"Borga": Flüchtling schafft es von giftiger Elektroschrott-Müllhalde nach Deutschland!

Deutschland - Er hat beim renommierten Filmfestival Max Ophüls Preis richtig abgeräumt! Nun kommt "Borga" am 28. Oktober auch regulär in die deutschen Kinos und ist ein sehenswertes Flüchtlingsdrama geworden. Die TAG24-Kritik.

Nabil (Solomon Anim) und Kojo (Emmanuel Affadzi, r.) wollen es irgendwann mal aus Agbogbloshie herausschaffen.
Nabil (Solomon Anim) und Kojo (Emmanuel Affadzi, r.) wollen es irgendwann mal aus Agbogbloshie herausschaffen.  © PR/Chromosom Film GmbH/Tobias von dem Borne

Das Werk von Regisseur York-Fabian Raabe (42) setzt in Ghanas Hauptstadt Accra ein, genauer gesagt auf der Elektroschrott-Müllhalde Agbogbloshie. Dort leben die Brüder Kojo (Emmanuel Affadzi) und Kofi (Jamal Baba) in ärmlichen Verhältnissen mit ihrem Vater (Adjetey Anang, 48), ihrer Mutter (Lydia Forson, 36) und ihren Schwestern.

Gerade für Kojo sind die Verlockungen, auf die schiefe Bahn zu geraten, groß, weil viele seiner Freunde den ein oder anderen Diebstahl begehen. Doch sein Vater redet ihm immer wieder wirkungsvoll ins Gewissen.

Als dann sein älterer Bruder Kofi zu dessen rechter Hand ernannt wird und ihm Befehle gibt, ist Kojo wenig begeistert, weil er zur Schule gehen und lernen soll, um es mal besser zu haben. Als er einen Borga, einen reichen Onkel aus dem Ausland trifft, hat er ein klares Ziel vor Augen: Er will es aus dem Armenviertel herausschaffen und selbst mal vermögend sein.

Doch Jahre später hängt er immer noch in Accra fest. Als sich ihm aber die Gelegenheit bietet, zu flüchten, nutzt er sie und kommt schließlich in Mannheim an. Dort ist das Leben allerdings lange nicht so rosig, wie er sich das vorgestellt und erhofft hat. Stattdessen muss Kojo (Eugene Boateng, 36) aufpassen, nicht ausgenutzt zu werden...

Trailer zu "Borga" mit Eugene Boateng und Christiane Paul

"Borga" hat Tiefgang und viel Qualität

Kleider machen Leute: Der Anzug von Kojo (Eugene Boateng, 36) ist eine eigene Filmfigur.
Kleider machen Leute: Der Anzug von Kojo (Eugene Boateng, 36) ist eine eigene Filmfigur.  © PR/Chromosom Film GmbH/Tobias von dem Borne

Diese interessante Geschichte hat Raabe sehr gut umgesetzt - und vor allem ohne Klischees zu bedienen! Stattdessen merkt man seinem Indie-Hit an, dass er mit Herzblut gedreht wurde, was sich wiederum auf die Zuschauer überträgt.

Darüber hinaus ist das deutsche Drama ruhig inszeniert und legt Wert auf empathische Zwischentöne. Das wiederum sorgt für ein tiefergehendes Verständnis der Figuren um Kojo. Gerade die Darstellung von seinem inneren Zwiespalt ist ein Grund dafür, weshalb "Borga" so gut funktioniert und ein berührender Film geworden ist, der einen auch emotional mitreißt.

Außerdem muss der Hauptprotagonist gegen viele Widerstände ankämpfen, die ein Großteil der Menschen kennt. Den Ausweg aus einer hoffnungslosen Lage zu finden, einen Job zu bekommen, in dem man Wertschätzung und Respekt erfährt, der zudem finanziell etwas abwirft, zusätzlich der Überlebenskampf, die Familienprobleme und den schweren Aufbau eines neuen Lebens fernab der Heimat.

All diese Aspekte hat Raabe dank eines exzellenten Drehbuchs, klugen Schnitts sowie geschliffener Dialoge mit seiner Crew erstklassig herausgearbeitet und daher einen wichtigen, ausgewogenen sowie hintergründigen Beitrag zur Flüchtlingsdiskussion abgeliefert, der die afrikanische Perspektive einnimmt und des Weiteren auf den moralischen Zeigefinger verzichtet, obwohl er die Auswirkungen von exzessivem Konsum und Kapitalismus zeigt und anprangert.

Eugene Boateng zeigt in "Borga" eine brillante Leistung

Christiane Paul (47) spielt in "Borga" eine tragende Nebenrolle, die sie gut ausfüllt.
Christiane Paul (47) spielt in "Borga" eine tragende Nebenrolle, die sie gut ausfüllt.  © PR/Chromosom Film GmbH/Tobias von dem Borne

Dass er so gut funktioniert, liegt auch am Casting. Hier tut sich ganz besonders der charmante und vielseitige Boateng ("Tribes of Europa") hervor, der die Seele seiner Figur großartig erfasst hat und sie in jederlei Hinsicht stark porträtiert. Da die anderen Schauspieler ebenfalls überzeugende Leistungen zeigen, ist "Borga" ein glaubwürdiger Film geworden.

Daran haben auch die abwechslungsreichen Locations ihren Anteil, zeigen sie doch die kulturellen Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten zwischen Accra und Mannheim auf. Dank der dynamischen Kameraführung bekommen die Zuschauer zudem viele abwechslungsreiche Bilder zu sehen.

Untermalt wird all dies von einem elektrisierenden Hip-Hop-Score, durch den man den Takt und die ghanaische Lebensfreude gut nachvollziehen kann - eine hervorragende Leistung!

Sogar ein eigener Charakter sind die Kostüme, die den sozialen Aufstieg von Kojo begleiten. Trägt er anfangs Klamotten, die nach Plastik und dem Elektroschrott riechen, ziert ihn später ein perfekt geschnittener, teurer Anzug, in dem er selbstbewusst, mit Charme und auch Humor auftritt.

Hauptsong des Films: "Borga" von Sarkodie

"Borga" wurde auf dem Filmfestival Max Ophüls Preis gleich mit vier Awards ausgezeichnet.
"Borga" wurde auf dem Filmfestival Max Ophüls Preis gleich mit vier Awards ausgezeichnet.  © PR/Chromosom Film GmbH

"Borga" ist ein herzlicher Film geworden, der eine aus dem Leben gegriffene Geschichte flüssig erzählt, dabei die positiven Seiten, aber auch die schweren Momente des Lebens beleuchtet und eine gute Balance findet, all das gekonnt miteinander zu verbinden. Lohnt sich!

Titelfoto: PR/Chromosom Film GmbH

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