"Blackbird": Letztes Familientreffen vor illegaler Sterbehilfe für Schwerkranke!

Deutschland - Polarisierendes Thema! In "Blackbird - Eine Familiengeschichte", der am 24. September in den deutschen Kinos startet, geht es um die Sterbehilfe für eine schwer kranke Frau.

Ein letztes Mal kommt die Familie in dieser Konstellation zusammen.
Ein letztes Mal kommt die Familie in dieser Konstellation zusammen.  © PR/Millenium Films

Denn schon in wenigen Wochen wird Lily (Susan Sarandon) das Bett nicht mehr allein verlassen können und auf die Hilfe von ihrem liebevollen Mann Paul (Sam Neill) angewiesen sein. Ihre Lebensqualität wäre daher so gut wie gar nicht mehr vorhanden. Deshalb trifft sich die Familie ein letztes Mal in dieser Konstellation im wunderschönen Landhaus, bevor dieses grausame Schicksal Realität wird.

Die seriöse Jennifer (Kate Winslet) und ihr Mann Michael (Rainn Wilson) kommen mit ihrem Sohn Jonathan (Anson Boon) ebenso vorbei wie die komplizierte Anna (Mia Wasikowska) und ihre feste Freundin Chris (Bex Taylor-Klaus) sowie Lilys älteste Kumpanin Liz (Lindsay Duncan). 

Dabei wird schnell ersichtlich, dass in der Vergangenheit einiges zwischen den einzelnen Personen vorgefallen ist. Nach anfänglichem Abtasten werfen sich etwa Jennifer und Anna einige heftige Dinge an den Kopf.

Deshalb drohen die gemeinsamen Tage in dauerhaften Streit auszuarten. Können sich alle besinnen und Lily schöne letzte Tage bescheren?

Deutscher Trailer zu "Blackbird" mit Susan Sarandon, Kate Winslet, Sam Neill und Mia Wasikowska

Susan Sarandon, Sam Neill und Kate Winslet spielen in "Blackbird - Eine Familiengeschichte" groß auf

Lily (l., Susan Sarandon) und ihre älteste Tochter Jennifer (Kate Winslet) hatten nicht nur schöne Zeiten miteinander.
Lily (l., Susan Sarandon) und ihre älteste Tochter Jennifer (Kate Winslet) hatten nicht nur schöne Zeiten miteinander.  © PR/Metropolitan Filmexport

Glücklicherweise ist dieses US-Remake des dänischen Dramas "Silent Heart – Mein Leben gehört mir" (2014) keine typische Neuauflage von der Stange geworden.

Nein, man kann vor Roger Michell ("Notting Hill", "Morning Glory", "Hyde Park am Hudson"), seinem Cast und seiner Crew nur den Hut ziehen. Das hier ist nämlich erkennbar ein eigenständiges Werk mit Substanz.

Der erfahrene Regisseur geht die schwierige Thematik nämlich subtil und sensibel an, wodurch er für ein tiefgehendes Verständnis der einzelnen Figuren sorgt, die allesamt wichtige Szenen spendiert bekommen. Diese treiben die Story und Charakterentwicklung voran, was wiederum dazu führt, dass man sich mit den Protagonisten identifizieren kann, weil sie ihre Eigenheiten und Probleme haben.

Dass das so gut herausgearbeitet wird, liegt auch am hintergründigen Drehbuch, durch das man die Motive und Handlungen der Protagonisten sehr gut nachvollziehen kann. Dabei bewegen sie sich in einer moralischen und ethischen Grauzone, weshalb ihr Zwiespalt glaubwürdig erscheint. Darüber hinaus haben die Schauspieler mit ihren exzellenten Leistungen entscheidenden Anteil daran, dass der Film geerdet daherkommt. 

Sarandon ("Thelma & Louise") zeigt ihre stärkte Performance seit vielen Jahren und trägt das Drama mit ihrer darstellerischen Vielschichtigkeit problemlos. Der kernige Neil ("Jurassic Park"), die hervorragende Winslet ("Titanic"), die erfahrene Duncan ("Birdman oder Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit") und Wasikowska ("Alice im Wunderland"), die ihre verletzliche Ader geschickt mit Stärke mixt, spielen ihr und sich gegenseitig die Bälle gut zu.

Lily (Susan Sarandon) und ihr herzlicher Mann Paul (Sam Neill) genießen ihre letzten gemeinsamen Tage.
Lily (Susan Sarandon) und ihr herzlicher Mann Paul (Sam Neill) genießen ihre letzten gemeinsamen Tage.  © PR/Metropolitan Filmexport

"Blackbird - Eine Familiengeschichte" erzählt eine aus dem Leben gegriffene Geschichte überzeugend

Jennifer (Kate Winslet) und ihre jüngere Schwester Anna (Mia Wasikowska) haben ein ambivalentes Verhältnis zueinander.
Jennifer (Kate Winslet) und ihre jüngere Schwester Anna (Mia Wasikowska) haben ein ambivalentes Verhältnis zueinander.  © PR/LEONINE DISTRIBUTION GMBH

Die Chemie zwischen den Schauspielern stimmt also, dazu verändert sich die Dynamik zwischen den Charakteren je nach Szene regelmäßig, weshalb das Drama durchgehend interessant sowie spannend daherkommt und Faszination ausübt.

Das liegt auch an den feinfühligen zwischenmenschlichen Momenten, die Michell immer wieder geschickt einbaut. Ohnehin gelingt es ihm, sein Werk sehr gut auszubalancieren, allen Figuren und deren unterschiedlichen Standpunkten Raum zu geben, sie dabei nicht zu verurteilen, sondern ganz neutral darzustellen, sodass sich die Zuschauer ihr eigenes Urteil bilden können und zum Nachdenken angeregt werden.

Deshalb geht der Film zu Herzen, bewegt aufgrund seiner aus dem Leben gegriffenen Geschichte, die in der Realität leider viel zu oft auf ähnliche Weise vorkommt und sorgt für einige Lacher, weil immer wieder mit feinem Sinn für Humor auflockernde und amüsante Sequenzen eingebaut werden.

All das, die herrlichen Locations, die von der ruhigen Kameraführung in hochwertigen cineastischen Bildern eingefangen werden und die gefühlvolle Musikuntermalung machen "Blackbird. Eine Familiengeschichte" zu einem herausragenden Drama, das einen eine emotionale Achterbahnfahrt durchleben lässt und zum Reflektieren anregt - stark!

Titelfoto: PR/Metropolitan Filmexport

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