwecklos", "Elle"), die sonst vor allem in Komödien als strahlende, aber geerdete Schönheit zum Einsatz kommt, zeigt hier eine hintergründige Darstellung ihrer innerlich zerrissenen Figur und stellt diese großartig dar.

Über die Rolle von Sy ("Ziemlich beste Freunde", "Lupin" "Ruf der Wildnis") mag man sich zu Beginn wundern, ehe sich sein Charakter wandelt, immer mehr Tiefe bekommt und dadurch mehrere interessante Ebenen hat.

So kann der französische Superstar in "Bis an die Grenze" sowohl seine komödiantische, als auch seine dramatische Klasse unter Beweis stellen. Mit seinem Charme wickelt er das Publikum genau wie Efira ohnehin um den kleinen Finger. Diesem dynamischen Duo in nichts nach stehen die Charakterdarsteller Gadebois ("Intrige") und Maadi ("Nader und Simin - eine Trennung"), die die Qualität hochhalten.

Virginie (Virginie Efira, 44) und Aristide (Omar Sy, 43) haben ein ambivalentes Verhältnis zueinander.
Virginie (Virginie Efira, 44) und Aristide (Omar Sy, 43) haben ein ambivalentes Verhältnis zueinander.  © PR/Studiocanal GmbH / Thibault Grabherr

"Bis an die Grenze" feierte Weltpremiere auf der 70. Berlinale, Omar Sy sorgte für beste Stimmung

Omar Sy (43) sorgte auf der Berlinale-Pressekonferenz am 28. Februar 2020 für gute Stimmung. Das galt später am Abend auch für seinen Auftritt bei der Premiere.
Omar Sy (43) sorgte auf der Berlinale-Pressekonferenz am 28. Februar 2020 für gute Stimmung. Das galt später am Abend auch für seinen Auftritt bei der Premiere.  © Christoph Soeder/dpa

Wenig verwunderlich also, dass es bei der Weltpremiere auf der diesjährigen 70. Berlinale am 28. Februar im rappelvollen Berlinale Palast, bei der TAG24 vor Ort war, lang anhaltenden Applaus nach der Vorstellung gab.

Diese sollte eigentlich um 22 Uhr beginnen, startete aber erst mit Verspätung. Das nahmen die Zuschauer klaglos hin und schauten auf die Leinwand, wo die Szenen vom roten Teppich übertragen wurde. Sy gab hier ausführlich Interviews und stand auch für Selfie- und Autogrammwünsche seiner Fans zur Verfügung.

Als er dann unter Applaus den riesigen Saal betrat, machte er die Verzögerung mit seinem Humor locker wieder wett und sorgte schon vor Filmbeginn mit seinen Witzen für gute Stimmung.

Auch nach der Vorführung blieb der Star, der es bis nach Hollywood geschafft hat und dort in großen Blockbustern wie "Jurassic World" oder "X-Men: Zukunft ist Vergangenheit" zu sehen ist, im Gegensatz zu anderen Kollegen im Saal und ließ sich mit Fans fotografieren. Dabei war er ganz gelassen, cool, geerdet und geduldig.

Damit stand er sinnbildlich für "Bis an die Grenze". Das Drama vermittelt wichtige Botschaften, regt zur Diskussion an und ist dank glaubwürdiger Dialoge, starker Schauspieler sowie einer faszinierenden Geschichte um Ethik und Moral definitiv einen Kinobesuch wert!

Titelfoto: PR/Studiocanal GmbH / Thibault Grabherr

Mehr zum Thema Filmkritik: